Transferpolitik Wo sich Borussia und Real Madrid verblüffend ähneln

Mönchengladbach · Eine Studie zeigt, in welchen Altersklassen die Vereine in Europas Topligen ihre Einkäufe tätigen. Gladbach hat neben den „Königlichen“ von Real Madrid auch mit einem NRW-Klub einiges gemeinsam. Borussia holte in zehn Jahren nur zwei Ü30-Spieler.

Fede Valverde (links) war gerade volljährig, als er nach Madrid wechselte. Florian Neuhaus wurde mit 20 Jahren von 1860 München geholt.

Fede Valverde (links) war gerade volljährig, als er nach Madrid wechselte. Florian Neuhaus wurde mit 20 Jahren von 1860 München geholt.

Foto: AP/Martin Meissner

Julian Weigl war am 1. September der viertälteste Feldspieler, den Borussia Mönchengladbach in den vergangenen zehn Spielzeiten verpflichtet hat. 26 Jahre und 358 Tage übertrafen in diesem Zeitraum nur Michael Lang (27/161), Raffael (28/95) sowie Raúl Bobadilla (30/60). Nun steht Weigl unter keinem Methusalem-Verdacht, dennoch ist sein Transfer einer, der altersmäßig nicht zwingend ins Gladbacher Schema passt.

Denn von 2013/14 bis heute hat nur einer der 50 Klubs, die in Europas fünf Topligen unterdessen stets erstklassig waren, im Schnitt jüngere Spieler verpflichtet: Real Madrid. Die externen Neuen der „Königlichen“ waren 22,87 Jahre alt, Gladbachs im Schnitt 23,36. Auch Borussia Dortmund, OGC Nizza, OSC Lille und Real Sociedad unterbieten die 25-Jahre-Marke.

Überhaupt verfolgen Gladbach und Real – ohne Absicht, so ist anzunehmen – verblüffend deckungsgleiche Strategien. Beide zählen laut der Studie des CIES aus der Schweiz zu den Wenig-Einkäufern, beide haben in zehn Spielzeiten keine 50 Profis für ihr Team geholt. Am seltensten woanders bedient sich der Basken-Klub Athletic Bilbao (35-mal), der besonders stark auf die eigene Jugend setzt. Dagegen knacken Sampdoria Genua (121), der AC Florenz (109) und der FC Turin (102) die 100er-Marke.

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Real Madrid ist sogar der einzige der 50 Vereine im Ranking, der keinen Ü30-Spieler verpflichtet hat. Bei Bilbao war es einer, bei Borussia zwei: Rául Bobadilla im Jahr 2017 und Max Grün, dritter Torwart unter Marco Rose, im Jahr 2019. Beim Anteil der Profis unter 21, die geholt wurden, taucht Real ausnahmsweise nicht ganz weit vorne auf, dafür aber ein Bundesliga-Klubs, mit dem sich Gladbach mitunter in die Quere kommt auf dem Transfermarkt: Bayer Leverkusen. Während Lille unangefochtene 34,5 Prozent seiner Neuverpflichtungen in diesem besonders jungen Segment tätigte, waren es 29,6 bei der AS Monaco, 27,6 in Leverkusen, 26,3 bei Borussia Dortmund und 25 in Gladbach.

Auch die aktuellen Kader der 98 Teams in Europas fünf Topligen hat das CIES unter die Lupe genommen. Borussia zählt zu den fünf Vereinen, die mindestens ein Drittel ihrer Spieler (Eigengewächse immer außen vor) mit weniger als 21 Jahren geholt haben, Real und Leverkusen sind wieder dabei, dazu Brighton & Hove Albion sowie der FC Turin. Auf der anderen Seite des Altersspektrums sind Gladbach, Real und Bayer dann erneut zu finden: Sie gehören zu den elf Klubs, die keinen Spieler unter Vertrag haben, der bei seiner Verpflichtung schon 30 oder älter waren. Hier liegt übrigens der FC Schalke vorne.

Aktuell liegt das Durchschnittsalter bei Transfers in den Topligen bei 24,95 Jahren, in der spanischen Liga ist es mit 25,67 Jahren am höchsten, in der Bundesliga mit 24,38 am niedrigsten. Eine weitere Auswertung zeigt, dass Borussia seit zehn Jahren darunter liegt. Das CIES hat jeweils das durchschnittliche Alter bei Neuverpflichtungen der vergangenen sechs Transferperioden genommen. Es war sehr konstant in Gladbach und bewegte sich in einem engen Band zwischen 22,04 (2021) und maximal 23,37 Jahren (2019). Nun dürfte es nicht schwer zu erraten sein, wessen Alterskurven verblüffend ähnlich aussehen – natürlich, die von Real Madrid und Bayer Leverkusen.

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