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Borussia Mönchengladbach: So macht Lucien Favre die Borussia besser

Borussia Mönchengladbach : So macht Lucien Favre die Borussia besser

Der Schweizer Coach ist dabei, alle Rekorde der Gladbacher einzusammeln. Am Sonntag kommt der Tabellenzweite 1899 Hoffenheim (ab 15.30 Uhr im Live-Ticker) in den Borussia-Park, in dem Mönchengladbach seit fast acht Monaten ungeschlagen ist.

Am Sonntag hat Lucien Favre Geburtstag. 57 wird er. Das alleine ist nicht wirklich etwas Besonderes. Ein Jahr älter werden auch Favres Trainerkollegen binnen einer Saison. Doch dass Favre übermorgen, am Tag des Spiels gegen Hoffenheim, schon zum vierten Mal als Verantwortlicher von Borussia Mönchengladbach Kerzen auspusten darf, lässt aufhorchen.

Der Schweizer hat seit seinem Amtsantritt im Februar 2011 den Erfolg und die Konstanz zurück an den Niederrhein gebracht. Dort, wo sie in den Jahren zuvor Trainer in verlässlich kurzen Abständen ausgetauscht haben, wird Favre im Frühjahr erst Udo Latteks Amtsdauer und einen Monat später die von Bernd Krauss erreichen. Dann sind nur noch Hennes Weisweiler und Jupp Heynckes länger Borussen-Trainer gewesen. Länger als Favre, der Gladbach in seiner fünften Saison zum Spitzenteam geformt hat.

Ende Oktober 2014 ist Borussia eine Mannschaft, die sich - wie am Mittwoch geschehen - bei einem Spiel in Frankfurt ankreiden kann, zur Pause nicht schon 4:0 zu führen. Meckern auf höchstem Niveau. Der 2:1-Pokalerfolg bei den Hessen taugte als Blaupause dafür, wie dominant sich Favres Team in diesen Wochen durch Liga, Pokal und Europa League spielt. Und das mit 16 verschiedenen Startformationen in 16 ungeschlagenen Pflichtspielen. "Momentan ist es so, dass es sehr gut funktioniert - egal, wer spielt. Das ist das große Verdienst vom Trainer. Niemand kann sich ausruhen, weil die Konkurrenz sehr groß ist. Es gibt viele Möglichkeiten, und das ist gut für uns alle", sagt Flügelflitzer Ibrahima Traoré.

Der Mann aus Guinea und die anderen Zugänge bieten Favre erstmals in seiner Gladbacher Zeit die Möglichkeit, ohne Qualitätsverlust Personal auszuwechseln, so Kräfte zu sparen, neue Reize zu setzen und alle bei Laune zu halten. Dabei ist es auch für Favre selbst eine Weiterentwicklung, diese Rotation anzuwenden. Denn er galt lange als jemand, der eine feste Stammelf bevorzugt, der von Erprobtem nicht abweicht.

Aber für Favre ist Stillstand inakzeptabel - bei sich wie bei seinen Spielern. Er gilt in der Branche als derjenige, der Profis besser macht. Er ist detailversessen, korrigiert Abläufe im Training selbst in Nuancen. "Er achtet sehr auf die Feinheiten. Er nimmt einen Spieler oft zur Seite, erklärt uns etwas im Video oder an der Tafel. Es geht um einen Meter weiter hier oder dort, um diese Bewegung oder jene Bewegung", sagt André Hahn. Favre denkt 24 Stunden lang Fußball, er guckt unzählige DVDs. Etwas dem Zufall zu überlassen, kommt für ihn nicht infrage. Abschalten auch nur in Ausnahmefällen.

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"In meinem Leben dreht sich alles fast immer um Fußball", sagte er unlängst im Interview mit unserer Zeitung. Mit dieser Akribie und in Zusammenarbeit mit Sportdirektor Max Eberl hat Favre aus dem Kellerkind Mönchengladbach ein Team geformt, für das ein Verpassen der Europacup-Ränge mittlerweile einer Enttäuschung gleichkäme.

Am Sonntag reist in der TSG 1899 Hoffenheim ein ebenfalls noch ungeschlagenes Team zum Spitzenspiel in den Borussia-Park. Verliert Borussia auch dann nicht, egalisiert sie den Vereinsrekord aus der Saison 1970/71. "Bei uns läuft es ganz gut. Daraus kann man aber nicht ableiten, dass wir uns mit Gladbach messen können", sagt Trainer Markus Gisdol. Die Favoritenrolle bekommen Favres Borussen nun immer öfter zugeschoben, aber mit ihrer spielerischen Qualität findet das Team auch gegen defensive Gegner nötige Lücken.

Favre selbst hätte nichts gegen eine Wiederholung des Geburtstagserlebnisses vom Vorjahr: Damals gewann Borussia 2:0 in Hamburg, und der Trainer feierte in einem seltenen Moment der Ausgelassenheit mit den Fans.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Hoffenheim-Vorbereitung mit Fußballtennis

(RP)