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Tony Jantschke: Plötzlich wieder da bei Borussia Mönchengladbach

Überraschungs-Einsatz gegen Dortmund : Gladbachs Jantschke zeigt, warum er nicht abgeschrieben werden sollte

Seit Februar hatte er nicht in der Startelf gestanden. Tony Jantschke gab zu, dass er selbst nicht unbedingt mit einem Einsatz gegen den BVB gerechnet hatte. Doch dann tauchte der 31-Jährige plötzlich in der Dreierkette auf - und überzeugte an mehreren Fronten.

Adi Hütter hatte in zwölf Wochen als Trainer von Borussia Mönchengladbach öffentlich kaum ein Wort über Tony Jantschke verloren. Eines der wenigen lautete jedoch „Legende“. So adelte Hütter den Routinier Ende August vor dem Spiel bei Union Berlin, als sowohl ein Ersatz für Innenverteidiger Matthias Ginter als auch für Rechtsverteidiger Stefan Lainer gesucht wurde. Letztlich ging der Job an die Jugend: Jordan Beyer (21) durfte im Zentrum ran, Joe Scally (18) auf der Seite. Es war daher beileibe kein Affront dem „Fußballgott“ Jantschke gegenüber, ihn nun für das Heimspiel gegen Borussia Dortmund nicht auf der Liste zu haben, nachdem er unter Hütter bis dahin noch keine Pflichtspielminute absolviert hatte.

Und dann tauchte Borussias Nummer 24 am Samstag plötzlich in der Startelf auf, erstmals seit dem 6. Februar 2021. Damals hatte Marco Rose beim Derby gegen den 1. FC Köln (1:2) einen Shitstorm für seine Rotation geerntet. Jantschke zählte zu den sieben Profis, die ins Team kamen, lieferte aber keinen Nährboden für Aufregung mit einer unaufgeregten Leistung. Beginnen durfte er unter Rose dennoch nicht mehr. Nur 269 Minuten kamen vergangene Saison für Jantschke zusammen, so wenige wie seit der Saison 2009/2010 nicht mehr. Nachvollziehbar war daher also, dass Jantschke nach dem 1:0-Erfolg gegen den BVB sagte: „Für mich war es überraschend, dass ich spielen durfte.“

So war es wahrscheinlich auch Rose gegangen, der neben Adi Hütter saß, als der auf der Pressekonferenz nach dem Spiel zum Lob ansetzte. „Ich habe mit Tony einen sehr erfahrenen Spieler in die Mannschaft getan, der seit Wochen gut trainiert“, sagte Hütter. „Marco weiß, wie der trainiert, auch wenn er nicht spielt. Tony ist ein absoluter Profi.“ Im Team war Platz für Jantschke, weil Hütter zum zweiten Mal auf eine Dreierkette setzte. Auf der linken Seite hatte der Trainer einen Sonderauftrag für den Routinier: „Es ging mir auch darum, dass er mit seiner Erfahrung Luca Netz coachen kann. Das hat er absolut gut gemacht“, sagte Hütter.

Netz, im Sommer von Hertha BSC gekommen, ist 13 Jahre jünger als Jantschke. Als Borussias Eigengewächs im November 2008 in der Bundesliga debütierte, ging Netz in den Kindergarten. Nun war Jantschke in einer für Gladbacher Verhältnisse unterdurchschnittlich jungen Mannschaft einer derer, die verhinderten, dass sie noch jugendlicher daherkam. Die Mischung stimmte: Links „Papa“ Jantschke hinter Netz, rechts Matthias Ginter als Scallys „Erziehungsbeauftragter“.

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Für Jantschke war der Einsatz insofern besonders, als er erstmals seit anderthalb Jahren vor einem nennenswerten Publikum spielen durfte. „Auch wenn momentan nur die Hälfte da ist, fühlt es sich an, als wenn es voll wäre“, sagte Jantschke, der die zurückerlangte Heimstärke (sieben Punkte aus drei Spielen) auch auf die Rückkehr der Fans zurückführt. Auswärts dagegen steht noch die Null, und beim VfL Wolfsburg zu gewinnen, ist etwas, das selbst Jantschke mit Borussia noch nicht erlebt hat. Beim letzten Erfolg im Jahr 2003 war er 13 und Netz, sein Schützling vom Samstag, gerade ein paar Monate alt.

Gegen den BVB hat Gladbach in veränderter Grundordnung und mit ein paar Personal-Überraschungen einen Auftritt hingelegt, der für die Devise „Never change a winning team“ spräche. So wie Breel Embolo im Angriff und Manu Koné im Mittelfeld brachte Jantschke in die Verteidigung etwas mehr Kompromisslosigkeit. Hinten vermisst Borussia seit einiger Zeit das Martin-Stranzl-Gen. Jantschke, der einst so von Stranzl profitierte, wie Netz es jetzt von ihm soll, kann es einbringen. Und wer meinte, das letzte Wort über Tony Jantschke sei gesprochen, ist mal wieder eines Besseren belehrt worden.