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Noch ohne Borussia Mönchengladbach: Transfer-Geschehen nimmt Fahrt auf

Geduld ist gefragt : Noch kann Borussia den Stillstand auf dem Transfermarkt verkraften

Die Konkurrenz forciert die Kaderplanung, doch bei Borussia Mönchengladbach passiert wenig. Der Transfermarkt hat sich in den vergangenen Jahren verändert. Was das für Gladbach bedeutet, welche spannenden Spieler schon weg sind und warum dennoch Geduld angesagt ist.

Der Transfersommer 2014 begann für Borussia Mönchengladbach bereits am 24. Februar. An jenem Tag gab der Verein bekannt, dass Fabian Johnson nach der Saison ablösefrei von der TSG Hoffenheim kommt. Am 10. März folgte die Meldung, dass Gladbach Yann Sommer als Nachfolger für Marc-André ter Stegen vom FC Basel verpflichtet, am 30. März wurde bekannt, dass André Hahn dank einer Ausstiegsklausel günstig vom FC Augsburg verpflichtet wird, und am 14. April, dass es Ibrahima Traoré vom VfB Stuttgart an den Niederrhein zieht, wie Johnson ablösefrei. Manager Max Eberl setzte damals neue Maßstäbe im Der-Konkurrenz-einen-Schritt-voraus-sein. Doch solch einen Sommer, wie er früher einmal war, den wird es so schnell nicht mehr geben bei Borussia.

Der Mai neigt sich ohne Vollzugsmeldung auf dem Transfermarkt dem Ende zu. Eberl-Nachfolger Roland Virkus hat in gut 100 Tagen als Sportdirektor bislang zwei Unterschriften getätigt, die wichtig genug waren, um für die Social-Media-Kanäle des Vereins festgehalten zu werden: Ur-Borusse Patrick Herrmann verlängerte bis 2024, der dritte Torwart Moritz Nicolas bis 2026.

Geholt hat Gladbach noch keinen Spieler, die Unkenrufe der Fans der lauter, aber selbstverständlich wird kein Spieler als reine Beruhigungspille kommen. Die Neuverpflichtungen dieses Sommers müssen sitzen, mehr denn je, und vor allem muss Borussia sie sich leisten können. Schon den Vorgriff im Winter, Marvin Friedrich für 5,5 Millionen Euro von Union Berlin zu holen, hatte sich Eberl, wie er kurz vor seinem Rückzug erklärte, sprichwörtlich „aus den Rippen geschnitten“. Erst der Verkauf von Denis Zakaria an Juventus Turin sorgte für Linderung.

Solange der Klub keine nenneswerten Erlöse erzielt, ist kaum etwas möglich. Die Gerüchtedichte ist überschaubar. OGC Nizza wurde von „L’Équipe“ Interesse an Marcus Thuram nachgesagt, sein Bruder Khépren steht beim wohlhabenden Investorenklub unter Vertrag. Nach Berichten über Gespräche mit Olympique Lyon und der AS Monaco ist es um Breel Embolo still geworden. Ramy Bensebainis Wechsel zu Borussia Dortmund ist durch die Trennung von Trainer Marco Rose noch einmal unwahrscheinlicher geworden. Und um Alassane Plea – den Vertreter des potenziellen Verkaufs-Quartetts, den Borussia am liebsten halten würde – rankt sich derzeit überhaupt nichts.

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Unterdessen gerät der Markt mehr und mehr in Bewegung. Neun Transfers für mindestens 20 Millionen Euro zählt „transfermarkt.de“ bis dato, mit Erling Haaland (für 75 Millionen Euro zu Manchester City) an der Spitze. Doch der von Jahr zu Jahr größer werdende Pool ablösefreier Spieler ist ähnlich spannend. Allein in der Bundesliga wechselte am Samstag in Niklas Stark (von Hertha BSC zu Werder Bremen) bereits der 27. Profi zum Nulltarif. Eintracht Frankfurt hat sich vier geholt, Union Berlin drei.

Während bei Gladbach nur die sechs Rückkehrer von Leihgeschäften aufgelistet werden, hat fast jeder Bundesligist mindestens einmal zugeschlagen. Von den Vereinen ohne echten Neuen hat der VfB Stuttgart bei Konstantinos Mavropanos und Hiroki Ito die Kaufoption gezogen, Bayer Leverkusen steht vor der Verpflichtung der Top-Talente Adam Hlozek und Mykhaylo Mudryk für deutlich mehr als 30 Millionen Euro. In Kürze könnte Borussia neben Hertha BSC als einziger Klub ohne Verstärkung dastehen. Und der Relegations-Teilnehmer hatte erst neun Tage später Planungssicherheit.

Durchaus interessante, passende und vor allem leistbare Profis sind schon gewechselt. Union holte Jamie Leweling von der SpVgg Greuther Fürth, der U21-Nationalspieler kostet vier Millionen Euro, Danilho Doekhi kommt ablösefrei von Vitesse Arnheim. Die TSG Hoffenheim sicherte sich bereits vor Wochen die Dienste von Unions Grischa Prömel gesichert, der wie St. Paulis Talent Finn Ole Becker nichts kostet. Bremen verpflichtete vor Herthas Stark schon Amos Pieper von Arminia Bielefeld. Mainz 05 nutzte bei Maxim Leitsch vom VfL Bochum, einem Linksfuß für die Innenverteidigung, eine Drei-Millionen-Klausel. 

Eine ungewöhnliche Entwicklung liegt hinter Eddie Nketiah vom FC Arsenal. Das Eigengewächs war vor kurzem noch entschlossen, eine neue Herausforderung zu suchen – Borussia galt neben Crystal Palace als heißer Anwärter. Nun hat der Stürmer es sich anders überlegt und wird langfristig verlängern bei Arsenal. Doch so dramatisch, wie manches sich liest, ist es längst nicht, Gladbach wird nicht abgehängt. Viele spannende Profis sondieren den Markt, zahlreiche Konkurrenten müssen ebenfalls erst einmal Einnahmen generieren, bevor sie einkaufen können.

An Isaak Touré vom französischen Zweitligisten AC Le Havre soll jetzt auch Eintracht Frankfurt interessiert sein. Der 2,04-Meter-Hüne steht ebenfalls auf der Scouting-Liste, die „Createfootball“ für unsere Redaktion erstellt hat. Allerdings haben die Transferexperten anhand der Daten des 19-jährigen Abwehrspielers noch Zweifel angemeldet, ob Touré sofort bereit wäre für die Bundesliga. Anders sieht es aus bei Anthony Rouault und Nathan N’Goumou, die mit dem FC Toulouse (Manu Konés Ex-Verein) aufgestiegen sind und von Borussia schon beobachtet wurden.

Seit der Parade-Transferperiode 2014 hat sich das Geschehen fast jährlich nach hinten verschoben. Lars Stindl (2015) und Tobias Strobl (2016) waren noch Neuverpflichtungen im März, 2017 eröffnete Michael Cuisance das Treiben am 9. Mai, 2018 kam Keanan Bennetts am 18. Mai. Sportdirektor Virkus wird sich bestenfalls am Vor-Corona-Sommer 2019 orientieren können: Da wurden die Top-Transfers zwischen Mitte Juni und Mitte August getätigt. Und auch wenn es anders wirkte, waren zumindest Breel Embolo, Marcus Thuram und Ramy Bensebaini keine Verpflichtungen, die vom neuen Trainer Marco Rose abhingen. Borussia hatte sie schon länger auf dem Radar. Vielleicht lindert diese Information ein wenig die Nervosität, die dennoch nur schwer zu ignorieren ist.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Transfer-Kandidaten für Borussia Mönchengladbach