Alles eine Frage der Zeit mit Felix Magath und dem Hamburger SV

Hamburger SV : Es läuft auf Magath hinaus

Retter in höchster Not? Der Aufsichtsrat des Hamburger SV will weiter Felix Magath als neuen starken Mann bei dem Traditionsklub inthronisieren.

Im Hamburger Hafen werden in den nächsten Tagen mehrere Containerladungen Medizinbälle erwartet. Die Händler von Hantelstangen freuen sich schon auf einen Rekordumsatz, und die Bagger sollen auch schon bestellt sein, um neben dem Stadion den legendären "Mount Magath" aufzuschütten. Felix Magath, den alle nur ehrfürchtig "Quälix" nennen, soll den Hamburger SV vor der Katastrophe retten.

Im tobenden Machtkampf zwischen Aufsichtsrat und Vorstand scheint es nur noch eine Frage der Zeit, wann Magath als neuer starker Mann an der Spitze des taumelnden Traditionsklubs inthronisiert wird — dem Vernehmen nach fehlt nur noch eine Stimme zur nötigen Zweidrittelmehrheit in dem Kontrollgremium.

Das Klub-Idol soll seinen Herzens-Verein vor dem ersten Abstieg der Vereinsgeschichte retten. Und auf diesem Weg will Magath — wenn man ihn denn lässt — rücksichtslos aufräumen. "Es geht jetzt nur noch um den Klassenerhalt", schrieb der 60-Jährige bei Facebook: "Es bedarf nun endlich einer Lösung im Sinne unseres Vereins. Der HSV muss Einigkeit nach innen und außen demonstrieren, ein starkes Zeichen setzen und eine Einheit werden."

Doch davon ist der HSV so weit entfernt wie von der Tabellenspitze. Der Bundesliga-Dino wird von Ränkespielen und Intrigen zerfressen, seit Tagen regiert nur noch der Wahnsinn an der Elbe.

Der Aufsichtsrat arbeitet weiter an der Entlassung des Vorstandes um Präsident Carl Jarchow und Sportchef Oliver Kreuzer — auch der erfolglose Trainer Bert van Marwijk soll gehen. Magath will offenbar eine schnelle Entscheidung und schon beim Abstiegs-Duell bei Eintracht Braunschweig (Samstag, 15.30 Uhr/Live-Ticker) auf der Bank sitzen — sonst sei dem HSV nicht mehr zu helfen. Die kostspielige Palastrevolution soll von Edelfan und Milliardär Klaus-Michael Kühne finanziert werden.

Nach der Grusel-Serie von sechs Pleiten nacheinander und dem Absturz auf den vorletzten Tabellenplatz ist die Sehnsucht nach Magath beim HSV riesig. Der Schachspieler und ehemalige Meister-Trainer mit der Vorliebe für Medizinbälle gilt neben Uwe Seeler und Horst Hrubesch als größte Legende des Klubs.

1983 schoss der Vater von sechs Kindern den HSV gegen Juventus Turin zum Triumph im Europapokal der Landesmeister. "Mein emotionalster Moment", sagte Magath später. Der Spielgestalter holte drei deutsche Meistertitel (1979, 1982 und 1983) mit den Rothosen. Später wurde er erst Manager, dann Trainer der Hanseaten.

Der HSV ist Magaths Klub. "Die einzige meiner Trainerentlassungen, die mich hart getroffen hat und die ich bis heute nicht überwunden habe, war die beim HSV im Jahre 1997", sagte der als harter Hund bekannte Magath einmal. Der damalige Präsident Seeler hatte ihn zwei Spieltage vor Saisonende rausgeschmissen.

Im Rest der Republik wird Magath längst nicht so positiv gesehen wie in Hamburg. Besonders bei Schalke 04 und beim VfL Wolfsburg, mit dem er 2009 sensationell Meister wurde, hat Magath viel verbrannte Erde hinterlassen.

Zuletzt eilte dem Teetrinker der Ruf eines rücksichtslosen und machtbesessenen Taktikers voraus. Die hohe Zahl seiner Transfers und der kompromisslose Umgang mit Spielern, Fans und Mitarbeitern sorgten für negative Schlagzeilen. Schalke-Boss Clemens Tönnies rief ihm nach der Trennung hinterher: "Im ganzen Verein brennt es lichterloh." Magath habe einen "unmenschlichen Umgang" gepflegt.

Doch zwischenmenschliche Beziehungen sind den Hamburgern in der Not egal. Gefragt sind nun Magaths Qualitäten als Retter. Wie 2000, als er Eintracht Frankfurt vor dem sicheren Abstieg bewahrte. "Ob Felix Magath die Titanic gerettet hätte, weiß ich nicht. Aber die Überlebenden wären topfit gewesen", sagte Stürmer Jan Aage Fjörtoft hinterher...

(sid)
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