1. Sport
  2. Fußball
  3. Borussia Mönchengladbach

Mönchengladbach: Sport und Schule unter einem Hut

Mönchengladbach : Sport und Schule unter einem Hut

Die Borussia sorgt dafür, dass ihre Nachwuchskicker auch die Schule nicht schleifen lassen. Ab jetzt sind Gymnasium Rheindahlen, Gesamtschule Hardt und Berufskolleg Volksgartenstraße gemeinsam offiziell "Eliteschule des Fußballs".

"Fußball ist unser Leben, denn König Fußball regiert die Welt" — eigentlich ist es ein harmloses Liedchen, das Bernd Schäferhenrich gestern anstimmte. Beim Festakt zur Verleihung des Gütesiegels "Eliteschule des Fußballs" an drei Schulen im Umfeld der Borussia wollte der Direktor der Gesamtschule Hardt mit seiner Gesangseinlage aber zum Nachdenken anregen.

"Für viele Fußballer ist das ein Schicksalssong", sagte Schäferhenrich. Viele Profis hätten keinen beruflichen Plan B, und selbst wenn sie von Verletzungen verschont blieben, sei die Dauer einer Fußballerkarriere sehr begrenzt. "Nicht alle haben es so gut wie die Weltmeister von 1974, die bis heute von ihrem Ruhm zehren", sagte er.

"Nicht nur Beckenbauer und Netzer, sogar Lothar Matthäus wird ja oft darum gebeten, seinen Kommentar zu irgendetwas abzugeben." Auch den sportlich hochtalentierten unter seinen Schützlingen versuchten er und seine Amtskollegen vom Gymnasium Rheindahlen und dem Berufskolleg Volksgartenstraße deshalb zu vermitteln: "Wichtig ist auch das Leben außerhalb des Fußballs."

Eine umfassende Schulausbildung über den Beginn einer sportlichen Karriere nicht zu vernachlässigen sei "von zentraler Bedeutung", sagte Bernd Neuendorf, Staatssekretär des Ministeriums für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport. Dafür sei das System der "Eliteschulen des Fußballs" — entwickelt vom Deutschen Fußball-Bund (DFB), Bundesliga-Vereinen und Schulen — perfekt geeignet. Seit gestern hat nun auch die Borussia eine solche "Eliteschule des Fußballs". Diesen Ehrentitel trägt nicht eine Schule allein, sondern wie auch in vielen anderen Städten mehrere gemeinsam. Heinrich Hees, Schulleiter des Berufskollegs Volksgartenstraße, berichtete, dass seine Schule schon im Oktober 2012 beschlossen hatte, am Zertifizierungsverfahren teilzunehmen. Das Programm biete individuelle Möglichkeiten, Schule und Sport "sehr wirksam in Einklang zu bringen", sagte Hees. "Die Auszeichnung als Fußball-Eliteschule ist Anerkennung und Verpflichtung zugleich."

Rainer Kühn, Direktor des Gymnasiums Rheindahlen, sagte: "Von einhundert 14-Jährigen, die sich bei Borussia bewerben, schaffen es nur zwei oder drei zum Profi. Das hat mir zum Denken gegeben." Umso beruhigter sei er nun, dass die Nachwuchsförderung weiter professionalisiert werde.

Borussia-Präsident Rolf Königs betonte: "Für die Jugend tun wir alles." Die kontinuierliche Nachwuchsarbeit trage Früchte: 2004 habe Gladbach nur einen Jugendnationalspieler in seinen Reihen gehabt, heute seien es 16. Verantwortlich dafür seien der heutige Sportdirektor Max Eberl sowie Roland Virkus, der das Amt des Jugendkoordinators 2008 von Eberl übernahm.

Der Generalsekretär des Deutschen Fußball-Bundes, Helmut Sandrock, erklärte, die Bundesliga sei mit einem Durchschnittsalter von 25,4 Jahren die "jüngste" der großen europäischen Fußballligen. Die Nationalspieler seien im Schnitt sogar erst 24 Jahre alt. "Bei der Nachwuchsförderung sind wir Weltklasse", sagte er. "Luft nach oben gibt es natürlich trotzdem, vor allem dürfen wir nicht nachlassen."

Gladbachs OB Norbert Bude verwies auf die Tradition der Nachwuchsförderung: "Der Begriff 'Fohlen-Elf' kommt ja nicht von ungefähr!" Bude betonte, dass die Strukturen für nachhaltige schulische wie sportliche Ausbildung der Fußballtalente bereits in den vergangenen Jahren geschaffen worden seien. "Dass wir nun eine Eliteschule haben, ist auch Anerkennung für die seit langem geleistete Arbeit." Bis 2015 soll nun auch noch eine NRW-Sportschule dazukommen.

Nico Brandenburger (18) ist der lebende Beweis dafür. Als 15-Jähriger war er 2009 nach fünf Jahren bei Hertha BSC Berlin zu Borussia Mönchengladbach und an die Gesamtschule Hardt gewechselt. Am Rande der Veranstaltung fiel er gestern seiner Koordinatorin Stefanie Metzler in die Arme, dank deren Hilfe er den schulischen Teil des Fachabiturs locker geschafft hat. "Ich glaube nicht, dass noch mehr geht als das, was ich an Betreuung bekommen habe", sagt er.

Denn die momentan vier Stunden zusätzliches Training, die bald auf sechs ausgebaut werden sollen, sind nicht die Hauptsache. Die Koordinatoren helfen den Jugendlichen, Sport und Schule unter einen Hut zu bringen — vom Stundenplan bis zum Papierkram, wenn mal wieder eine wochenlange Reise mit einer Auswahlmannschaft ansteht.

Patrick Herrmann (22), der die Gesamtschule Volksgartenstraße besucht hatte, bedankte sich bei seinen Trainern und Lehrern, die ihm auch für individuelle Nachhilfestunden im Sport-Teilinternat zur Verfügung standen. Auch Julian Korb (21) freut sich noch heute: "Alles, was ich im Gymnasium Rheindahlen verpasst habe, konnte ich gezielt nachholen." Grinsend schiebt er nach: "Und die Lehrer haben nicht mal nach Freikarten gefragt."

(RP)