Borussia Dortmund: Diskussion um Mario Götze bleibt Dauerthema

Gegen Frankfurt wieder nur Ersatz: Was wird aus Mario Götze?

Spielerisch hapert es noch bei Borussia Dortmund. Doch die Ergebnisse unter Trainer Lucien Favre stimmen. Am Freitagabend mühte sich der BVB zu einem 3:1 gegen Eintracht Frankfurt und übernahm zumindest vorübergehend die Tabellenspitze. Mario Götze sah das Spiel wieder nur von der Ersatzbank.

Lucien Favre kennt es schon. Und dennoch nerven ihn die Fragen zu Mario Götze sichtlich. Auch auf der Pressekonferenz nach dem 3:1-Heimsieg gegen Eintracht Frankfurt am Freitagabend war der 26-Jährige erneut ein Thema.

„Wie gesagt: Es liegt am System. An dem der anderen und vor allem an unserem“, sagte Favre zur Situation des Mittelfeldspielers, der sich das Spiel wie schon in den zwei ersten Bundesliga-Partien von der Bank aus angucken musste. Gerade im Mittelfeld „sind wir enorm viele“, stellte der BVB-Trainer fest, und schob ein wenig aufmunternd hinterher: „Wir werden sehen, was in den nächsten Tagen und Wochen passiert.“

„Natürlich nervt ihn das“

Vor dem Spiel hatte bereits Sebastian Kehl, Leiter der BVB-Lizenzspielerabteilung, dem Edelreservisten Mut zugesprochen. "Natürlich nervt ihn das. Er will spielen. Trotzdem wirft sich Mario im Training rein. Er ist ein guter Junge, der unheimlich viel Potential hat. Er wird in den nächsten Spielen reinrutschen. Da bin ich mir ganz sicher. Dann ist es natürlich wichtig, dass er da ist“, sagte Kehl bei Eurosport.

Noch etwas aussichtsloser scheint die Situation bei Shinji Kagawa zu sein. Der Japaner durfte sich gegen Eintracht erneut nicht mal mehr umziehen, musste die Partie ebenso wie Julian Weigl und Sebastian Rode von der Tribüne aus anschauen.

Für das Quartett war kein Platz im 4-2-3-1-System, welches Favre zum ersten Mal in dieser Spielzeit einsetzte. Auch die Zugänge Axel Witsel und Paco Alcacer saßen zunächst draußen. Dafür kam der Däne Jacob Bruun Larsen zu seinem Startelf-Debüt. Der 19-Jährige lief als einer von vier Offensiv-Akteuren neben Marius Wolf, Marco Reus und Maximilian Philipp auf. So wollte Favre das stabile und laufstarke Frankfurter Defensiv-Gebilde knacken. Ein Plan, der zunächst nur bedingt aufging.

Im ersten Durchgang fand der BVB kaum eine Lücke im Eintracht-Verbund. Die Favre-Elf hatte zwar mehr Ballbesitz, rieb sich aber immer wieder in vielen verlorenen Zweikämpfen auf. Zur Pause hatte die BVB-Elf lediglich 36 % der Zweikämpfe gewonnen. Hinzu kamen zahlreiche Abspielfehler und Unkonzentriertheiten in der Ballannahme.

Dortmund-Führung nach Standardsituation

Beinahe schon folgerichtig ging dem Führungstreffer eine Standardsituation voraus. Den Kopfball von Dortmunds Innenverteidiger Abdou Diallo nach einer Ecke von Larsen konnte Eintracht-Keeper Kevin Trapp noch parieren, doch anschließend stocherte der BVB-Verteidiger den Ball irgendwie über die Linie (36.). Ein Tor aus dem Nichts.

„Die erste Halbzeit war okay, wir haben aber etwas zu wenig gemacht“, urteilte Favre. Im zweiten Abschnitt wurde es zunächst nur unwesentlich besser. Frankfurt stand auch nach dem Seitenwechsel defensiv sicher, versuchte den Dortmunder Spielaufbau nun aber früher zu stören, lauerte auf Chancen. Dem BVB fehlten weiterhin die kreativen Momente. „Uns hat die Geduld gefehlt“, ärgerte sich Favre. Erst mit der Hereinnahme von Jadon Sancho und Paco Alcacer, später kam noch Wistel dazu, passierte etwas – zunächst allerdings auf Seiten der Gäste.

Frankfurts Benjamin Haller traf in der 68. Minute auf Vorlage von Danny da Costa zum 1:1 – und sorgte so für Stille im Stadion. Nur vier Minuten nach dem Ausgleich war es damit aber schon wieder vorbei. Eine Flanke vom eingewechselten Sancho, der auf der rechten Seite gleich zwei Frankfurter mit einem Haken stehen ließ, veredelte der bis dahin blasse Wolf zum 2:1 (72.). Für den Ex-Frankfurter war es der erste Pflichtspieltreffer im BVB-Trikot. Plötzlich war richtig Stimmung im Tempel, weil beide Mannschaften nun mehr riskierten und auf das Tempo drückten. Doch es dauerte bis zur 88. Minute, ehe Alcacer für die endgültige Entscheidung sorgte. Der Spanier, der nach dem Spiel über leichte Probleme im Oberschenkel klagte, rundete mit seinem Premierentreffer einen am Ende gelungenen Abend aus der Sicht des BVB ab.

„Wir nehmen ein gutes Gefühl mit. Vor allem die Einwechselspieler muss man loben. Die Jungs, die reingekommen sind, haben das Spiel ein Stück weit mit entschieden“, sagte BVB-Keeper Roman Bürki. Torschütze Wolf erklärte: "Wir wussten, dass es ein körperlich hartes Spiel werden würde. Ich wollte unbedingt mein erstes Tor für Dortmund machen. Ein bisschen schade, dass es gegen die Eintracht war."

Mit nun sieben Punkten aus drei Spielen übernahm der BVB vorübergehend die Tabellenführung. Der Saisonstart ist geglückt – auch wenn der spielerische Glanz noch fehlt. Auch aus diesem Grund predigte Favre am Freitagabend fast mantraartig: „Das Team braucht noch Zeit. Und auch ich brauche Zeit, das beste System zu finden.“ Und das beste Personal.

In den kommenden Wochen wird er dazu reichlich Gelegenheiten bekommen. Frankfurt war das erste von sieben Spielen innerhalb von 23 Tagen. Bereits am Dienstag (21 Uhr) geht es für den BVB mit dem ersten Gruppenspiel der Champions League beim FC Brügge weiter. Ob Götze und Kagawa dann bereits ihre Chance bekommen, ist nach dem Auftakt fraglich.