Borussia Mönchengladbach: Schippers: Gewinn liegt im zweistelligen Millionenbereich

Borussia Mönchengladbach : Schippers: Gewinn liegt im zweistelligen Millionenbereich

Borussias Geschäftsführer Stephan Schippers spricht vor der Mitgliederversammlung am Montag, 29. April, über die Bilanz des Jahres 2012, die Steigerung des Umsatzes auf mehr als 100 Millionen Euro, schöne Erfahrungen im Europapokal und die Zukunftsvisionen des Vereins.

Herr Schippers, bei der Mitgliederversammlung zieht Borussia die Bilanz des Jahres 2012. Sportlich war es das beste Jahr der jüngeren Vereinsgeschichte: Platz vier bedeutete die erste Europapokalteilnahme seit 16 Jahren, Borussia überwinterte dann auch im internationalen Geschäft. Wie schlägt sich das wirtschaftlich zu Buche?

Schippers Auf das, was die Mannschaft sportlich geschafft hat, sind wir sehr stolz. Die Champions-League-Playoffs und die Teilnahme an der Europa League waren für den gesamten Verein eine schöne Erfahrung. Was den wirtschaftlichen Bereich angeht, war es das erfolgreichste Jahr der Vereinsgeschichte. Der Umsatz liegt deutlich über 100 Millionen Euro. 2011 lagen wir bei 72 Millionen, es ist also noch einmal ein großer Sprung. Es ist eine Steigerung in allen Bereichen.

Auch im Merchandising?

Schippers Ja. Der Verein wächst in allen Bereichen, auch da. Da liegen wir jetzt bei über zehn Millionen Euro.

Wie ist das zu erklären?

Schippers Zum einen haben wir durch den Sprung in den oberen Bereich der Tabelle deutlich mehr Fernseh-Einnahmen. Wir haben im Pokal durch das Erreichen des Halbfinals gut verdient — und auch durch die Teilnahme an den Playoffs zur Champions League und den acht Spielen in der Europa League. Nicht zu vergessen die Transfereinnahmen durch die Verkäufe von Marco Reus und Dante.

Viele Klubs sprechen bei der Europa League da von einem Zusatzgeschäft.

Schippers Natürlich ist die Champions League lukrativer. Wir haben mit den beiden Playoff-Spielen fast so viel verdient wie mit den acht Europa-League-Spielen zusammen. Es ist ja bekannt, dass es für einen Sieg in der Champions League eine Million Euro gibt, in der Europa League sind es 200 000 Euro. Aber für uns war die Europa League trotzdem ein großer Erfolg. Der Klub hat sich sportlich toll präsentiert, unsere Fans haben in Europa ein tolles Bild abgegeben. Wir hatten bei den fünf Heimspielen im Europapokal einen Zuschauerschnitt von 44 363, das war ein entscheidender Faktor. Sogar die Verantwortlichen von der Uefa haben uns gefragt: Wie macht ihr das? Es ist auch damit zu erklären, dass unsere Fans nach so vielen Jahren unglaublich hungrig waren auf die internationalen Spiele. Dass zudem alle Spiele im Borussia-Park live im Free TV gezeigt wurden, zahlte sich natürlich auch aus.

Entsprechend hoch dürfte auch der Gewinn ausfallen.

Schippers Die genauen Zahlen werden wir erst bei der Mitgliederversammlung nennen. Das Vorrecht wollen wir unseren Mitgliedern geben. Aber ich kann sagen, dass der Gewinn sehr deutlich ist — im zweistelligen Millionenbereich. Ich möchte aber warnen, diese Zahlen als Maßstab für das Jahr 2013 zu nehmen. Wir müssen realistisch bleiben. 2012 hatten wir beträchtliche Transfereinnahmen. Diese Einnahmen werden wir im laufenden Jahr nicht haben. Das ist auch gut so, denn wir wollen die Mannschaft ja zusammenhalten. Zudem wissen wir nicht, ob wir international spielen werden. Dennoch wird der Umsatz wohl auch 2013 um die 100 Millionen Euro liegen.

Ist die erneute Teilnahme am Europapokal eingeplant?

Schippers Das wäre vermessen. Wir planen mit 34 Bundesligaspielen und einem Pokalspiel — alles andere ist eine Zugabe. Aber wir haben gesehen, welches Potenzial Borussia hat.

Was ist das Ziel für die kommenden Jahre? Will Borussia Best of the Rest hinter Bayern, Dortmund, Schalke und Leverkusen werden?

Schippers Unser Ziel ist, uns sportlich dauerhaft in der oberen Tabellenhälfte zu etablieren. Es bleibt dabei, dass wir nur Geld ausgeben, das wir einnehmen, und das wir in den Sport investieren. Dazu dienen auch die Investitionen in die Infrastruktur. Wir haben unser Trainingsgelände erweitert. Und es gibt weitere Vorhaben: den neuen Fanshop, die Erweiterung von Medicoreha, das Museum...

... auch ein Hotel?

Schippers Auch das könnte dazugehören — wenn es wirtschaftlich Sinn macht.

Was darf Sportdirektor Max Eberl für die neue Saison ausgeben?

Schippers Was wir genau im Sommer machen, können wir noch nicht sagen. Den ersten Schritt haben wir aber schon gemacht mit Max Kruse, der vom SC Freiburg kommt. Grundsätzlich haben wir im Team eine gute Substanz, auch, weil wir wichtige Spieler langfristig gebunden haben. Wir werden aber sicher investieren, um das Team punktuell zu verstärken und es besser zu machen.

Macht es das Gehaltsgefüge möglich, auch weiterhin gute Spieler zu halten? Torwart Marc-André ter Stegen oder Stürmer Patrick Herrmann, die ja beide von großen Klubs umworben sind?

Schippers Erst einmal haben beide langfristige Verträge bei uns. Und ich glaube auch nicht, dass beide nur aufs Geld schauen. Grundsätzlich ist es auch nicht richtig, Spieler nur mit Geld zu halten. Es geht auch um den Charakter und die Perspektive. Und ich glaube, das Team hat gezeigt, dass wir richtig liegen.

Wie wichtig wäre eine erneute Teilnahme am Europapokal?

Schippers Wir werden uns sicher nicht von einer Teilnahme am Europapokal abhängig machen. Unser Kader ist so ausgelegt, dass wir ihn auch ohne Einnahmen aus dem Europapokal halten können. Klar ist aber: Wir alle wollen in den Europapokal, müssen es aber nicht.

Der Ansatz ist konservativ. Doch die Ansprüche der Borussia-Fans sind gestiegen.

Schippers Das würde ich so nicht sagen. Wir haben Fans, die wissen, dass übersteigerte Hoffnungen nicht realistisch sind. Wenn wir um die Plätze 9, 8 und 7 plus der Option auf 5 oder 6 spielen, sind wir im Soll. Wer Platz acht für Borussia als enttäuschend ansieht, liegt falsch. Wir sind nicht weniger hungrig als jeder andere, müssen aber, ich sage es noch einmal, realistisch bleiben. Wir werden auch weiter auf unseren Nachwuchs setzen. Wir haben viele Eigengewächse im Kader und einige Talente in der Hinterhand. Unsere U19 steht im DFB-Pokal-Halbfinale. Auch das ist uns wichtig.

Was ist mit den Ticketpreisen. Werden sie zur neuen Saison erhöht?

Schippers Nein, sie bleiben wie sie sind.

Wie geht Borussia mit Ticketportalen wie Viagogo um?

Schippers Wir finden es nicht in Ordnung, wenn Tickets für unsere Spiele zu überhöhten Preisen verkauft werden. Darum kontrollieren wir auch, was bei Auktionsportalen wie E-Bay passiert. Wenn da einer Tickets zum normalen Preis anbietet, ist das okay. Aber wenn einer Geld damit machen will, ist das nicht okay. So ist es auch bei Viagogo. Wir könnten viel Geld damit verdienen, ein Ticket-Kontingent an dieses Unternehmen auszugeben. Aber wir wollen es nicht. Wir wollen transparent für unsere Fans bleiben.

Wird daher auch der Stadionname nicht vermarktet?

Schippers Wir hatten einen Interessenten, der wollte aber das Stadion blau beleuchten. So etwas wird es nicht geben, denn wir wollen nicht für einen Erlös von zwei Prozent unseres Jahresumsatzes das Erscheinungsbild des Vereins ändern. Außerdem hat sich der Borussia-Park als Marke etabliert. Daher werden Tribünenbereiche eher einzeln vermarktet — aber, das verspreche ich: Die Nordkurve bleibt werbefrei.

Bleibt es bei der Obergrenze von 30 000 Dauerkarten?

Schippers Ja. Wir wollen möglichst vielen Fans die Möglichkeit geben, ins Stadion zu kommen.

Borussia war im Winter im Trainingslager in Dubai als Repräsentant der Deutschen Fußball-Liga. Was bringt das?

Schippers Es war vor allem eine Bestätigung unserer Arbeit. Man kann so etwas nicht in verkauften Trikots messen, aber für uns ist es eine Bestätigung, dass Borussia wahrgenommen wird — auch im Ausland.

DAS INTERVIEW FÜHRTEN RALF JÜNGERMANN, KARSTEN KELLERMANN UND ANDRÉ SCHAHIDI.

(RP/EW/can)