Borussia Dortmund gegen Bayern München: "Deutscher Meister wird nur der BVB"

Dortmund feiert Sieg gegen Bayern: „Deutscher Meister wird nur der BVB“

Auf den Sitzen hielt es in Dortmund am Samstagabend niemanden mehr. Die Fans des BVB feierten den Sieg gegen den FC Bayern lautstark. Die Verantwortlichen traten nach dem hochklassigen Spiel allerdings etwas auf die Euphoriebremse.

Um 20.15 Uhr am Samstagabend wurde das ehemalige Westfalenstadion zur größten Stehplatzarena der Republik. Das Publikum auf den teuren Plätzen schnellte in die Höhe und kehrte bis zum Abpfiff nicht mehr auf den Sitz zurück, die Anhänger in den Fankurven standen ohnehin. Anlass für diesen kollektiven Anfall von Begeisterung war ein Fehlpass des Münchner Nationalspielers Jerome Boateng. Mit einer mutigen Attacke hatten Borussia Dortmunds Angreifer den Fehler erzwungen. Die folgenden zehn Minuten feierte Borussia Dortmunds Anhang jede gelungene Grätsche, jeden Kopfball. Und am Ende brüllte ein ganzes Stadion: "Deutscher Meister wird nur der BVB." Mit 3:2 bezwang der Gastgeber die Bayern, er ging aus einem hochklassigen Spitzenspiel als souveräner Spitzenreiter hervor. Der Abstand zu den Münchnern beträgt sieben Punkte. Und das ist, bei aller Achtung vor den weiteren Teams in der Bundesliga-Spitzengruppe, die Maßeinheit.

Deutscher Meister sind die Dortmunder noch nicht. Nach elf Spielen wird kein Titel verliehen. Aber die Art, wie sie wieder mal mit Leidenschaft und Tempo auf einen Rückstand gegen einen diesmal lange Zeit beeindruckenden Gegner reagierten, zeigt, was in dieser Saison möglich ist. "Es macht einfach Spaß", sagte Kapitän Marco Reus, der voranging in einem für Dortmund zu Beginn sehr schwierigen Spiel.

Die Bayern blockierten die Mitte des Spielfelds, Dortmund kam kaum zu seinen schnellen Angriffen, weil die Münchner Druck machten, und weil der BVB auf Ballverluste der Bayern zu hektisch reagierte. Dass der Rekordmeister durch einen Kopfballtreffer von Robert Lewandowski in Führung ging, war Ausdruck einer starken Vorstellung. "Das beste Spiel seit langem", fand der Münchner Trainer Niko Kovac.

Das stimmt aber nur bedingt. Nach dem Wechsel brachten die Dortmunder ihre Geschwindigkeitsvorteile quasi mit der ersten Ballberührung auf den Platz. Jadon Sancho schickte Reus in die vielgerühmte Tiefe. Das folgende körperliche Aufeinandertreffen mit seinem Nationalmannschaftskollegen Manuel Neuer wertete Schiedsrichter Manuel Gräfe als Foul des Münchner Torwarts. Den Elfmeter verwandelte Reus kühl und gekonnt zum Ausgleich.

Und die Dortmunder Maschine war nun warm-, ja heißgelaufen. Selbst die erneute kalte Dusche durch die neuerliche Führung der Bayern nach einer zauberhaften Kombination, die wiederum Lewandowski abschloss, hinterließ keinen Eindruck. Die schnellen BVB-Spieler kamen immer wieder hinter die im Vergleich behäbige Münchner Abwehr. Reus und der eingewechselte Paco Alcacer scheiterten bei großen Gelegenheiten aus ein paar Metern Entfernung. Aber sie ließen sich nicht entmutigen. Der ebenfalls eingewechselte Mo Dahoud führte zusammen mit Axel Witsel aus dem zentralen Mittelfeld zahlreiche vielversprechende Konter an, die Bayern ins Mark trafen.

Dem Tempo der Dortmunder waren die Münchner nicht mehr gewachsen. "Das ist ihre Stärke, die haben wir nicht unterbinden können", sagte Neuer, "wir haben zugelassen, dass sie immer wieder hinter unsere Kette kamen." Auch Kovac fand das spielentscheidend. "Es darf uns nicht passieren, dass wir im fremden Stadion zweimal ausgekontert werden", erklärte er, "und wir müssen erfahren genug sein, uns nicht immer auf das Pressing des Gegners einzulassen. Da muss der Ball auch mal lang geschlagen werden."

Die Aufbauversuche verfingen sich jedoch immer wieder in den Reihen der viel laufstärkeren Dortmunder, die mit Toren von Reus und Alcacer das Spiel auch im Ergebnis zu ihren Gunsten wendeten. Bayern hielt bis zum Schluss mit eher verzweifelten Angriffen dagegen, Dortmund verdiente sich den Sieg, weil es Geschwindigkeit und Begeisterung auf den Platz brachte.

Natürlich wollte niemand etwas von einer Vorentscheidung im Titelrennen wissen. Die Dortmunder nicht, weil sie das Glück nicht beschreien wollen und indem sie wie Reus auf das Mantra ihres Trainers Lucien Favre setzen, nach dem "wir von Spiel zu Spiel schauen". Und die Bayern nicht, weil sie diese Saison nicht vorzeitig aufgeben wollen. "Es ist erst ein Drittel gespielt, da kann man noch viel gut machen", betonte Kovac. "Die Bayern", urteilte Reus, "sind auch auf lange Sicht stark." Schwach waren sie schon in Dortmund nicht, über 90 Minuten aber nicht stark genug.

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