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Was Gladbach von Real Madrids Triumph gegen Liverpool lernen kann

Finale der Königsklasse : Was Borussia von Champion Real Madrid lernen kann

Die Zuneigung der Gladbach-Fans beim Endspiel der Königsklasse war klar verteilt zugunsten des FC Liverpool. Vom Sieger Real Madrid indes können die Borussen viel lernen und mitnehmen für die neue Saison.

Die Sympathien der Gladbach-Fans waren am Samstagabend beim Champions-League-Finale klar verteilt. Viele posteten Bilder, die sie in den roten Trikots des FC Liverpool zeigten. Zu den Fans der „Reds“ gibt es in Gladbachs Fansszene seit langem freundschaftliche Kontakte, an der Anfield Road wird Borussias Hymne „Die Elf vom Niederrhein“ regelmäßig gespielt. Und 1973 sowie 1977 trafen sich beide Klubs auf höchster Ebene: in den Endspielen um den Uefa-Cup und im Landesmeister-Cup. Es blieb ein großer gegenseitiger Respekt bis heute.

Auch mit Real Madrid, dem Sieger des Samstags, gibt es eine gemeisame Geschichte der Borussen, doch eher keine schöne, auuch wenn große Gladbacher wie Günter Netzer, Henning Jensen, Uli Stielike (alle als Spieler) oder Jupp Heynckes (als Trainer) ein Teil der Real-Geschichte sind. Aber es gab eben die seltsamen Pfiffe des Leonardus van der Kroft 1976 im Bernabeu, wegen denen Borussia unbesiegt ausschied. Dann war da das bittere 0:4 im Jahr 1985, mit dem das großartige 5:1 des Hinspiels atomisiert wurde. 2020 spielte man noch mal gegeneinander, dieses Mal in der Gruppenphase der Champions League, beide Klubs kamen ins Achtelfinale.

Christoph Kramer, der damals die Spiele gegen die „Königlichen“ miterlebte, erinnerte sich als Experte im ZDF noch an die Vergleiche mit Real. Er und seine Kollegen können vom Finale durchaus etwas mitnehmen für die neue Saison. Zum einen wurde klar, wie wichtig starker Rückhalt ist. Thibaut Cortouis hielt großartig und damit den Triumph fest. Borussia weiß um die Wichtigkeit eine starken Torhüters und hat auch einen in Yann Sommer. Der Schweizer wurde von den Fans gerade zum „Spieler der Saison“ gewählt. Dass Gladbach gern mit ihm verlängern würde, hat Manager Roland Virkus längst klargestellt.

Real ließ in Paris zwar zig Torschüsse der Liverpooler zu, verteidigte gleichwohl aber stabil und voller Inbrunst. Das hinzukriegen, das war das größte Problem der Gladbacher in den vergangenen zwei Spielzeiten: 56 und 61 Gegentore waren zu viel, um die gesteckten Ziele zu erreichen.

Was auch wichtig ist, und dieser Punkt dürfte ein Hauptansatzpunkt sein für den künftigen Trainer: Widerstandsfähigkeit. Real ist in der Sache meisterhaft unterwegs, das belegt die gesamte Saison in der Königsklasse. Im Endspiel blieben die „Königlichen“ standhaft beim Ansturm der „Reds“. Und waren dann im richtigen Moment gnadenlos effektiv. Auch ein Punkt, in dem Borussia zulegen kann. Ein Minus von sechs bei den Expected Goals belegt das deutlich, fast fünf Punkte mehr hätten es damit sein können.

  • Real Madrid Vinicius Junior (l.) erzielt
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  • Liverpool-Fans am Eiffelturm.
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  • Blick ins Stadion.
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Was die Real-Spieler zudem haben: eine totale Identifikation mit dem Klub. Dazu gehört die Selbstverständlichkeit, Spiele zu gewinnen, dazu gehört der Glaube an die eigene Qualität. Die ist bei einem Klub der „Galaktischen“ außergewöhnlich hoch. Doch Identifikation ist auch ohne das Galaktische ein wichtiger Faktor.

Der frühere Borusse Winfried Schäfer hat das zuletzt in seiner Kolumne für unsere Redaktion noch mal klar gemacht: „Borussia Mönchengladbach ist ein großer Verein. Es ist die Verantwortung der Spieler, dem gerecht zu werden“, schrieb der frühere Mittelfeldspieler, der mit Borussia 1970 Meister wurde und 1979 den Uefa-Pokal gewann. Sein Auftrag an die Jetztzeit-Borussen: Aus der Identifikation mit dem Klub Kraft und Siegeswillen ziehen.

Wie es sich anfühlt, wenn Real Madrid Real-Madrid-Dinge macht, erlebte Borussia vor zwei Jahren. 2:0 führte sie zu Hause und fühlte sich wie der sichere Sieger. Dann ging es zack, zack und es stand 2:2 binnen sechs Minuten. Im Rückspiel beim 2:0 erdrückte Real Borussia regelrecht mit seiner Größe, auch ohne Publikum.

Nun setzte sich Real quasi gegen die gesamte Premier League durch, erst gegen Chelsea, dann gegen Manchester City und schließlich gegen den FC Liverpool. Ganz Real-istisch: Von den Champions Europas zu lernen, ist sicherlich kein falscher Ansatz, auch wenn Borussias Fans den anderen, den „Reds“, es mehr gegönnt hätten.