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Borussia Mönchengladbach: November-Blues und eine Pause wie im Sommer

Borussia Mönchengladbach : November-Blues und eine Pause wie im Sommer

Bislang war der November stets der Favre-Monat. Jetzt ist die Borussia seit vier Spielen sieglos und hofft, dass sich die Wogen in der ersten freien Woche seit August ein wenig glätten. Sonst droht dem guten 2014er-Jahrgang ein Hauch von Mittelmaß.

1. Rast für Borussia 142 Stunden und zehn Minuten. Sprachlich gesehen ist das kein vollständiger Satz, aber irgendwie muss man die Zahl erst einmal stehen lassen. 142 Stunden und zehn Minuten werden zwischen dem Abpfiff durch Schiedsrichter Wolfgang Stark in Wolfsburg und dem Anpfiff im Borussia-Park gegen Hertha BSC vergehen. Ein Schiedsrichter ist für die kommende Begegnung noch nicht angesetzt. Bis am Samstag um 15.30 Uhr wird kein Gladbacher Profi in irgendeinem Pflichtspiel auf dem Rasen stehen. So ausgiebig durfte Lucien Favre seine Mannschaft zuletzt auf das Erstrundenspiel im DFB-Pokal am 16. August vorbereiten. Es war Sommer, Hertha kommt am Nikolaustag.

2. Endspurt Trotz der drei Bundesliga-Niederlagen in Folge kann die Borussia das Fußballjahr 2014 mit der Note gut abschließen. Es geht in vier verbleibenden Ligapartien und im Duell mit dem FC Zürich in der Europa League aber noch um die Abstufungen. Die Durchschnittspunktzahl lässt den VfL so lang in Richtung "gut minus" abdriften. 42 Zähler hat das Team in 30 Ligaspielen dieses Jahres gesammelt. Die Ausbeute entspricht etwa der stabilen wie biederen Saison 2012/2013, an deren Ende es zu Rang acht reichte. Zur Erinnerung: Das Jahr begann auch mit drei Niederlagen in Folgen. Anschließend blieb Gladbach noch vier weitere Male sieglos.

3. Krisenrasur Im November wucherte das Punktekonto unter Lucien Favre bislang wie die Schnäuzer all jener Männer, die mit 80er-Jahre-Optik den Fokus auf geschlechterspezifische Krankheiten wie Prostata- oder Hodenkrebs lenken wollen. Bis zum 0:1 in Dortmund hatte Gladbach mit seinem Trainer nur eines von 13 Spielen im "Movember" verloren. Vielleicht lässt der Dezember nun nicht nur die Schnäuzer verschwinden, sondern auch die Negativserie. Das hätte aus Borussia-Sicht einen guten Zweck.

4. Rausch und Co. Noch ist der VfL Wolfsburg so etwas wie ein schleichender Angstgegner, obwohl Gladbach von 15 Gastspielen in der VW-Stadt nur zwei gewonnen hat. Zum einen fühlt es sich noch nicht so aussichtslos an, weil der 2:0-Erfolg zum Nichtabstiegswunder 1998 eine große Strahlkraft besaß. Zum anderen setzt es selten Klatschen. Zieht man das 1:7 damals unter Friedel Rausch ab, kassiert die Borussia nur 1,7 Gegentore im Schnitt. Die Namen der Torschützen beim bislang letzten Sieg in Wolfsburg sprechen Bände darüber, wie viel Zeit seit dem 13. Spieltag der Saison 2003/2004 vergangen ist: Joris van Hout, Arie van Lent, Joonas Kolkka.

5. Mit Ball nichts los Nach der 2:3-Niederlage auf Schalke waren die Wolfsburger unter Spionageverdacht geraten. Anscheinend haben sie vor dem Duell mit der Borussia zumindest die Statistik gut studiert: Gladbach gewinnt selten in Spielen mit mehr als 50 Prozent Ballbesitz, am Sonntag gewährten die "Wölfe" der Favre-Elf gar 63 Prozent, das war am 1. Spieltag nicht einmal dem FC Bayern gegönnt. Und so steht die Borussia in 50-plus-Spielen nun bei einem Sieg, drei Unentschieden und zwei Niederlagen.

6. Ventil Seinem Ärger über die momentane Lage machte Tony Jantschke auf seiner Facebook-Seite Luft. "Ganz großer Mist im Moment", schrieb der Aushilfskapitän. Wenn der Ball schon nicht im Netz landet, dann wenigstens deutliche Worte.

7. Durchgemacht Patrick Herrmann hätte nach den 90 Minuten von Wolfsburg sicher keine Glückwünsche angenommen. Zuletzt war er in der Bundesliga siebenmal in Folge ausgewechselt, in der Europa League und im Pokal fünfmal in Folge eingewechselt worden. Am Sonntag machte der 23-Jährige mal wieder durch. Da Herrmann im Ligabetrieb in seiner Karriere auch 29-mal den Joker mimte, kommt er in 141 Bundesligaspielen auf gerade einmal 18 über die volle Distanz. Als Torschütze ist er bislang häufiger in Erscheinung getreten.

8. Zwischen den Welten "Natürlich ist die Tabelle schön, aber wir haben nur neun Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz", sagte Trainer Markus Weinzierl, nachdem sein FC Augsburg auf Platz vier gesprungen war. Borussia Dortmunds Sportdirektor Michael Zorc hatte dagegen erst nach der achten Saisonniederlage seiner Mannschaft eingestanden: "Wir sind im Abstiegskampf. Wir schauen ab jetzt nicht mehr nach oben." Während eine Hälfte der Liga um Europa spielt und die andere gegen den Abstieg, sind sie in Gladbach fast schon in einer komfortablen Lage: Einerseits muss sich nach den drei Pleiten in Folge niemand mehr gegen Lorbeeren wehren, andererseits ist Angst vor dem Absturz weiterhin übertrieben.

9. Im Gleichgewicht Die Lage ließe sich also gut mit dem Attribut "ehrlich" beschreiben. Borussias Boden der Tatsachen befindet sich noch immer auf einem hohen Niveau mit Platz fünf nach 13 Spieltagen. Dort ist die Mannschaft weder mit Geschenken gelandet noch hat allzu viel Pech einer besseren Ausbeute im Weg gestanden. Die "Wahre Tabelle", eine seit Jahren etablierte Online-Plattform, weist Gladbach mit zwei Punkten mehr auf Platz drei aus — das 1:1 gegen Mainz wird aufgrund des strittigen Elfmeters für den Gegner als Sieg gewertet. Dennoch handelt es sich bei der "Wahren Tabelle" um ein eher realitätsfernes Konstrukt.

10. An der Grenze Inklusive Europa League hat die Borussia jetzt vier Spiele in Folge nicht gewonnen. In dieser Zeit fiel Granit Xhaka zweimal aus, Christoph Kramer ebenfalls, Martin Stranzl musste sogar dreimal passen. Auf den Außenpositionen der Viererkette straucheln Oscar Wendt und Julian Korb, damit ähneln sie zeitweise Ausfällen. Vorne geht Branimir Hrgota als Kruse-Back-up seit Monaten die Torgefahr ab. Derart viele Schwächephasen auf Schlüsselpositionen vermag der Kader momentan nicht zu kompensieren. Eine Lösung für alles wird auch die 142-Stunden-Pause nicht sein.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Wolfsburg - Borussia: Einzelkritik