Borussia Mönchengladbach baut Tabellenführung gegen Werder Bremen auf vier Punkte aus

Souveräner 3:1-Sieg gegen Bremen : Borussia bleibt Spitzenreiter und baut Vorsprung aus

Borussia Mönchengladbach hat sich auch gegen Werder Bremen souverän durchgesetzt und seine Tabellenführung auf vier Zähler ausgebaut.

Dass Borussia als Tabellenführer in die Länderspielpause gehen würde, war vor dem Spiel gegen Werder Bremen klar. Doch die Mannschaft von Marco Rose hat das Optimum aus dem 11. Spieltag herausgeholt. 3:1 (2:0) wurden die Bremer besiegt, weswegen die Gladbacher ihren Vorsprung auf die Verfolger auf vier Punkte ausgebaut haben und nun mindestens noch bis Ende November/Anfang Dezember ganz oben stehen werden.

Denn selbst bei einer Niederlage im nächsten Spiel bei Union Berlin (23. November) kann sie niemand überholen. Die Wermutstropfen des erneuten Gladbacher Feiertages sind die Verletzungen von Christoph Kramer und Laszlo Bénes, die beide ausgewechselt werden mussten.

Marco Rose baute seinen Angriff im Vergleich zum Spiel gegen AS Rom am Donnerstag um. Patrick Herrmann, seit Freitag Vater eines Sohnes, kam ebenso ins Team wie Alassane Plea. Der Franzose hatte genau vor einem Jahr im Alleingang für den 3:1-Sieg in Bremen gesorgt. Zwei Herren brachte Rose also, die potenziell für eine der typischen Ausgerechnet-Geschichten des Fußballs in Frage kamen.

Nach der Gedenkminute für Robert Enke, der sich vor zehn Jahren wegen Depressionen das Leben genommen hatte, gab es gleich den Schulterschluss zwischen Team und Nordkurve – das ist ein Funke, der die Energie der Borussen ausmacht. Es ist Roses Prinzip, die Fans mitzunehmen, sie für sich und den Fußball seiner Mannschaft einzunehmen. Das hat er vor der Saison versprochen und bis jetzt diese Versprechen eingelöst. Den Willen zum Sieg, den der Trainer predigt, leben die Borussen von der ersten und über die letzte Minute hinaus. Wie zuletzt beim 2:1 gegen die Roma in der Europa League.

„Wir wollen den Schwung vom Rom-Spiel mitnehmen“, hatte Verteidiger Nico Elvedi gesagt. Nach wenigen Sekunden hätte Marcus Thuram, der gefeierte Held vom Donnerstag, seinem Treffer gegen die Roma in der Nachspielzeit gleich das nächste Tor folgen lassen können: Nach Stefan Lainers Flanke kam er frei zum Schuss, verfehlte aber das Tor. Es wurde Abseits angezeigt, doch hätte eine Überprüfung durch den Video-Assistenten vermutlich ergeben, dass dies nicht so war. Thurams Fehlschuss indes verhinderte Debatten zu dem Thema.

Auf der anderen Seite durfte Milot Rashica den ersten Bremer Abschluss fabrizieren, er wäre auch erfolgreich gewesen, hätte nicht Yann Sommer den Ball abgewehrt. Bremen stand tief und suchte die Gelegenheiten zum Kontern. Doch sie kamen erstmal selten in den Genuss in den ersten 25 Minuten. Borussia war bereit, „alles, was im Tank ist, rauszuhauen“, ganz so, wie es Rose es angesagt hat. In der 20. Minute gab es den ersten zählbaren Erfolg: Laszlo Bénes schlug einen, lehnen wir uns aus dem Fenster, perfekten Freistoß und Ramy Bensebaini rammte den Ball mit dem Kopf ins Tor zum 1:0 (20.).

Und dann kam, was zu vermuten war: Das Baby-Tor von Patrick Herrmann. Matthias Ginter spielte einen ganz starken Pass auf Thuram, Bremens Torwart Jiri Pavlenka rannte den Franzosen um, doch Herrmann stand richtig und schob den Ball ins verwaiste Tor zum 2:0. Zwei Minuten waren seit Bensebainis Debüt-Tor für Gladbach vergangen.

Glück hatten die Borussen, als Schiedsrichter Tobias Stieler ein Tor von Yuya Osako nicht anerkannte. Rashica hatte wohl zuvor Denis Zakaria gefoult, weswegen Stieler mit Hilfe des Video-Assistenten das Tor annullierte (27.). Kurz vor der Pause hielt Sommer stark beim Kopfball von Maximilian Eggestein. Eine gewisse Offenheit war in der Defensivarbeit der Borussen festzustellen nach dem 2:0. Auch gleich nach der Pause kamen die Gäste immer wieder zu Abschlüssen. In der 52. Minute konsultierte Stieler erneut den VAR – und gab Elfmeter für Bremen, weil der Schiedsrichter nachträglich eine Aktion von Bensebaini als elfmeterreifes Foul wertete und auf den Punkt zeigte. Doch Yann Sommer, eigentlich kein Elfmeter-Töter, flog richtig und hielt den Ball.

Kurz darauf gab es einen personellen Rückschlag. Nach einer Attacke von Nuri Sahin musste der starke Bénes vom Platz mit einer Sprunggelenksverletzung. Viel Teamkollegen sprachen ihm Mut zu, möglich, dass es ihn schwerer erwischt hat. Es war schon der zweite Gladbacher, der verletzt raus musste, vorher hatte Christoph Kramer einen Schlag auf das rechte Knie bekommen. Doch die Borussen haben sich angewöhnt, auf widrige Umstände trotzig zu reagieren. Denn kaum war Florian Neuhaus für Bénes gekommen, erzielte Patrick Herrmann das 3:0. Fast hätte der frischegebackene Papa nochmal getroffen, doch Pavlenka bekam noch die Fingerspitzen an seinen feinen Freistoß (68.). So blieb es bei Herrmanns Doppelpack. Kurz vor Schluss sah Bensebaini (87.) wegen eines Fouls die Gelb-Rote Karte. Beim Gegentreffer von Leonardo Bittencourt (90.+4) war Sommer chancenlos.

Doch der vierte Liga-Heimsieg in Serie und zuletzt 14:5 Tore (dazu kommt das 2:1 gegen Rom in Europa) war den Borussen auch so sicher. Ebenso wie Platz eins. Entsprechend euphorisch verabschiedeten die Fans die Mannschaft in die Liga-Pause. Binnen vier Tagen wurde zum zweiten Mal ausgelassen vor der Nordkurve getanzt, Marcus Thuram gab auch wieder den Fahnen-Schwenker. Der Fußball ist in Mönchengladbach in diesen Tagen ein steter Quell der Freude. Und es wird aktiv geträumt: „Deutscher Meister wird nur der VfL“, sangen die Fans.

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