Patzer von Marc-Andre ter Stegen: Eberl wettert gegen Eintracht-Fans

Borussia Mönchengladbach : Eberl wettert gegen Braunschweig-Fans

Die Nerven lagen blank. Kaum war das Bundesliga-Spiel zwischen Eintracht Braunschweig und Borussia Mönchengladbach (1:1) abgepfiffen, flogen die Fetzen.

Marc-André ter Stegen warf seine Handschuhe weg, schrie Kapitän Filip Daems an. Dieser keilte zurück, die Streithähne kamen sich bedrohlich nahe und mussten sogar getrennt werden. Ein Unterfangen, das Zeugenaussagen zufolge nur bis zum Kabinengang klappte — dort soll es noch ein kleines Handgemenge gegeben haben.

Aufzuarbeiten gab es nach dem schwachen Remis der Gladbacher in Braunschweig jedenfalls so einiges. Vor allem zwischen Daems und ter Stegen. Einen eigentlich harmlosen Rückpass des Belgiers beim Stande von 1:0 für Borussia ließ der zur kommenden Saison zum FC Barcelona wechselnde Torhüter über seinen Fuß — und ins Tor — hoppeln. Ein peinliches Eigentor, das aussah wie eine perfekte Kopie des ter Stegen-Patzers auf der USA-Reise mit der Nationalmannschaft im vergangenen Sommer.

"Ich fand nicht gut, wie die Leute hier reagiert haben"

Ter Stegen versuchte später zwar diplomatisch mit einem "alles ist gut" zu beschwichtigen. Gut war jedoch gar nichts. Nicht der Versuch, den Fehler auch nur im Ansatz auf einen Teamkollegen abzuwälzen. Und auch nicht Max Eberls unnötiger Robert-Enke-Vergleich, nachdem Braunschweigs Fans ter Stegen nach seinem Patzer lautstark zu verunsichern versuchten. "Ich fand nicht gut, wie die Leute hier reagiert haben. Ich möchte hier jetzt nicht Robert Enke rausholen", sagte Gladbachs Sportdirektor, tat es dann aber doch. "Damals waren alle in tiefer Trauer. Und wie sie hier den jungen Keeper ohne Ende aufziehen, das gehört sich nicht" , sagte Eberl.

Insgesamt harmlose Schmähgesänge der Heimfans mit einer Krankheit (Enke litt unter Depressionen) in Verbindung zu bringen — das gehört sich ebenfalls nicht. Dabei war ter Stegens Fehler am Ende nur die Krönung einer erneut durchwachsenen Leistung der Gladbacher, die inzwischen acht Spiele in Folge sieglos sind — so lange wie noch nie unter Trainer Lucien Favre. Dazu kommt ein Rekord: Ebenfalls noch nie starteten die Borussen so schlecht in eine Bundesliga-Rückrunde.

Max Eberl sagte nach dem Spiel, er habe in der zweiten Halbzeit eine "sehr gute Auswärtspartie" seiner Mannschaft gesehen. Eine Meinung, die der Sportdirektor reichlich exklusiv vertrat. Richtig ist, dass sich die Gäste gerade nach dem ter-Stegen-Patzer aufbäumten, in den letzten Spielminuten richtig Pech mit einem Pfostenschuss durch Max Kruse sowie einem zu Unrecht aberkannten Treffer von Peniel Mlapa hatten. Dies täuschte jedoch nicht darüber weg, dass der spielerisch limitierte Tabellenletzte den Borussen über weite Strecken der Partie kämpferisch den Schneid abkaufte.

Den Gästen half nicht einmal die Tatsache, dass auch Braunschweig-Keeper Davari Mitte der ersten Hälfte einen Patzer produzierte. Nach einer harmlosen Ecke von Raffael prallte der Ball von Davaris Oberschenkel ins eigene Tor. Gladbach blieb jedoch unsicher, der Spielaufbau stockte, Flügelspiel war nicht vorhanden. "Wir haben viele lange Bälle gespielt", sagte Trainer Lucien Favre, "es war sehr schwer für uns."

Für ihn wird es noch schwerer, da Granit Xhaka und Christoph Kramer nach ihrer zehnten und fünften Gelben Karte am kommenden Wochenende gegen Augsburg fehlen werden. "Darüber denke ich noch nicht nach", sagte Favre. Er hatte genug aufzuarbeiten. Das galt auch für Marc-André ter Stegen. "Mir tut es sehr leid für die Mannschaft", sagte der 21-Jährige mit gebührendem Abstand zur Partie. "Das war richtig Mist heute. Aber ich werde weiter so spielen, wie man mich kennt."

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(RP)