Früherer Borussia-Profi erinnert sich: Peter Wynhoff und das „Wunder von Wolfsburg“

Früherer Borussia-Profi erinnert sich : Peter Wynhoff und das „Wunder von Wolfsburg“

Vor 20 Jahren hatte Peter Wynhoff maßgeblichen Anteil am „Wunder von Wolfsburg“. Durch den Sieg in Niedersachsen schaffte Borussia damals den Klassenerhalt. Heute macht Wynhoff seine Tore für Borussias Traditionsteam.

Der Wynhoff-Haken geht noch. „Aber nicht mehr so schnell“, sagt der Namensgeber des Drehschwenks mit Ball, der dem früheren Borussen bei seinen berühmt-berüchtigten Sololäufen oft den Weg frei gemacht hat, vor allem gegen den Gladbacher Erz-Rivalen 1. FC Köln. Sechsmal hat der gebürtige Berliner gegen den Effzeh getroffen und drei Tore vorbereitet.

Gegen den VfL Wolfsburg hat er nur ein Tor erzielt. Doch war das ein sehr wichtiges. Am 9. Mai 1998, also vor genau 20 Jahren, schob er nach der Vorarbeit Marcel Ketelaers den Ball zum 2:0 ins Wolfsburger Netz. Zuvor hatte Stefan Effenberg das 1:0 für Gladbach besorgt (13.). Wynhoffs Einschuss war der letzte des Tages, mit dem 2:0-Sieg tat Borussia das Ihre und weil auch die Konkurrenz mitspielte, trug Wynhoff mit seinem vierten Saisontor maßgeblich zum „Wunder von Wolfsburg“ bei.

„Es ist damals alles für uns gelaufen, dazu gehörte natürlich auch Glück“, sagt Wynhoff, der seinen Treffer noch genau vor Augen hat: „Ketelaer spielt den Ball quer, ich schiebe ihn in die kurze Ecke“, berichtet er aus seiner Erinnerung an die 35. Minute des Abstiegs-Endspiels. Den Wynhoff-Haken gab es nicht in dem Moment, er arbeitete schmucklos, aber effizient.

Dass er noch weiß, wie es geht mit dem Toreschießen, zeigte Wynhoff, inzwischen 49 Jahre alt und nebenberuflicher Geschäftsführer der Gladbacher Traditionsmannschaft, der Weisweiler Elf, am Dienstagabend auf dem Fohlenplatz im Borussia-Park. Dreimal trat er den Ball ins Tor der Mannschaft des Zirkus Flic Flac, die die Ex-Borussen im Benefizspiel für den Verein „Zornröschen“ herausgefordert hatte. Zwei weitere 98er spielten mit: Karlheinz Pflipsen, der wie Wynhoff einst zur Startelf gehörte, und Valandi Anagnostou, der später eingewechselt wurde. Pflipsen erzielte gegen die Zirkusleute ebenfalls drei Tore. Der drittbeste Torschütze der Alt-Borussen beim 10:2 war Patrick Lemoine. Er war deswegen der glücklichste Mann des Tages, wie er bei der späteren Grillrunde beider Teams gestand. Lemoine durfte als Gastspieler mitwirken bei „seiner Borussia“, schließlich kommt der Mann, der im Flic Flac für die Jonglagen zuständig ist, aus Heinsberg und drückt den Gladbachern von jeher die Daumen. „Ich habe die Jungs früher alle spielen sehen und durfte jetzt mit ihnen zusammenspielen. Großartig, das hätte ich mir niemals erträumt“, frohlockte er. Im ersten Durchgang trug er noch das Flic Flac-Trikot, die beiden Tore schaffte Finn Filip Spiekers nach der Pause.

Adam Cichon traf noch für die Weisweiler Elf und Oliver Neuville, der von 2004 bis 2010 für Gladbach Spielte und heute Co-Trainer der U19 Borussias ist. Der Ex-Stürmer war am „Wunder von Wolfsburg“ indirekt beteiligt, ebenso wie Ewald Lienen, Ex-Spieler und -Trainer in Gladbach sowie ebenfalls Mitglied des Traditionsteams. Lienen war vor 20 Jahren Trainer von Hansa Rostock, Neuville Torjäger an der Ostsee. Sein zwischenzeitliches 1:1 nur 13 Sekunden nach der Führung des Borussia-Konkurrenten Karlsruher SC war wohl die Basis für den 4:2-Erfolg der Rostocker, zu dem Neuville später noch die Vorlage zum 4:1 beitrug. Der Hansa-Erfolg war nötig, um den Sieg der Gladbacher in Wolfsburg so wertvoll zu machen.

Nun könnte der Hamburger SV, am Samstag im Abstiegskampf in ähnlicher Situation wie vor 20 Jahren Borussia, auf die Idee kommen, sich Gladbachs Wolfsburg-Wunder zum Vorbild zu nehmen, wie es gehen kann. „Besser nicht“, sagt Wynhoff. „Schließlich geht es für unsere Mannschaft ja auch noch um etwas.“ Wer sich darüber freuen würde, wenn Borussia das „Wunder von Hamburg“ nicht zulässt? Der VfL Wolfsburg, Konkurrent des HSV. Die Fußball-Welt ist sehr, sehr klein.

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