Borussia Mönchengladbach: Oliver Neuville – ein WM-Star als Praktikant

Borussia Mönchengladbach: Oliver Neuville – ein WM-Star als Praktikant

Am ersten Tag seines neuen Berufslebens durfte Oliver Neuville tun, was er immer getan hat. Er durfte Stürmer spielen. "Ein Tor habe ich nicht gemacht, dafür habe ich aber einen Tritt abbekommen", sagte Neuville am Dienstag.

Wer aus dem U23-Team der Borussen der Übeltäter war, blieb Neuvilles Geheimnis. Ansonsten sprach der wohl bekannteste Praktikant Mönchengladbachs viel über seine Zukunft. Neuville will Trainer werden und das Praktikum bei Borussia soll ihm helfen, sich zu orientieren. "Olli will sich anschauen, ob das Trainergeschäft generell etwas für ihn ist", sagte Sportdirektor Max Eberl.

Acht Monate wird Neuvilles Praktikum vorerst dauern, in dieser Zeit wird er die B- und A-Trainerscheine erwerben. Die ersten drei Monate seiner Praktikantenzeit wird Neuville als Teil des Trainerteams der U23 verbringen, dann wird er in Borussias Jugendbereich arbeiten.

Dankbar sei er, dass er nun Erfahrungen sammeln dürfe für sein künftiges Leben, sagte Neuville. Dass es so kommt, war abgemacht, schon als Neuville seine Karriere in Bielefeld doch noch verlängerte. Nach dem Ende seiner Laufbahn machte Neuville einige Monate Pause und kümmerte sich vor allem um seinen nun einjährigen Sohn Alessandro. Jetzt ist er tatendurstig.

Gestern sprang er im Trainingsspiel ein, weil ein Spieler zu wenig da war. Ansonsten will sich Neuville in den kommenden Tagen orientieren, welche Möglichkeiten er hat, sich in der neuen Rolle einzubringen. Es dürfte trotz seiner reichhaltigen Erfahrung das eine oder andere Aha-Erlebnis geben.

"Als Spieler schaut man ja nicht so auf die Abläufe, man geht zum Training und trainiert. Als Trainer muss man alles vorbereiten, es gibt viel, was man im Hintergrund macht", sagte Neuvilles neuer Vorgesetzter, U23-Trainer Sven Demandt. "Das", so Ex-Profi Demandt, "habe ich ja selbst erlebt".

Ein WM-Held (Vize-Weltmeister 2002, Dritter 2006) als Praktikant — für die U23-Spieler ist das eine anregende Konstellation. "Ich habe schon gemerkt, dass der eine oder andere im Training ein paar Prozent draufgelegt hat", sagte Demandt. "Für Olli ist es der Anfang seiner Trainerkarriere. Und wir Spieler können von seiner Erfahrung profitieren", sagt U23-Verteidiger Bernhard Janeczek.

Mit Christofer Heimeroth, Reserve-Torhüter des Bundesligateams, der sich früher ein Zimmer mit Neuville teilte, gönnte sich der Praktikant nach dem Morgentraining einen Plausch am Zaun. "Ollis fußballerische Erfolgsgeschichte sucht seinesgleichen, die einzubringen, hilft jedem Verein. Und Olli wird es weiterbringen", sagte Heimeroth.

Allerdings nur auf dem Trainingsplatz und in der Kabine. Denn für Einsätze in der Regionalliga steht Neuville nicht zur Verfügung. Aber es wäre eine charmante Idee: Neuville (113 Tore in 413 Profispielen) und Sven Demandt (148 in 456 Profispielen) als Doppelspitze. "Im Strafraum wären wir sehr gefährlich — aber wir müssten vier Leute haben, die für uns laufen", sagte Demandt.

Er will Neuville schon bald voll einbinden in den Arbeitsalltag. Beispielsweise "muss man Berichte über die Spieler anfertigen", weiß Neuville. Und er kennt auch schon ein wesentliches Merkmal des Trainergeschäfts: "Egal was für ein Trainer man ist: Wenn man Erfolg hat, ist alles gut."

(RP)