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Oscar Wendt im Interview: "Wir können etwas Besonderes schaffen"

Interview mit Oscar Wendt : "Wir können etwas Besonderes schaffen"

Der Schwede zieht eine Bilanz, spricht über Borussias Strukturen, Trainer André Schubert und die Ziele für den Rest der Saison.

Oscar Wendt ist in der sechsten Saison Borusse. Nach Raffael und Torwart Christofer Heimeroth ist er der älteste Spieler im Gladbacher Team. Karsten Kellermann sprach mit dem 31-jährigen Schweden über das Thema Krise, die Strukturen in der Mannschaft und darüber, was in der Rückrunde möglich ist.

Herr Wendt, freuen Sie sich schon auf Weihnachten?

Wendt Natürlich, es ist der beste Feiertag im Jahr, viel besser als ein Geburtstag. Es ist die beste Zeit des Jahres. Wir kommen alle zusammen, die Familie, die Freunde. Es ist ein großes Fest, das viel Spaß macht.

Und es tut gut, mal abzuschalten.

Wendt Eine Pause tut immer gut, egal wie es läuft. Wir hatten sehr viele Spiele, da ist es wichtig, den Kopf frei zu bekommen.

Es war eine aufregende Hinrunde. Fassen Sie die mal zusammen.

Wendt Champions League und Pokal waren gut, in der Bundesliga haben wir zu wenige Punkte. Es gab Spiele, in denen wir weniger bekommen haben, als wir verdient hatten. Aber wir waren zu schwankend in den Leistungen. Es gibt viele Faktoren, die das beeinflussen. Dann hast du eben Phasen, in denen jeder Ball drin ist, und welche, in denen es nicht so ist. Hätten wir unsere Chancen genutzt, hätten wir sieben oder acht Punkte mehr. Dann würde niemand etwas sagen. Klar ist: Mit diesem Team ist unsere Position in der Liga zu wenig. Wichtig ist, so schnell wie möglich aus so einer Phase richtig rauszukommen und es dann in der Rückrunde besser zu machen.

Ist Trainer André Schubert ein guter Krisenmanager?

Wendt Ich würde gar nicht sagen, dass wir eine Krise haben. Wir haben zwar acht Bundesligaspiele nicht gewonnen, aber es wäre nur eine Krise, wenn alle Spiele schlecht gewesen wären. Es waren gute Spiele dabei, darum weiß man, dass man das in den Griff kriegt. Der Trainer hat es bisher top gemacht, das zeigen unsere Leistungen. Es ist leicht, zusammenzustehen, wenn man gewinnt. Aber wir stehen auch zusammen, wenn wir nicht gewinnen. Unsere Gruppe ist phänomenal, ebenso der Verein. Es gibt keine Zweifel, nicht von den Spielern am Trainer oder vom Trainer an den Spielern. Wir sind alle auf derselben Seite.

Nun gab es den dreckigen Sieg gegen Mainz - war es genau das, was nötig war?

Wendt Wir brauchten einen Sieg, egal wie. Wir spielen Profi-Fußball, da sind die Ergebnisse das wichtigste. Die drei Punkte waren wichtiger, als ein gutes Spiel zu machen.

Dieser Satz dürfte Ihnen schwer von den Lippen gehen. Sie sind einer, der gern gut spielt, oder?

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Wendt Na klar, ich möchte immer schöne Spiele haben. Aber wenn ich es mir aussuchen muss, sage ich: Lieber immer schlecht spielen und gewinnen. Ich gehe nicht jeden Tag zum Training, um dann zu verlieren. Wir sind alle erfolgsorientiert, das ist unser Job. Nach diesem Sieg können wir durchatmen und erleichtert in die letzten beiden Spiele in Augsburg und gegen Wolfsburg gehen.

Hat das Team mehr als vorher zusammengearbeitet gegen Mainz?

Wendt Auf jeden Fall haben wir viel gekämpft und sind viel gelaufen ...

... mehr als zuvor in dieser Saison ...

Wendt ... das habe ich auch gehört. Ich würde aber sagen, dass es sicher Spiele gab, in denen wir weniger gelaufen sind, aber tollen Fußball gespielt haben. Laufen und Zweikämpfe sind wichtig, aber nicht alles. Es ist jedoch gut, dass wir gegen Mainz gezeigt haben, dass wir beides können. Wir können gut kicken. Aber wenn jemand uns zum Kampfspiel bittet, können wir auch das.

In Augsburg wird es der Fall sein.

Wendt Das glaube ich auch. Gerade zu dieser Zeit, wenn der Platz tief und es kalt ist.

Das ist schwedisches Wetter.

Wendt Absolut. Für mich ist das top, besser, als wenn es 40 Grad heiß ist.

Und der Winter ist nichts für Raffael.

Wendt Ach, Raffa ist schon so lange in Deutschland, der ist mehr Deutscher als mancher Deutsche. Der kennt sich aus mit dem Wetter.

Derzeit wird viel über mögliche neue Spieler spekuliert. Das Fan-Portal "Schwarzweissgruen" hat einen Landsmann von Ihnen ins Spiel gebracht: Rasmus Elm. Wäre er einer für Borussia?

Wendt Ah, Rasmus. Er ist ein guter Spieler, aber ich habe ihn lange nicht gesehen, er war schwer krank. Er hat jetzt wieder gespielt, ob er 100 Prozent fit ist, weiß ich aber nicht. Und ich habe mit der Spielersuche nichts zu tun, das machen andere.

Sie sind Vize-Kapitän. Nervt es Sie, dass gerade so viel über fehlende Bosse bei Borussia gesprochen wird?

Wendt Das perlt an mir ab. Für mich ist nur wichtig, was wir im Team sagen, was der Trainer sagt und was der Verein sagt.

Hat Borussias Team gute Strukturen?

Wendt Ich finde, dass unsere Mannschaft super funktioniert. Wir haben einen guten Mix von verschiedenen Persönlichkeiten und Charakteren. Es gibt verschiedene Arten von Führungsspielern. Der eine sagt nicht viel, aber geht mit Leistungen voran, andere, wie Raffa, können alles am Ball. Andere sprechen mehr.

Sie auch?

Wendt Ich sage immer meine Meinung. Aber nur, wenn es was zu sagen gibt, und nicht nur, um mal was zu sagen.

Gibt es im Mannschaftsrat eine Aufteilung Good Cop, Bad Cop?

Wendt Nicht wirklich.

Braucht man Bad Cops im Fußball?

Wendt Vielleicht. Ich kann auch ein Bad Cop sein, wenn es nötig ist. Aber es gab auch noch keine Situation, seit ich hier bin, in der es nötig war.

Wie muss man sich Oscar Wendt als Bad Cop vorstellen?

Wendt (grinst) Das ist eine gute Frage. Ich weiß es nicht. Aber wenn ich es wüsste, würde ich es nicht sagen. Denn es gibt Dinge, die in der Kabine bleiben müssen. Das geht draußen niemanden an. Aber glauben Sie mir: Es ist nicht so, dass bei uns keiner was sagt oder nicht gestritten wird. Aber alles bleibt intern. Auch das spricht dafür, dass wir gute Typen im Team haben.

Was kann man von diesen guten Typen in der Rückrunde erwarten?

Wendt Im Moment ist das sehr weit weg. Wir wollen noch so viele Punkte wie möglich holen, dann durchatmen, den Kopf frei kriegen und wieder voll angreifen.

In der Europa League wartet der AC Florenz, im Pokal Zweitligist Fürth. Was ist drin?

Wendt Wenn wir kleine Sachen verbessern und alle im Kopf gut drauf sind, können wir da etwas Besonderes schaffen. Im Pokal haben wir eine gute Chance weiterzukommen, und auch gegen die Fiorentina haben wir eine ehrliche Chance, da steht es 50 zu 50, weiterzukommen, wenn wir alle richtig gut drauf sind.

Für Sie ist es die erste Halbserie ohne Ihren Kumpel Havard Nordtveit. Fehlt er Ihnen?

Wendt (grinst) Ich bin ja alt genug, ohne ihn klarzukommen. Meine Familie und ich leben jetzt schon ein paar Jahre hier und fühlen uns sehr wohl. Wir haben viele Freunde auch außerhalb des Fußballs. Kontakt haben "Howie" und ich natürlich weiter. Leider blieb noch keine Zeit, ihn in London zu besuchen.

Hat er mal bereut, dass er gegangen ist? Er spielt nicht immer.

Wendt Nein. Es ist ja normal, wenn du in ein anderes Land gehst und dann auch noch verletzt bist, dass es dauert, bis du richtig im Team bist. Er fühlt sich gut, und es ist sicher kein Nachteil, in London zu leben.

Ihr Vertrag endet 2018. Sie sind dann 33. Wird noch mal verlängert?

Wendt Man muss sehen, wie sich die Dinge entwickeln, auch, was mein Körper sagt. Ich fühle mich im Moment sehr gut, so stark wie nie. Natürlich würde ich gern vielleicht ein Jahr länger hier spielen. Aber wir werden sehen, was passiert.

Gegen Mainz haben Sie im linken Mittelfeld gespielt. Entspricht das Ihrem Naturell?

Wendt Ich habe 80 Prozent meiner Laufbahn linker Verteidiger gespielt, das ist die Position, die ich auch am besten kann. Aber wenn ich links vorne spielen soll, mache ich das.

Zuletzt taten Sie das im 4-4-2-System. Ist es das System, in dem sich Borussia am besten fühlt?

Wendt Wir haben im 4-4-2 gute Spiele gemacht, aber genauso gut im 3-5-2 oder im 3-4-3. Wir fühlen uns in vielen Systemen wohl. Entscheidend ist vielmehr, dass wir weiter kämpfen und hart arbeiten. Dann werden wir auch Erfolg haben, ganz egal in welchem Spielsystem.

(RP)