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Borussia Mönchengladbach: Stranzls Kritik im Erfolg ist ein wichtiger Faktor

Borussia Mönchengladbach : Stranzls Kritik im Erfolg ist ein wichtiger Faktor

Der Abwehrchef erklärt, warum Borussia derzeit so gut ist. Zugleich weist er auf Mängel hin, auch nach dem 2:1 in Frankfurt.

Als Borussias 2:1-Sieg in Frankfurt und der Einzug ins Pokal-Achtelfinale amtlich waren, gab es Redebedarf. Trainer Lucien Favre und Abwehrchef Martin Stranzl standen im Kabinengang und stellten mit Händen und Armen Laufwege und Bewegungen nach. Wer sie beobachtete, hätte vermuten können, dass hier nicht über einen erfolgreichen Verlauf des Abends debattiert wurde. Kurz zuvor war Stranzl in der Mixedzone vorstellig geworden. Der Österreicher begann seine Ausführungen mit nachdenklichen Tönen. "Das, was wir in den letzten zehn Minuten gemacht haben, war nicht okay. Durch die Passivität haben wir ein Tor bekommen, obwohl wir alles im Griff hatten", sagte Stranzl. Favre legte später nach: "Am Ende haben wir vergessen zu pressen und nicht richtig verteidigt."

So konnte Vaclav Kadlec das 1:2 erzielen, nachdem zuvor Thorgan Hazard und Ibrahima Traoré das 2:0 der Gladbacher herausgeschossen hatten. Nachlässigkeit eins: Borussia verpasste es, früh überdeutlich zu führen. Nachlässigkeit zwei: Frankfurt kam zurück in ein Spiel, in dem es nie drin war. "Wenn das 2:2 gefallen wäre, wäre das eine Katastrophe gewesen", stellte Favre klar. Er geht besonders kritisch mit den Seinen um, wenn der Erfolg am größten ist - und hat in Stranzl einen, der ihn dabei unterstützt. Stranzl gibt gern den Grantler, wenn gejubelt wird. Zufriedenheit ist Stillstand. Wer seine Fehler erkennt, kann lernen und kommt voran.

Stranzl ist eine Ausnahmeerscheinung im Team. Nicht nur wegen der Kapitänbinde oder weil er meist der älteste Borusse auf dem Rasen ist. Stranzl ist rotationsresistent. Er hat als einziger Feldspieler alle 1440 Pflichtspiel-Minuten mitgemacht. Es gibt viele, die das Team mitreißen können, doch es gibt nur einen echten Boss: Stranzl. Wenn er etwas sagt, wird gespurt. Stranzl gab in Frankfurt aber nicht nur den Kritiker. Er erklärte auch, warum Borussia derzeit so gut ist. Ein Grund ist, dass Borussia in bisher jeder Formationen funktioniert hat. "Es sind ganz einfach Automatismen. Wir hatten die Vorbereitung plus 16 Pflichtspiele. Außerdem wechselt der Trainer immer durch, auch im Training, dadurch weiß jeder, was er zu tun hat. Und wer das jetzt noch nicht weiß, der hat ein stückweit seinen Beruf verfehlt", sagte Stranzl. Learning by doing, so leicht geht das.

Die Rotation ist der Antrieb, denn "die Jungs haben Spaß, und wenn gewechselt wird, gibt jeder Gas", sagte Stranzl. Und gab bekannt, dass es in der Borussen-Welt keine Ergänzungsspieler gibt - weil es keine Stammakteure gibt. Borussia sei keine Elf, sondern eine Zwanzig - so viele Feldspieler gibt es. "Wir sind eine Mannschaft und haben hohe Qualität. Wenn gewechselt wird, muss man im Kopf stabil bleiben", sagte er. Nicht murren, sondern funktionieren im Sinne des Teams, für Egoismen ist kein Platz. Dass es, abgesehen von Granit Xhakas Bänderriss, keine Ausfälle gibt, "ist auch wichtig", so Stranzl.

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"Jeder erfüllt seine Aufgabe, wir haben dazugelernt, jeder spornt den anderen an, die Rädchen greifen ineinander und wir haben Spaß, das bringen wir auf den Platz", fasste Stranzl zusammen. Doch gedankliche Höhenflüge lässt der Pragmatiker aus dem Burgenland nicht zu. "Von uns als Spitzenmannschaft zu sprechen, ist zu früh. Es läuft gut, darüber freuen wir uns - und schauen dann auf das nächste Spiel", sagte er. Das ist gegen Hoffenheim. Darauf bereitet Favre sein Team nun vor. Das, was er und Stranzl in Frankfurt diskutiert haben, wird eine Rolle spielen dabei. "Wir haben gemerkt, dass wir keine Sekunde abschalten dürfen", sagte Stranzl. Seine Botschaft: Besser machen.

(RP)