Borussia: Spiel mit der Zeit

Borussia: Spiel mit der Zeit

Oliver Neuvilles Spielerlaufbahn bei Borussia geht zu Ende. Aber noch einmal möchte er allen zeigen, was er kann. Raúl Bobadilla steht noch am Anfang seiner Entwicklung. Und die kann groß werden, meint Trainer Michael Frontzeck. Er zieht sogar einen kleinen Vergleich zu Edin Dzeko.

Oliver Neuville hat viele Experten mal wieder Lügen gestraft. Er werde nie wieder für Borussia spielen, hatten nicht wenige vermutet. Und nun stand der 36-Jährige gegen den VfL Wolfsburg doch wieder auf dem Rasen. In der 64. Minute betrat der Senior im Gladbacher Kader den Rasen — zusammen mit dem gerade erst 19-jährigen Patrick Herrmann. 0:3 stand es, als das Duo kam, doch zu bewegen gab es nichts mehr, Wolfsburg kam sogar noch zum 4:0.

"Natürlich habe ich mich gefreut, dass ich mal wieder dabei war. Aber es hat nicht gereicht, wir haben eine Klatsche gekriegt", sagte Neuville, der erstmals in der Rückrunde zum Aufgebot gehörte. Den Adduktoren Karim Matmours hatte Neuville dies zu verdanken. Es zwickte nach dem Abschlusstraining am Freitag wieder in der Leistengegend des Algeriers, er musste passen. So erlebte Neuville die höchste Heimniederlage, seit er 2004 Borusse wurde, als Beteiligter mit.

Acht Spiele sind es noch in dieser Saison, und der WM-Finalist von 2002 würde gern noch das eine oder andere Mal mitwirken. Möglichst natürlich auch am Freitag beim Derby in Köln. "Das wäre eine tolle Sache", gesteht Neuville. Auf einen Platz in der Startelf indes darf er wohl nicht hoffen. Die entsprechende Frage beantwortete der Angreifer mit einem Grinsen.

Dass es als Profi bei Borussia seine Abschiedssaison ist, steht fest. Neuvilles Vertrag endet im Sommer und wird nicht verlängert. Borussia hat ihm zwei Nachfolge-Jobs im Klub angeboten. Entschieden hat sich Neuville noch nicht: weder für die Offerte noch, ob er doch weiter spielen wird, wo auch immer. "Im Mai werde ich sagen, was ich mache. Bis dahin will ich dem Verein und den Fans zeigen, was ich kann", sagte Neuville. Wie oft er die Gelegenheit dazu bekommt, das liegt bei Michael Frontzeck.

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Dabei denkt der Trainer offenbar schon über einen Wechsel im zuletzt deutlich schwächelnden Angriff nach. Treffen könnte es dann nicht unbedingt Roberto Colautti, der gegen Wolfsburg in der Pause Rob Friend Platz machen musste (der seine Torchancen aber auch kläglich ausließ). Raúl Bobadilla ist längst wieder meilenweit von seinem bisherigen Glanzauftritt mit zwei Toren beim 4:3-Sieg gegen Bremen entfernt.

So versemmelte er gegen Dortmund böse die Riesenchance zum 1:1 direkt nach der Pause. "Raúl ist noch ein sehr junger Spieler. Er braucht Zeit und alle Unterstützung", sagte Frontzeck. Und zog dann einen etwas kühn erscheinenden Vergleich: "In der Phase, die Raúl jetzt hat, war Edin Dzeko bei seinem ersten Jahr in Wolfsburg auch einmal." Jener Dzeko, dem Frontzeck die Prädikate "Weltklasse" und "derzeit bester Stürmer in Deutschland" anheftet. Und der am Samstag zwei Tore selbst und eins vorbereitete.

Da kann Borussia nur hoffen, dass Bobadilla sich ähnlich entwickelt wie Edin Dzeko. Vielleicht bekommt der Argentinier aber demnächst eine kleine Auszeit verordnet. "Ob er mal nicht spielt, werden wir sehen", sagte Frontzeck. Wann, hat er nicht gesagt. Und auch nicht, dass Oliver Neuville dann in die Startelf käme. Da hätte Rob Friend wohl die besseren Karten.

(RP)