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Borussia Mönchengladbach: Sinnbild einer ausgeglichenen Liga

Borussia Mönchengladbach : Sinnbild einer ausgeglichenen Liga

Hinter den Bayern liegen die Vereine so eng beieinander wie selten. Gladbach hat nur zwei Punkte mehr als der Durchschnitt. Und doch profitiert Borussia von diesem Fakt mehr, als dass er ihr schadet.

Dass der FC Bayern auch in dieser Saison dem Rest der Liga mit Siebenmeilenstiefeln enteilt, ist keine Erkenntnis, mit der man am Kiosk eine Zeitung mehr verkauft. Aber sich einmal - und das speziell aus dem Blickwinkel Borussias - anzuschauen, wie kuschelig eng dieser "Rest der Liga" heuer beisammen liegt, fördert dann doch manche Aussage über den Zustand von Deutschlands Oberhaus zutage. Das hilft, Gladbachs bisherige Saison realistisch einzuordnen. Denn gerade diese nüchterne Einordnung fällt manchem schwer. Weniger dem Verein selbst, der treu und stetig bekundet, im Erfolg wie im Zeitraum dreier Niederlagen "immer in der Realität" (Sportdirektor Max Eberl) zu sein, als vielmehr den Teilen des Umfeldes und der Fans, die zwischen "himmelhochjauchzend" und "zu Tode betrübt" hin- und herwogen.

Was sagen also Borussias 20 Punkte über die Qualität der Fohlenelf aus? Vor allem zweierlei:

Man liegt nur knapp über dem Durchschnitt Zunächst einmal sind 20 Punkte gerade 2,2 mehr als die 17,8 Punkte, die ein fiktiver Durchschnittsklub zu diesem Zeitpunkt (ohne das gestrige Spiel Dortmund - Hoffenheim) auf dem Konto hätte. Neun Klubs haben mehr als diese 17,8 Punkte gesammelt, neun weniger. Noch ist zudem keine klassische Vierteilung der Liga zu erkennen in Spitzenteams, Europa-League-Kandidaten, graues Mittelfeld und Abstiegszone. Vielmehr erstreckt sich ein Mittelfeld von Rang fünf bis ganz unten. Denn vor dem 14. Spieltag war der Abstand zwischen dem 1. und dem 3. (zehn Punkte) größer als der zwischen dem 5. und dem Letzten (neun). Das gab es seit Einführung der Drei-Punkte-Regelung 1995/96 zu diesem Zeitpunkt erst einmal: 1997/98. Und nur zweimal (2000/01 acht Punkte und 1997/98 sieben) war der Abstand zwischen Rang fünf und 18 geringer. Weil, so Eberl, "jeder Verein Wellenbewegungen mitmacht", sind viele Klubs in Sichtweite. Zwei, drei Niederlagen spülen ein Team spürbar nach hinten, zwei, drei Siege in Folge lassen es gewaltig klettern.

Für Borussia heißt das: Man braucht keine Angst zu haben, dass sich von den Europa-League-Kandidaten mehrere entscheidend absetzen, tut sich aber eben auch selbst schwer, Konkurrenten zu distanzieren. So sind kriselnde Schalker mittlerweile gleichauf, so könnte der heutige Gegner Hertha als 13. mit einem Sieg auf drei Zähler heranrücken. Es ist die schlichte "Erkenntnis, was in der Bundesliga möglich ist" (Eberl).

Meist waren mehr Punkte nötig In den 19 abgeschlossenen Spielzeiten seit Einführung der Drei-Punkte-Regelung hatte der Tabellenfünfte nach der Hinrunde im Schnitt 28,4 Punkte. Der Minimalwert lag bei 26, der Maximalwert bei 33. Borussia hat als Fünfter aktuell 20 Punkte, liegt also ein gutes Stück hinter dem, was sonst Punkte-Usus ist. Des weiteren gilt: In den vergangenen drei Spielzeiten, in denen sich Borussia am Ende für den Europacup qualifizierte, stand man am Ende der Hinrunde bei 33 (2013/14 und 2011/12) oder 28 Punkten (1995/96). Es gibt also noch so Einiges zu tun für Lucien Favres Team in den verbleibenden vier Ligaspielen.

Die Serie von 18 ungeschlagenen Partien vom Saisonstart weg lässt Borussia in allen drei Wettbewerben ordentlich bis gut dastehen. Aber wie wenig man sich schon drei Niederlagen später noch für die historische Bestmarke kaufen kann, also wie wenig Puffer sie nach hinten geschaffen hat, das spricht dann doch für Martin Stranzls Aussage nach dem Spiel auf Zypern. "Die Serie ist schön, aber erreicht haben wir wegen ihr ja noch lange nichts." Dafür ist die Liga einfach zu ausgeglichen.

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(RP)