Borussia in Berlin Das Olympiastadion – Sehnsuchtsort und ein Weg nach Europa

Mönchengladbach · Das Pokalfinale in Berlin bleibt ein seit 1995 unerfüllter Traum für Gladbach. Dennoch kann sich auch in der laufenden Saison im Olympiastadion Gladbachs Weg in das internationale Geschäft entscheiden.

Borussia Mönchengladbach: Startelf beim VfB Stuttgart
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So könnte Borussias Startelf in Stuttgart aussehen

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Foto: dpa/Carmen Jaspersen

Borussia hat eine üppige Fan-Gemeinde in Berlin, Spiele in der Hauptstadt haben daher immer ein gutes Maß an Heim-Gefühl für die Gladbacher. Choreografien wie die, die ein Berliner Autoschild mit der Aufschrift „B - MG 1900“ zeigte, sind legendär. Zuletzt jedoch war das Olympiastadion kein Wohlfühlort für die rheinischen Fußballer. Viermal in Serie blieben sie sieglos, zwei Remis gab es und zwei Niederlagen, vergangene Saison ein ärgerliches 0:1 nach einer maximal mäßigen Leistung.

Passend dazu ist das Olympiastadion historisch betrachtet ein Ort der diffusen Emotionswelten für Borussia. 1971 gab es dort das 0:0 gegen Inter Mailand im Wiederholungsspiel des für ungültig erklärten 7:1 im legendären Büchsenwurfspiel. In dem Spiel im Olympiastadion, in dem Borussia ein 2:4 in Mailand wettmachen wollte, brach sich Verteidiger Luggi Müller auch noch ein Bein. Die Berlin-Reise vor 52 Jahren ist Teil eines der traurigsten und zugleich sinnstiftendsten Kapitel der Borussia-Geschichte. Denn das tragische Scheitern ist ein Teil der Borussia-DNA geworden.

1992 ging das DFB-Pokal-Endspiel gegen den Zweitligisten Hannover 96 verloren, die riesige Arena im Berliner Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf war bis dahin ein Ort der großen Niederlagen: das Aus gegen Inter im Landesmeisterwettbewerb, der peinlich verspielte dritte Pokalsieg der Klubgeschichte. 1995 dagegen war das Olympiastadion der Ort des letzten ganz großen Triumphs der Gladbacher. Sie holten den DFB-Pokal, ihren bis dato letzten Titel mit dem 3:0 gegen den VfL Wolfsburg.

Borussia Mönchengladbach: Das waren die fünf DFB-Pokal-Finals
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Fünfmal stand Borussia im DFB-Pokal-Finale

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Foto: IMAGO

Seither ist das Olympiastadion ein Sehnsuchtsort. Allerdings auch Symbol einer unerfüllten Sehnsucht, denn seit 28 Jahren hat es nicht mehr geklappt mit dem nächsten Pokalendspiel. In dieser Saison endete der Traum von Berlin in einer tristen Pokal-Nacht im hessischen Darmstadt, die mit einem 1:2 gegen den dort beheimateten, 1898 gegründeten Zweitliga-Verein endete.

Und trotzdem kann in dieser Saison für die Borussen der Weg nach Europa über das Berliner Olympiastadion führen. Dass dafür ein Sieg am Sonntag (15.30 Uhr, Dazn) extrem hilfreich wäre, um dranzubleiben an den neuralgischen Rängen, sei festgehalten (und auch, dass eine Niederlage vielleicht schon ein wenig entscheidend wegweisend wäre in die andere Richtung). Auf jeden Fall wird sich im Olympiastadion entscheiden, ob es eine Option mehr gibt für die Borussen.

Wenn der Pokalsieger, der am 3. Juni 2023 gekürt wird, zu den ersten Sechs der Bundesliga-Tabelle gehört, führt der siebte Rang nach Europa, genauer: in die Conference League. 2021 hat Borussia die Teilnahme an diesem Format durch das Last-Minute-Tor des Ex-Gladbachers Max Kruse für Union Berlin verpasst, weil die „Eisernen“ durch das 2:1 gegen RB Leipzig noch vorbeizogen. 2022 wurde Gladbach nur Zehnter, es fehlten sieben Punkte für Europa. Aktuell hat der Siebte Wolfsburg vier Punkte mehr, er hat allerdings sein 20. Saisonspiel schon mit dem 0:0 auf Schalke am Freitag absolviert. Borussia ist somit nach wie vor Anrainer zum noch theoretischen Europa-Rang.

„Wir sind im Korridor“, sagte Manager Roland Virkus und meinte damit das formulierte Saisonziel Einstelligkeit. Dazu gehört die - logischerweise - implizierte Ambition, möglichst (lange) um die unteren Europa-Ränge mitzuspielen. Dass der siebte Rang nach Europa führt (und somit mehr als ein Drittel der Bundesligisten ins internationale Geschäft einzieht), ist sehr wahrscheinlich angesichts der Konstellation im DFB-Pokal.

Denn mit dem FC Bayern, Union Berlin, Borussia Dortmund, RB Leipzig, Eintracht Frankfurt und dem SC Freiburg stehen die ersten Sechs der aktuellen Tabelle im Viertelfinale des Wettbewerbs. Nur der VfB Stuttgart (16. der Tabelle) und der Zweitligist 1. FC Nürnberg könnten Rang sieben europäisch entwerten, wenn sie den Pokal gewinnen.

 Choreo der Berliner Borussia-Fans im Olympiastadion.

Choreo der Berliner Borussia-Fans im Olympiastadion.

Foto: Borussia

Was Nürnberg angeht, wäre es ein Triumph mit Gladbach-Touch: Borussias Ex-Trainer Dieter Hecking ist beim „Club“ Sportvorstand. Mit dem VfL Wolfsburg hat er schon den Pokal gewonnen. 2017 stand Hecking auch mit Gladbach kurz vor der Erfüllung der Sehnsucht „Wir fahren nach Berlin“. Doch das Halbfinale gegen Eintracht Frankfurt ging im Elfmeterschießen verloren. Näher dran am „Heimspiel“ im Pokalfinale waren die Berliner Gladbach-Fans seitdem nicht mehr.

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