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Spielabbruch in Bochum wegen Becherwurf: 2:0 für Gladbach wahrscheinlich

Linienrichter von Becher getroffen : Warum das Spiel in Bochum mit 2:0 für Gladbach gewertet werden dürfte

Über allem standen nach dem Spielabbruch in Bochum die Genesungswünsche an Linienrichter Christian Gittelmann. Er wurde von einem vollen Becher getroffen und im Krankenhaus untersucht. Was die Bochumer und Gladbacher zu dem Eklat sagten und wie der DFB urteilen dürfte.

Die Marketingaktion war so frisch wie das Bier, das Bochums Kapitän Anthony Losilla in dem Video anpries. Anlässlich des nächsten Schrittes in Richtung Normalität im Stadion hatte sich der VfL eines Problems angenommen, das in der 69. Minute für einen Eklat sorgte im Bundesligaspiel gegen Borussia Mönchengladbach. „Trinken, nicht werfen!“, forderte Losilla mit einem Becher in der Hand. Ein noch nicht identifizierter Fan auf der Südtribüne des Bochumer Stadions nahm sich die Aufforderung nicht zu Herzen und warf sein Getränk beim Stand von 2:0 für Gladbach am Freitagabend Schiedsrichter-Assistent Christian Gittelmann an den Hinterkopf. Nachdem beide Teams den Rasen verlassen hatten, entschied sich Schiedsrichter Benjamin Cortus für einen Spielabbruch.

„Bei einem tätlichen Angriff auf einen Spieloffiziellen“ sei das „alternativlos“, so Cortus. „Der Schiedsrichter und sein Team haben sich zurückgezogen, sich besprochen und den Verantwortlichen mitgeteilt, dass sie sich nicht in der Lage fühlen, das Spiel wieder anzupfeifen“, sagte Bochums Sportdirektor Sebastian Schindzielorz. Gittelmann, der nach dem Treffer benommen gewesen sein soll, wurde zur Untersuchung ins Krankenhaus gebracht, begleitet vom zweiten Linienrichter Florian Heft. Am Samstag erklärte Gittelmann auf der Homepage des DFB, dass eine Schädelprellung und ein Schleudertrauma bei ihm diagnostiziert worden seien.

„In erster Linie müssen wir uns in aller Form entschuldigen für den Vorfall“, sagte Schindzielorz. „Und es ist wichtig, dass wir dem Linienrichter auf diesem Weg alles Gute wünschen. Ich hoffe, dass er sich schnell erholt und nichts zurückbleibt.“ Der Block, aus dem der Becher geworfen wurde, liegt auf der Gegentribüne des Ruhrstadions unweit der Bochumer Fankurve, in etwa auf Höhe der Strafraumgrenze. Nicht nur von dort waren bereits vor dem Eklat zahlreiche Becher auf den Rasen geschleudert worden. Der Stadionsprecher hatte die Zuschauer bereits per Durchsage mehrmals ermahnt. 

Im Mittelpunkt steht nun die Täterermittlung, die Auswertung der Bilder läuft noch. Der VfL hofft auf eine schnelle Aufklärung und wird die Polizei bei ihren Ermittlungen tatkräftig unterstützen. Wer sachdienliche Hinweise zur Identifizierung beitragen kann, wendet sich bitte an die Polizeidienststelle Bochum“, teilte der Verein in der Nacht auf Samstag mit. „Im Falle einer Identifizierung wird der VfL Bochum 1848 weitere Schritte einleiten, zum Beispiel Stadionverbot, Vereinsausschluss oder Einzug der Dauerkarte, und behält sich Schadenersatzansprüche vor. Denn wir gehen davon aus, dass der VfL verbandsseitig bestraft wird.“

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Die Verantwortlichen beider Mannschaften waren sich aber sicher, dass die Partie für Gladbach gewertet wird, voraussichtlich mit 2:0, wie es die Spielordnung vorsieht. Hätte Borussia höher geführt, wäre dieses Resultat genommen worden. Ein Wiederholungsspiel oder eine Neuansetzung der verbleibenden Spielminuten sind rechtlich nicht vorgesehen.

Einen konkreten Anhaltspunkt, wie es nun weitergehen dürfte, liefert ein Ereignis aus dem Jahr 2011: Damals hatte der DFB einen sehr ähnlichen Fall zu bewerten, als das Duell zwischen dem FC St. Pauli und dem FC Schalke nach 87 Minuten beim Stand von 0:2 abgebrochen wurde. Deniz Aytekins Assistent Thorsten Schiffner war wie nun Gittelmann von einem Becher getroffen worden. St. Pauli wurde zunächst zu einem Geisterspiel verdonnert, musste sein nächstes Heimspiel schließlich mehr als 50 Kilometer von Hamburg entfernt ausrichten und lief vor lediglich 10.000 Zuschauern in Lübeck auf. Auf rund 400.000 Euro soll sich der Einnahmenverlust St. Paulis damals belaufen haben.

„Es ist traurig, dass ein Spiel so enden muss“, sagte Gladbachs Aushilfs-Cheftrainer Christian Peintinger und richtete Genesungswünsche an den Linienrichter. Die Borussen waren in die Kabine gegangen, um dort auf die Entscheidung von Referee Cortus zu warten. Anschließend kamen sie noch einmal raus, um sich bei den mitgereisten Fans zu bedanken. Während die sich das Feiern des wahrscheinlichen und trotz der traurigen Umstände äußerst wichtigen Auswärtssieges nicht nehmen lassen wollten, betonte Peintinger, mit keinem guten Gefühl nach Hause zu fahren.

Eine sportliche Einschätzung zur Partie gab der Adi-Hütter-Vertreter dennoch ab: „Über einen längeren Zeitraum als gegen die Hertha haben wir es gut gemacht. Wir hatten am Anfang Probleme, ins Spiel zu kommen, haben viele unnötige Fehler gemacht“, so Peintinger. Doch dann sei die Mannschaft besser geworden und die 2:0-Führung zum Zeitpunkt des Abbruchs verdient gewesen.

„Das ist peinlich“, sagte Bochums Co-Trainer Markus Gellhaus, der den wie Hütter an Corona erkrankten Chefcoach Thomas Reis vertrat, über den Vorfall, der das Sportliche überschattete. „Es gehört sich einfach nicht“, kommentierte Borussias Sportdirektor Roland Virkus den Becherwurf. „Ich finde, die Atmosphäre hier war gut. Eigentlich ist es ein cooles Stadion und ein cooles Publikum. Das Ende möchte keiner so. Es ärgert mich, dass ein Spiel so endet“, sagte Virkus, bevor er dem getroffenen Schiedsrichter-Assistenten gute Besserung wünschte. Denn dieser Wunsch stand an einem Abend, der stimmungsvoll begann und unschön endete, über allem.

Hier geht es zur Infostrecke: Twitter-Reaktionen auf den Becherwurf von Bochum