Borussia Dortmund - FC Bayern München: Pierre-Emerick Aubameyang gegen Robert Lewandowski

Aubameyang gegen Lewandowski : Das Duell der gehemmten Tormaschinen

Wenn Borussia Dortmund heute den FC Bayern empfängt, ist es auch ein Aufeinandertreffen der besten Liga-Torjäger. Beide stehen sinnbildlich für die Situation ihres Vereins. Der eine ist in der Krise, der andere körperlich angeschlagen.

Wer wissen will, welch hohen Anspruch sich Pierre-Emerick Aubameyang erarbeitet hat, muss nur die Diskussion um den Torjäger in den vergangenen Tagen verfolgen. Es hat fast den Anschein, als befände sich der Gabuner auf einer Durststrecke von mehreren Monaten. Dabei hat der 28Jährige zuletzt vor drei Wochen per Doppelpack gegen Leipzig getroffen. In vier Pflichtspielen seitdem hat er kein Tor mehr erzielt. Eigentlich keine große Sache. Wäre da nicht die Gesamtsituation des Vereins.

Denn in Bundesliga und Champions League stehen für Borussia Dortmund seit diesem 2:3 gegen Leipzig eine weitere Niederlage und drei Unentschieden zu Buche. Und so wird die "Krise" (Kapitän Marcel Schmelzer) des Klubs eben auch zur Krise des Torschützenkönigs der Vorsaison. Heute (18.30 Uhr) trifft Aubameyang auf seinen seit Jahren ärgsten Konkurrenten im Bundesliga-Wettschießen: Robert Lewandowski. Der Pole steht ebenfalls sinnbildlich für die Situation seines Vereins. Der FC Bayern hat mit Personalsorgen zu kämpfen. Lewandowski, der von muskulären Problemen im Oberschenkel zum Pausieren gezwungen wurde, soll im Topspiel bei seinem Ex-Klub aber wieder auflaufen.

"Er hat gut trainiert, er hat überhaupt keine Beschwerden und ist hoch motiviert", sagte Jupp Heynckes über die Münchener Lebensversicherung im Sturm. Der Trainer atmet auf. Nach dem erkämpften 2:1 bei Celtic Glasgow und dem damit erreichten Achtelfinaleinzug in der Königsklasse hatte Heynckes deutlich gemacht, dass sein Team aufgrund der hohen Belastungen und den wenigen Rotationsmöglichkeiten langsam auf dem Zahnfleisch gehe. In Schottland hatte James Rodriguez in der Spitze aushelfen müssen. Mit mäßigem Erfolg. Nun ist neben Lewandowski auch Thomas Müller wieder ins Training eingestiegen. Und prompt klingt Heynckes anders: Er wünsche sich, "dass wir noch eine Schippe drauflegen. Wir haben noch riesige Ressourcen. Ich bin zuversichtlich, dass wir uns steigern können."

Als Heynckes Anfang Oktober bei den Bayern Carlo Ancelotti ablöste, lag Dortmund mit fünf Punkten Vorsprung an der Spitze. Eine BVB-Krise und drei Bayern-Siege später grüßen die Münchner mit drei Punkten Abstand vom Platz an der Sonne. "Der Druck liegt nicht bei uns", sagt Bayern-Star Arjen Robben deshalb fast genüsslich.

Das weiß auch Dortmunds Trainer Peter Bosz: "Wir müssen das Spiel gewinnen. Erst einmal, weil wir Dortmund sind und zu Hause spielen, und zweitens für das Gefühl." Vielleicht, so Bosz, komme deshalb das Spitzenspiel "zum richtigen Moment. Wir haben die Möglichkeit, Tabellenführer zu werden und die Stimmung zu drehen."

Um das zu erreichen, wäre ein Aubameyang, der seine Kaltschnäuzigkeit wiederentdeckt, natürlich hilfreich. "Ein Stürmer, der einige Wochen nicht trifft, denkt nach", erklärte Bosz: "Er hat derzeit auch kein Glück. Das kommt aber wieder."

Karl-Heinz Rummenigge betonte, man fahre "mit stolzgeschwellter Brust nach Dortmund - und nicht mit Hühnerbrust". Bayerns Vorstandsboss sagte aber auch: "So ein angeschlagener Boxer ist immer gefährlich, dass er dir einen Lucky Punch verpasst." Und diese Rolle klingt doch eigentlich wie gemacht für das Ende von Aubameyangs kurzer Durststrecke.

(erer)
Mehr von RP ONLINE