Borussia Mönchengladbach: Mit Erdbeerkuchen zum Weltmeistertitel

Borussia Mönchengladbach : Mit Erdbeerkuchen zum Weltmeistertitel

Borussias sechster Weltmeister heißt Christoph Kramer. Was ist das für ein Mensch, der in einem Jahr vom Zweitligaspieler zum Weltmeister wurde? Eine Spurensuche in seiner Gladbacher Nachbarschaft.

Die Welt kennt ihn seit Sonntagabend als furchtlosen Ersatz für Sami Khedira. In seinem Viertel in Mönchengladbach hat Christoph Kramer einen ganz anderen Ruf. Die, die ihm im Alltag begegnen, beschreiben ihn als einen Menschen ohne Allüren. Ein sympathischer junger Mann, der sich für Musik interessiert und der eine Vorliebe für Kuchen hat. Und zwar mit extra viel Sahne.

"Christoph Kramer, das ist ein ganz Süßer", sagt Lucia Peltzer, Mitarbeiterin der Bäckerei Hendricks über den Gladbacher Weltmeister. Und das ist durchaus wörtlich zu verstehen. Zweimal die Woche habe der 23-Jährige in der Regel im Café an der Viersener Straße vorbeigeschaut. Jedes Mal bestellte er Kuchen. "Erdbeerkuchen oder auch gedeckter Apfelkuchen", sagt die Mitarbeiterin. Und zwar mit einer doppelten Portion Sahne und dazu Kakao. Zunächst habe sie gar nicht gewusst, wer da zum Kuchenessen gekommen ist, bis Kunden sie aufklärten. Angesprochen habe sie Kramer bislang nicht auf seinen Beruf als Fußballprofi. Beim nächsten Besuch wird das ändern. "Ich werde ihm zum Gewinn der Weltmeisterschaft gratulieren", sagt Lucia Peltzer.

Bald kann Kramer wieder Kuchen bei seinem Bäcker in der Nähe des Wasserturms kaufen. Foto: Reichartz,Hans-Peter (hpr)

Auf Glückwünsche kann sich Christoph Kramer auch einstellen, wenn er das nächste Mal den Kiosk am Wasserturm besucht. "Er ist einfach ein ganz netter Junge von nebenan", sagt Christiane Yavuz. Auch sie hat Kramer bislang nicht auf Fußball angesprochen, wenn er Kleinigkeiten im Büdchen besorgt hat. Schließlich wolle sie ihn nicht belästigen. Doch beim Gewinn des WM-Pokals hört die Zurückhaltung auf. Auch sie will dem Weltmeister von nebenan persönlich gratulieren. Allgemein nehme die Nachbarschaft die Anwesenheit des Profifußballers gelassen. Es seien auch nicht viele, die wüssten, dass sie im gleichen Viertel wie Christoph Kramer wohnen, erzählt Christiane Yavuz.

Dass Kramer in seinem Stadtteil weitgehend unbekannt ist, dürfte auch mit seinem unprätentiösen Auftreten zusammenhängen. Der 23-Jährige fällt nicht durch das zur Schau stellen von Luxus auf, wie manch anderer Bundesligaspieler. In seinem Account beim Internet-Bilderdienst Instagram präsentiert er sich meist gemeinsam mit Mannschaftskollegen. Ein Foto zeigt ihn beim Gitarrespielen.

Auch dies ist eine Leidenschaft, die einem Teil der Nachbarschaft bekannt ist, wie eine Anekdote belegt: Nicht weit entfernt von Kramers Wohnung hat die Band "Prophets of Presence" ihren Probenraum. Anfang Mai, wenige Tage vor einem größerem Auftritt, kamen die Bandmitglieder bei einer Zigarettenpause vor der Haustüre zufällig mit Christoph Kramer über Musik ins Gespräch. Die Jungs luden Kramer und seine Freundin spontan in den Proberaum ein, wo sie eines ihrer Stücke "unplugged" vorspielten. Nicht jeder von ihnen habe in dem Moment gewusst, dass sie vor einen Fußballer spielten, berichtet ein Bandmitglied.

Nach dem kurzen aber eindrucksvollen Auftritt im WM-Finale dürfte Kramer weit häufiger erkannt werden. Nachdem ihm in Brasilien schon Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundespräsident Joachim Gauck gratulierten, hat ihm gestern auch Gladbachs Oberbürgermeister Hans Wilhelm Reiners geschrieben. "Viele Bürgerinnen und Bürger unserer Stadt haben am Sonntagabend mitgefiebert und sich riesig gefreut, dass Sie, ein Spieler unserer Borussia, in der Startelf gestanden haben", schrieb Reiners. Anfang August will er ihm persönlich im Rathaus gratulieren.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Gladbacher Kramer feiert mit dem WM-Pokal

(RP)
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