Oscar Wendt: "Abba höre ich nur einmal im Jahr"

Borussias Oscar Wendt im Interview: "Abba höre ich nur einmal im Jahr"

Borussias Schwede Oscar Wendt spricht im Interview über musikalische Vorlieben, verrät, welches Lied nach Siegen in der Kabine läuft und warum er CDs der digitalen Musik vorzieht.

Herr Wendt, Sie haben mal gesagt, dass Musik ein großer Teil von Ihnen ist. Ist die ganze Familie Wendt musikalisch?

Oscar Wendt: Bei uns in der Familie hat jeder irgendwie etwas mit Musik zu tun und lebt das aus. Jetzt habe ich zwei kleine Kinder, da ist fünf Minuten nach dem Aufstehen die Musik an. Musik ist wie Fußball: Sie macht Spaß. Und es ist gut, Spaß zu haben.

Was muss man tun, um Kabinen-DJ zu werden?

Wendt: Das kam eher zufällig. Wir hatten Krafttraining, und es war total ruhig im Kraftraum. Das geht gar nicht - im Kraftraum hat man keinen Spaß, aber Musik hilft, das weiß jeder. Da habe ich mein Handy geholt und etwas angemacht. Chris Weigl war damals noch Athletik-Trainer, er sagte beim nächsten Mal: Bring wieder Musik mit. So bin ich zu dem Nebenjob gekommen.

Sie haben mal für eine TV-Sendung Ihre Playlist zusammengestellt - da war nichts dabei, was wir hören würden. Sportjournalisten-Musik passt offenbar nicht zu Spielermusik. Gibt es eine typische Fußballer-Musik? Pop, Soul, R'n'B, Hiphop und Funk?

Wendt (lacht): Bei uns in der Kabine gibt es viele Stilrichtungen. Jeder darf mal sein Handy an den Lautsprecher stecken, ich bin da demokratisch. Wir haben zum Beispiel die französische Fraktion um Ibo Traoré, die hört vor allem französischen Rap. Und wir haben auch die deutschen Schlager dabei.

Verraten Sie, wer dafür verantwortlich ist?

Wendt: Christofer Heimeroth ist der Chef dieser Fraktion. Aber der ist ja jetzt Teammanager und nicht mehr so oft in der Kabine (grinst).

Deutsche Schlagerstars wie Helene Fischer sind nicht Ihr Ding?

Wendt: Ach, ich höre sie oft. Meine Tochter kann "Atemlos" auswendig. Sie kennt das aus dem Kindergarten. Jedes Mal, wenn wir Auto sitzen und "Atemlos" im Radio kommt, singt sie mit.

Zurück in die Kabine. Was ist besonders beliebt?

Wendt: Die Charts, aber vor allem Hiphop und R'n'B.

Der Heavy-Metal-Man Martin Stranzl ist weg...

Wendt: Heavy Metal läuft bei uns in der Kabine nicht mehr.

Und kein Indie-Rock, kein Rock'n'Roll, kein Wave, kein Gothic, kein Gitarren-Pop, kein Punk?

Wendt: Ab und zu gibt es was von den Chainsmokers oder den Imagine Dragons ...

Elektronik und, ja tatsächlich, Alternative Rock.

Wendt: Aber nur ein bisschen. Und Sachen wie The Cure oder so etwas sind halt nicht aus unserer Zeit. Das sind die 1980er, die sind für die aktuellen Spielergenerationen weit weg. Das ist aber nicht nur in der Fußballer-Welt so.

Was haben Sie gehört, als Sie ein Teenager waren? Abba?

Wendt: Nein! Abba höre ich nur einmal im Jahr, das muss sein. "Happy New Year" um kurz nach Mitternacht am 1. Januar. Man muss Abba kennen, sonst wird man in meiner Heimat Schweden des Landes verwiesen, aber hören muss man sie nicht.

Es gibt auch zeitgemäßere schwedische Bands. The Hives, die Alternative Rock machen, oder Mando Diao.

Wendt: Ja, die habe ich auch schon gehört. Mando Diao finde ich super. Die beste Platte ist die einzige, die sie auf Schwedisch gemacht haben. Sie haben da Texte eines der größten schwedischen Poeten genommen und Musik dazu gemacht. Das ist klasse.

Aber nichts für den Kraftraum.

Wendt: Es ist 2018 und nicht 1995. Diese Musik ist heute bei den jungen Menschen nicht angesagt, unsere Kabine ist sehr bunt, vielfältig und geht mit der Zeit - wie die gesamte Welt. Wer echt klasse ist, ist Tony Jantschke. Er hört Musik wie vom Buffet - er nimmt ein bisschen von allem. Und es gibt ein paar Songs, die hat gerade jeder auf dem Telefon. Kendrick Lamar oder Drake zum Beispiel.

Ihr persönlicher Favorit ist Justin Timberlake? Er kommt dreimal vor in Ihrer Playlist.

Wendt: Er ist super. Mit ihm bin ich groß geworden. Ich habe ihn auch schon live gesehen.

Überraschend in der Musikliste ist Ray Charles. Oder Al Green.

Wendt: Das ist nicht für die Kabine, das höre ich zu Hause mit meiner Frau, wenn wir Ruhe haben. Alter Soul, Motown, das ist unsere Musik. Mit Gefühl, emotional. Sehr schön.

Hört man das im Hause Wendt von der Vinyl-Scheibe oder via Handy?

Wendt: Ich habe noch einen Plattenspieler, der steht jedoch in Schweden. Aber ich bin früher mit der CD aufgewachsen. Für beides gilt: Du hast etwas in der Hand, die Scheibe, das Booklet mit den Texten. Ich weiß noch, wenn damals eine neue Platte rauskam, von Green Day zum Beispiel, war das immer cool. Ich habe gehört, sie kommt um 14 Uhr in den Plattenladen, dann stand ich zehn Minuten vor zwei vor der Tür. Dann ging es nach Hause, die Scheibe wurde reingelegt in den CD-Player und ich habe die Scheibe von vorne bis hinten durchgehört. Bei der digitalen Musik hört man ein paar Sekunden von einem Lied, und wenn es einem nicht gefällt, kommt der nächste Song dran. Da geht etwas verloren, die richtige Beziehung, die ein Album ausmacht.

Das ist kulturkritisch gedacht. Dabei haben die Schweden den Streamingdienst Spotify erfunden ...

Wendt: Das ist richtig! Wir sind technologisch überragend, was?

Was war Ihr erstes Album, das Sie gekauft haben?

Wendt: Eine gute Frage. Roxette? Oder? Wartet. Ah, nein! Es war Michael Jackson, das Album "Dangerous". Genau, das war meine erste Platte. Und bei Ihnen?

Kellermann: Frankie goes to Hollywood

Sorgatz: Eigentlich will ich gar nicht drüber reden: Modern Talking. Mit acht hat man ja keine Ahnung.

Wo wir dabei sind. Wurde schon mal ein Lied ausgemacht in der Kabine?

Wendt: Jeder kriegt eine Chance. Und es macht ja auch Spaß, mal was richtig Schlechtes zu hören. Dann gibt es auch schöne Debatten.

Gibt es Sieg- und Niederlagen-Musik?

Wendt: Nach Niederlagen ist es totenstill, da hat keiner den Kopf frei für Musik.

"You'll never walk alone" würde passen.

Wendt: Nein! Das Lied läuft viel zu oft. Und ich finde, es ist ein reines Stadionlied, ich will es nirgendwo anders hören. Ich habe es live im Celtic Park in Glasgow gehört - super. Aber ich würde es nie so anmachen, für mich passt das nicht.

Gilt das auch für "Die Elf vom Niederrhein"?

Wendt: Grundsätzlich ja, aber es läuft auch bei uns zu Hause. Meine Tochter kennt es auswendig und singt es gern. Schauen Sie mal (zeigt ein Video, wie seine Tochter im Borussia-Park zur Gladbach-Hymne groovt).

Was sind die Sieges-Songs?

Wendt: Vor zwei Jahren hatten wir einen, ein deutschsprachiges Lied. Es ging so: (singt) Hodi odi ohh di ho di eh ....

Andreas Gabalier, Hulapalu.

Wendt: Ja, genau. Das war schon cool. Wir haben es ja oft gehört, weil wir oft gewonnen haben (lacht).

Wie ist es bei Ihnen mit klassischer Musik?

Wendt: Die höre ich nicht. Außer bei den Olympischen Spielen, wenn unsere Hymne läuft. Ich war in der Reha, als wir beim Biathlon gewonnen haben und Deutschland Zweiter wurde. Da kam meine Nationalhymne - ich bin aufgestanden und habe mitgesungen.

Kann man generell sagen, dass Musik für Fußballer eine große Bedeutung hat?

Wendt: Ganz sicher. Wir sind ja auch viel unterwegs, und da hat jeder seinen Sound dabei. Es gibt viel "tote" Zeit, weil man wartet oder im Hotel ist. Da ist Musik ein gutes Hilfsmittel.

Auch, um sich zu fokussieren vor einem Spiel?

Wendt: Als ich jünger war, hatte ich meistens bis kurz vor dem Spiel Kopfhörer auf. Aber jetzt nicht mehr. Es gibt ja einiges zu besprechen vor einem Spiel. Jeder ist da unterschiedlich, jeder bereitet sich auf seine Art auf das Spiel vor.

Was wäre Ihr Soundtrack für den Rest der Saison?

Wendt: Ganz viel Hulapalu, weil wir noch viele Spiele gewinnen. Das wäre doch was.

Karsten Kellermann und Jannik Sorgatz führten das Gespräch.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Das ist Oscar Wendt

(kk, jaso)