Bayer 04 Leverkusen gewinnt beim FC Bayern München mit 2:1

Bayern - Leverkusen 1:2 : Bailey und Bayer schocken die Bayern

Mit einem Doppelpack legt der Jamaikaner Leon Bailey den Grundstein für den ersten Leverkusener Sieg in München seit Oktober 2012. Hansi Flicks jüngster „Unbesiegbar-Nimbus“ als Trainer des Rekordmeisters ist trotz etlicher Großchancen seines Teams dahin.

Nach zehn Minuten war es tatsächlich soweit: Der FC Bayern hat sein erstes Gegentor kassiert, seit Hansi Flick den Rekordmeister trainiert. Nach zuvor vier Münchner Siegen mit 16:0 Toren war es Leon Bailey, der nach Steilpass von Kevin Volland stellvertretend für Rest-Fußballdeutschland endlich den Bann brach – mit Links präzise ins rechte Eck. Es war der Auftakt eines unterhaltsamen, rassigen Samstagabendspiels, das mit einer kleinen Sensation endete: Bayern unterliegt Bayer 1:2 (1:2).

Doch die Werkself, von Trainer Peter Bosz gewohnt offensiv eingestellt in die Partie geschickt, hatte nur kurz vor ihrer Führung großes Glück, dass Serge Gnabrys Schuss aus knapp 14 Metern am Pfosten sein Ende fand. Auch nach dem Rückstand war der Nationalspieler im Mittelpunkt des Geschehens, aber Wendell klärte dessen Hereingabe auf den frei vor dem Tor lauernden Thomas Müller in letzter Sekunde (19.).

Insgesamt waren die Gastgeber sehr präsent und hatten deutlich mehr Spielanteile. Aber die ohne Coutinho, Thiago, Corentin Tolisso und Kingley Coman beginnenden Bayern waren auch verwundbar. Moussa Diaby hätte aus knapp 16 Metern auf 2:0 für Leverkusen erhöhen können, doch Manuel Neuer parierte stark (25.). Danach übernahm München zunehmend das Kommando und kam durch Müller, dessen Schuss kurz vor der Strafraumgrenze noch unglücklich von Sven Bender abgefälscht wurde, zum verdienten Ausgleich (34.).

Bayer ließ sich davon allerdings nicht im Geringsten beeindrucken. Charles Aránguiz schlug den Ball in klärender Absicht weit nach vorne zu Leon Bailey – und einen Doppelpass mit Volland später war es erneut der Jamaikaner, der Neuer überwand und den alten Abstand mit einem satten Schuss ins rechte lange Eck wiederherstellte (35.). Dass es mit der Leverkusener Führung in die Kabine ging, war aber vor allem der Verdienst von Lars Bender. Der Kapitän grätschte kurz vor dem Pausenpfiff dem im Strafraum einschussbereiten Ivan Perisic den Ball gerade noch vom Fuß.

Der emotionale Ausbruch des 30-Jährigen nach der Aktion – geballte Fäuste und ein zünftiger Urschrei – sagte alles über die Bedeutung dieser Szene aus. Direkt nach dem Wiederanpfiff ging der bayrische Chancenwucher weiter. Diesmal war es nach Freistoß von Joshua Kimmich Leon Goretzkas Kopfball, der knapp am Tor vorbeisegelte (46.). Auf der Gegenseite hatte Nadiem Amiri das 3:1 auf dem Fuß, doch Neuer parierte den Abschluss aus zentraler Position (50.).

Während sich die Partie kurzzeitig etwas beruhigte, blieb etwas Zeit, über die historische Einordnung des sich anbahnenden Ergebnisses nachzudenken: Der letzte Auswärtssieg der Werkself beim Rekordmeister war im Oktober 2012 durch einen Treffer von Stefan Kießling sowie ein Eigentor von Jérôme Boateng. Es war zudem der erste in wettbewerbsübergreifend 32 Versuchen seit 1989.

Allmählich bahnte sich in der Gegenwart die Neuauflage der Überraschung an, aber der Rekordmeister antwortete mit wütenden Versuchen, scheiterte aber entweder an eigener Ungenauigkeit oder am starken Hradecky – so wie bei der Doppelchance von Müller und dem eigentlichen Torgaranten Robert Lewandowski (60.).

Auf der Gegenseite vergab Diaby eine weitere Chance auf einen beruhigenderen Zwei-Tore-Vorsprung (66.). So blieb es bis in die Schlussphase spannend. Flick brachte Coutinho und Coman in die Partie, um den Ausgleich zu erzwingen. Und die Bayern waren nah dran – nicht nur bei Groretzkas Kopfball an den rechten Pfosten (76.). Dass Jonathan Tah nach einer Notbremse gegen Coutinho außerhalb des Sechzehnmeterraums die Rote Karte sah, verkomplizierte die Mission Auswärtssieg für Bosz und sein Team deutlich. Doch allen Wahrscheinlichkeiten und einem Unterkantenlattentreffer von Lewandowski (90.+1) zum Trotz gewann Bayer die Abwehrschlacht. Daran änderten auch sechs Minuten Nachspielzeit nichts.

Statistik

München: Neuer - Pavard, Martinez (80. Thiago), Alaba, Davies - Kimmich, Goretzka - Gnabry, Thomas Müller (69. Coutinho), Perisic (69. Coman)- Lewandowski. - Trainer: Flick

Leverkusen: Hradecky - Lars Bender, Tah, Sven Bender, Wendell (65. Sinkgraven) - Aranguiz (80. Demirbay), Baumgartlinger - Bailey (63. Bellarabi), Amiri, Diaby - Volland. - Trainer: Bosz

Schiedsrichter: Guido Winkmann (Kerken)

Tore: 0:1 Bailey (10.), 1:1 Thomas Müller (34.), 1:2 Bailey (35.)

Zuschauer: 75.000 (ausverkauft)

Beste Spieler: Neuer, Goretzka - Hradecky, Bailey

Rote Karte: Tah nach einer Notbremse (81.)

Gelbe Karten: Goretzka - Baumgartlinger (2), Bellarabi, Sven Bender

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