WM 2014 und Olympia 2016: Brasilien holt seine Fußball-Stars zurück

WM 2014 und Olympia 2016 : Brasilien holt seine Fußball-Stars zurück

Düsseldorf (RPO). Lange Zeit galt der brasilianische Fußball lediglich als Ausbildungsstätte für die europäischen Klubs. Jeder halbwegs begabte Spieler wurde nach Europa transferiert, während die eigene Liga ein eher tristes Dasein verlebte. Natürlich bleibt Brasilien das führende Fußball-Exportland, doch das Selbstverständnis der Klubs hat sich verändert. Möglich machen dies auch Rückkehrer wie Ronaldinho.

In den vergangenen zwei Jahren wagten immer mehr bekannte Brasilianer den Schritt zurück in die Heimat, der zumindest finanziell kein Rückschritt für die Stars ist. Ronaldinho soll bei Flamengo, dem beliebtesten Klub im Lande, 700.000 Euro verdienen — im Monat. Der bereits 2009 zu Corinthians Sao Paulo zurückgekehrte Ronaldo verdient dem Vernehmen nach ebenfalls über acht Millionen Euro pro Jahr.

Eine Summe, die dem einstigen "Phänomen" heute in Europa kein Klub mehr bieten würde. Doch, wer glaubt, die Profis begeben sich mit dem Wechsel nach Brasilien in eine Art Frührente, der irrt. Zwar ist das Spiel in Südamerika nicht ganz so schnell wie in Europa, aber durch den aufgeblähten Spielplan stehen bis zu 80 Pflichtspiele auf dem Programm.

Sponsoren bezahlen Altstars

Neben den beiden Galionsfiguren haben noch zahlreiche andere Stars wieder in der heimischen Liga Fuß gefasst. Die Nationalspieler Vagner Love (Palmeiras und Flamengo), Robinho (Santos) und Adriano (Santos und Flamengo) ließen sich in die Heimat ausleihen, um ihre Chancen auf eine Teilnahme bei der WM 2010 zu verbessern, bevor sie ihre Karrieren im Ausland fortsetzten. Die in Europa erfolgreichen Fred, der gebürtige Brasilianer Deco und Juliano Belletti feierten kürzlich den Titelgewinn mit Fluminense, bei Corinthians läuft neben Ronaldo im schussgewaltigen Freistoß-Spezialisten Roberto Carlos ein weiterer Top-Verdiener auf.

Diese spektakulären Transfers sind möglich, obwohl es den brasilianischen Top-Klubs finanziell nicht viel besser geht als ihren europäischen Pendants. Die Vereine sind oft hoch verschuldet, doch potente Sponsoren übernehmen die Gehälter der Stars. Dass die Trikots dafür zunehmend mit Firmenschriftzügen nach österreichischem Vorbild zugepflastert werden, stört kaum jemanden.

Wirtschaftsboom, WM und Olympia

"Finanzierbar sind solche Transfers nur, weil es der Wirtschaft so gut geht", sagt der in Rio de Janeiro lebende BBC-Journalist Tim Vickery. Und in der Tat hat sich die Wirtschaft in den acht Jahren Regierung durch den schillernden Präsidenten Juan Inacio Lula da Silva prächtig entwickelt. Der Sport — und vor allem die Lieblingssportart aller Brasilianer: Fußball — profitieren davon gewaltig. 2014 findet die WM in Brasilien statt, 2016 folgt die Ausrichtung der Olympischen Spiele in Rio.

Bis dahin dürfte das Land laut Prognosen der Weltbank in die Liga der fünf größten Wirtschaftsmächte aufgestiegen sein und dabei Nationen wie Frankreich und Großbritannien überholt haben. Durch diesen Boom ist es den brasilianischen Klubs aber nicht nur möglich, Alt-Stars der Güteklasse Ronaldinho zu verpflichten, sondern gleichzeitig auch aufstrebende Talente im Land zu halten, zumindest ihren Wechsel nach Europa zu verzögern.

Talente geben Europa einen Korb

So gelingt es dem früheren Pele-Klub FC Santos, den 18 Jahre alten Angreifer Neymar, der unlängst sein Debüt in der Selecao feierte, ebenso zu halten wie den 21 Jahre alten Mittelfeldspieler Paulo Henrique, obwohl beide bereits seit Monaten attraktive Avancen aus Spanien, Italien oder England erhalten. Gleiches gilt für Rohdiamanten wie Internacionals 20 Jahre alten Mittelfeldspieler Giuliano sowie Jucilei (22), Bruno Cesar (22) und den 21-jährigen Angreifer Dentinho von Corinthians.

Zudem sind auch die Ansprüche der Spieler gestiegen. Wollten diese früher einfach nur nach Europa, um ihren großen Traum zu leben, hört sich das heute anders an. So lehnte der junge Paulo Henrique vor zwölf Monaten bereits ein millionenschweres Angebot der Scheichs von Manchester City mit dem Hinweis ab, er werde nur nach Europa gehen, um für den AC Mailand, den FC Barcelona oder Real Madrid zu spielen.

Die Zeiten in Brasilien haben sich geändert.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Diese Brasilianer wechselten in die Heimat

(can)