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Borussia Mönchengladbach: Ter Stegens Kuss und Neuland in Braunschweig

Borussia Mönchengladbach : Ter Stegens Kuss und Neuland in Braunschweig

Jede Woche gleich und doch immer anders: Zum dritten Mal in Folge spielt Borussia Mönchengladbach nach einer Führung nur Unentschieden. Diesmal stand ein Fehler im Weg, den es scheinbar nur einmal geben kann. Seit drei Monaten ist Gladbach ohne Sieg.

1.) "Halt Pohl" "Meine Perle hier am Niederrhein", singen die Lecker LaLaBoys in dieser Karnevalssession, "du strahlst heller als der Sonnenschein." In guten Tagen könnte die Borussia gemeint sein, doch die wird in der Lobpreisung der Stadt Mönchengladbach mit keiner Silbe erwähnt. Tatsächlich bedarf es momentan einiger Vorstellungskraft, um die Sonne strahlen zu sehen. "Halt Pohl, Borussia!" — immerhin blieb der VfL im siebten Jahr in Folge am Karnevalswochenende ungeschlagen. Die letzte jecke Pleite gab es 2007 beim 0:1 in Dortmund.

2.) Reingekniet Verrückt verlief die Partie in Braunschweig allemal. Nach einem Jahr so ganz ohne Eckballtor legte Raffael zum zweiten Mal hintereinander auf. Wobei der Ball vermeintlich suboptimal in den Strafraum segelte — so suboptimal, dass er Eintracht-Keeper Daniel Davari aufs Knie fiel. 27 Minuten plus eine Halbzeitpause lang konnten sich die mitgereisten Gladbach-Fans darüber amüsieren.

3.) "Epic Fail" Dann klärte Marc-André ter Stegen auf, was die Silbe "Ei" im Wörtchen "Eigentor" zu suchen hat. 70 Ballkontakte hatte der Torwart der Borussia, die viertmeisten aller Spieler auf dem Platz. Einer ging mächtig nach hinten los, man kann es nicht anders sagen. Ein Video der Szene bei YouTube ist mit den Worten "Epic Fail" überschrieben. Man kann online ganze Tage damit verbringen, sich derartige Videos anzusehen, in denen einfach mal alles schiefgeht. Spätestens seit Samstag kann ter Stegen nichts mehr dagegen tun, dass sein Name in Internet-Suchfenstern fest mit den Worten "Eigentor" oder "Own Goal" verknüpft ist.

4.) Raute im Herzen Aufbauarbeit leistete der Gladbacher Gästeblock gleich nach dem Abpfiff. Die Mitgereisten bedachten ter Stegen mit Sprechchören und Applaus. Der 21-Jährige war sichtlich bewegt, klopfte sich aufs Herz und küsste die Borussia-Raute — angesichts seines baldigen Weggangs eine merkwürdige Szene. Mit dem Wappenküssen ist das so eine Sache. Aber es wird sich wohl kaum jemand finden, der ter Stegen seine Verbundenheit zum VfL nicht abnimmt.

5.) Un-Eigentor Für die Datensammler von Opta ist das 1:1 übrigens nie gefallen. Wo sonst in der App ein gelber Pfeil einen Treffer signalisiert, ist auf Braunschweiger Seite gar nichts zu sehen. So lässt es sich auch darstellen, wenn eine Mannschaft beinahe nichts für ein Tor konnte. Raffaels und Davaris Co-Produktion zum 0:1 kommt derweil als gelber Pfeil daher, der auf der Grundlinie liegt — mobile App-Kunst.

6.) Neuland Der gesamte Nachmittag, die gesamte Szenerie in Braunschweig fügte sich nahtlos ein in die Auflistung der Dinge mit Seltenheitswert. Eine ganze Generation Gladbach-Fans entdeckte einen neuen Fleck auf der eigenen Fußball-Landkarte. Und wo sonst kann man sich in der Bundesliga in einem Stadion ein Spiel ansehen, das eine Laufbahn hat und nicht den Namen eines Sponsors trägt? Okay, in Berlin. Verkauft ist der Name des Städtischen Stadions an der Hamburger Straße übrigens dennoch — an einen Verbund aus Sponsoren, die wieder den traditionellen Namen Eintracht-Stadion ermöglichen.

7.) Krise Trotz mittlerweile acht Spielen ohne Sieg soll es nicht an der Borussia scheitern, in der nächsten Saison dorthin zurückzukehren. Wenn es am kommenden Samstag gegen den FC Augsburg geht, wird Gladbach seit 91 Tagen kein Spiel mehr gewonnen haben. Das entspricht in etwa einer herkömmlichen Sommerpause. 2010 unter Michael Frontzeck waren es neun sieglose Partien in Folge, die damals umrahmt wurden von einem 6:3 in Leverkusen und einem 4:0 in Köln.

8.) Absurde Misere Die Borussia ist in der gar nicht einmal so glücklichen Lage, behaupten zu können, dass sie seit drei Spiele ohne Niederlage ist. Dreimal hat die Mannschaft von Lucien Favre zuletzt eine 1:0-Führung verspielt — immer auf eine andere Weise, für jeden war etwas dabei. Fast schon absurd ist deshalb der Gedanke, wo der VfL unter den gleichen Voraussetzungen mit etwas mehr Glück und etwas weniger Unvermögen stehen würde. Ein Sieg mehr und Gladbach wäre Sechster. Zwei Siege mehr und Gladbach wäre Fünfter. Drei Siege mehr und Gladbach wäre Vierter. Absurd, wie gesagt.

9.) Blick zurück Obwohl die Mannschaft gerade den schlechtesten Rückrundenstart der Vereinsgeschichte hingelegt hat, ist sie noch immer deutlich besser unterwegs als zum gleichen Zeitpunkt in der Vorsaison. Damals lag die Borussia mit 31 Punkten aus 23 Spielen und einer negativen Tordifferenz auf Platz zehn. Heute sind es fünf Punkte mehr. Unter den 16 Zählern, die damals bis Mai noch folgten, sollte es der VfL aber besser nicht machen.

10.) Gelbsucht Erst zum zweiten Mal in dieser Saison hat Lucien Favre die Anfangsformation aus völlig freien Stücken geändert. Wie schon gegen Dortmund war es Havard Nordtveit, der für Christoph Kramer in die Startelf rückte. Unabhängig von seiner gezeigten Leistung hat der Norweger auch fürs kommende Wochenende eine Wildcard: Granit Xhaka verpasst wie in der Hinrunde wegen einer Gelbsperre das Spiel gegen Augsburg, Kramer hat sich die fünfte Gelbe abgeholt und wird ebenfalls aussetzen müssen. Lukas Rupp oder Thorben Marx winkt jeweils die Startelf-Premiere in dieser Saison.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Ter Stegen patzt gegen Braunschweig

(RP)