Gladbachs Ex-Torwart Sommers doppelte Rückkehr – Teil eins geglückt

Update | Mönchengladbach · Der neue Torwart des FC Bayern spielte erstmals seit März 2021 in der Champions League. Beim 1:0-Sieg in Paris bestand er die Feuertaufe. Am Samstag kehrt Yann Sommer mit seinem Klub zurück in den Borussia-Park.

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Foto: Dieter Wiechmann/Wiechmann, Dieter (dwi)

Yann Sommer ist ein akribischer Mensch, was seinen Job angeht. Er bereitet sich auf seine Spiele als Fußballtorwart intensiv vor. Zum Beispiel auf den Einsatz am Dienstagabend, als er mit dem FC Bayern, seinem neuen Verein, in der Champions League bei Paris Saint-Germain mit dessen herausragender Offensive antrat, die auch den vorher angeschlagenen Superstar Kylian Mbappé beinhaltete.

 Spieler wie Mbappé, Messi oder Neymar, mit denen PSG aufwartete, sind reichlich bekannt – doch dürfte Sommer die Vorbereitung auf den Gegner nach Paris, den am Samstag (15.30 Uhr) in der Bundesliga, noch leichter fallen. Dessen Spieler kennt er aus achteinhalb Jahren aus unzähligen Trainingseinheiten bis ins kleinste Detail: Sommer kehrt mit den Bayern zurück nach Mönchengladbach, wo es gegen die dort beheimatete Borussia geht, die vom 1. Juli 2014 bis zum 19. Januar 2023 sein Arbeitgeber war.

Für Sommer, 34, ist es somit eine besondere Woche, eine, in der es für ihn eine doppelte Rückkehr gibt, Teil es ist geglückt mit dem 1:0-Sieg in Paris, es war die Rückkehr in die Champions League, in der er fast zwei Jahre nicht spielte. Am 16. März 2021 gab es das Achtelfinal-Rückspiel der Borussen gegen Manchester City, das wegen der Corona-Pandemie wie auch das Hinspiel in Budapest ausgetragen wurde. Und wie im Hinspiel unterlag Gladbach dem Eine-Milliarde-Euro-Team von Pep Guardiola 0:2.

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Foto: dpa/Carmen Jaspersen

Die Bayern sind der dritte Klub, mit dem Sommer in Europas höchster Vereins-Spielklasse unterwegs ist, vor Gladbach erreichte er auch mit dem FC Basel die Gruppenphase. Zweimal brachte das Los den Schweizer Meister mit Sommers Jetzt-Klub zusammen. 2010 kam er nicht zum Einsatz in der Gruppenphase. 2012 dann, im Achtelfinale, siegte Basel 1:0 im Hinspiel, dann erlebte Sommer ein 0:7-Debakel. Wie mit Gladbach war er mit Basel kein Favorit.

Das ist mit den Bayern anders. Während Sommers bisherige Klubs stolz waren auf das Erreichen der viertletzten Phase des Wettbewerbs, ist das für die Bayern Standard und soll bestenfalls nur eine Zwischenstation auf dem Weg zum Titel sein.

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Foto: imago sportfotodienst

Das 1:0 im Prinzenparkstadion war für Sommer die Feuertaufe, mit einer starken Parade gegen den eingewechselten Mbappe (73.) trug er zum wichtigen Erfolg bei. „Wir haben das im Großen und Ganzen gut gemacht. Wir hatten in der zweiten Hälfte noch einige Chancen, haben aber auch viel wegverteidigt. Bei Paris kam nach den Wechseln etwas Schwung rein. Das zweite Spiel wird kein Spaziergang sein", sagte Sommer nach getaner Arbeit bei „Prime Video“.

Auch Samstag steht Sommer erstmals auf der Seite des ausgesprochenen Favoriten im Vergleich der Bayern mit den Borussen. Allerdings gehörte Sommer zu jener Gladbach-Generation, die dafür gesorgt hat, das Borussia inzwischen zum Angstgegner des Rekordmeisters geworden ist, wenn es so etwas überhaupt gibt. Achtmal stand Sommer bei Gladbacher Siegen gegen die Bayern im Borussen-Tor, im letzten Heimspiel gegen die Münchner zelebrierten Sommer und Co. einen 5:0-Erfolg im Pokal.

Nun will der Eidgenosse möglichst mit einem guten Ergebnis aus Paris in Gladbach anreisen. Und dort dann den dritten Liga-Sieg der Münchner in Serie anpeilen, um die Konkurrenz in der Bundesliga nicht vorbeiziehen zu lassen, die für Bayern-Verhältnisse allzu nah herangerückt ist wegen der drei 1:1-Unentschieden, die es in den ersten 270 Bayern-Minuten Sommers gab.

Dass der Torwart über das Spiel am Samstag hinaus seinem „Ex“ nur das Beste wünscht, ist anzunehmen. Ein zweites Treffen wird es in dieser Saison nicht geben, im Hinspiel war Sommer noch Borusse und federführend für das 1:1 verantwortlich, weil er mit 19 Paraden einen Bundesliga-Rekord aufstellte.

Es war ein schneller Abschied ohne Groll, die Gladbach-Fans kommentierten Sommers Abgang weitgehend wohlwollend. Sie haben nun die Gelegenheit, sich im Vorfeld des Spiels von ihrem langjährigen Torwart zu verabschieden. So dürfte es ein nettes Wiedersehen sein. Für Sommer auch mit seinem Kollegen aus dem Schweizer Nationalteam, Jonas Omlin, der seinen Job in Gladbach übernommen hat.

Der ist wie Sommer noch dabei, sich in der neuen Umgebung einzuleben. Das geht für Omlin etwas weniger öffentlich ab als bei Sommer. In München wird der neue Bayern-Torwart beäugt, jedes Detail wird berichtet. „So viel Power hat die Frau des Manuel-Neuer-Ersatzes“, schrieb die „Bunte“ und zeigte dazu ein Foto des Torwarts mit seiner Ehefrau Alina, mit der er zwei Töchter hat. Auch der „Verano“-Schriftzug auf Sommers Torwarthandschuhen war ein Thema, „Verano“ ist das spanische Wort für „Sommer“ und der Spitzname, den ihm Ex-Kollege Granit Xhaka verpasst hat.

Am Samstag hoffen die Borussia-Fans, dass es Sommer nicht anders ergeht als in den vergangenen Jahren Manuel Neuer, dessen Skiunfall Sommer den Job bei den Bayern beschert hat: Er soll sich über mehr Gladbach-Tore ärgern als über Bayern-Tore freuen. Am Dienstag beim Champions-League-Spiel aber haben sie ihm den Erfolg gegönnt gegen Mbappé und die anderen Stars. Eine lange gemeinsame Vergangenheit verbindet.

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