„Möchte mehr Einsätze“ Ex-Borusse Cuisance vor Bayern-Abschied?

Schon bei Borussia Mönchengladbach legte Michael Cuisance ein auffälliges Verhalten an den Tag. Nun ist der Franzose mit seinen Einsatzzeiten nicht einverstanden und deutet einen Wechsel an. Gladbach könnte finanziell davon profitieren.

Michael Cuisance: Gladbach, Bayern usw. - seine Vita
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Das ist Michael Cuisance

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Foto: dpa/Sven Hoppe

Zweieinhalb Jahre nach seinem Wechsel von Borussia Mönchengladbach zum FC Bayern München lässt sich bilanzieren, dass sich der Transfer finanziell zwar für Michael Cuisance gelohnt haben mag, er aber nach wie vor kein gestandener Bundesliga-Profi ist und weiterhin damit leben muss, dass ihm nachgesagt wird, er hätte einen schwierigen Charakter.

Genau dem widerspricht der Franzose allerdings jetzt. „Ich bin kein Spieler, der Unruhe stiftet“, sagte Cuisance am Mittwoch gegenüber der „Bild“. Nach dem 4:0-Sieg der Bayern gegen den VfL Wolfsburg am vergangenen Wochenende war auf einem Foto zu sehen, wie Cuisance sein Aufwärm-Leibchen von der Ersatzbank aus in Richtung der Seitenlinie warf. Interpretiert wurde das als frustrierte Reaktion darauf, dass er nicht zu den Spielern zählte, denen Julian Nagelsmann im letzten Spiel des Jahres Einsatzzeiten gewährte. „Ich habe mein Leibchen nicht absichtlich in seine Richtung geworfen, um mich zu beschweren“, sagte Cuisance.

13 Einsätze für den deutschen Rekordmeister kommen bei ihm seit seinem Abgang aus Gladbach im Sommer 2019 zusammen, zur Startelf gehörte er dabei nur dreimal. Mangelnde Spielpraxis war der Grund, warum er in der vergangenen Saison an Olympique Marseille verliehen wurde. In seinem Heimatland kam er auf 30 Spiele und gewöhnte sich an regelmäßige Einsätze. Nagelsmann brachte ihn in dieser Saison hingegen nur in der ersten DFB-Pokalrunde beim 12:0-Sieg gegen den Bremer SV und am 16. Spieltag beim 5:0 gegen den VfB Stuttgart. Zufrieden ist Cuisance damit offensichtlich nicht. „In meiner Situation möchte ich mehr Einsätze“, sagte Cuisance fordernd und ließ durchblicken, dass er sich im Januar mit den Verantwortlichen des FC Bayern zusammensetzen werde, um nach einer Lösung zu suchen.

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Foto: AFP/UWE KRAFT

Ein Verbleib in München erscheint unwahrscheinlich, zumal Cuisance bei Nagelsmann aus sportlicher Sicht bislang keinen bleibenden Eindruck hinterlassen konnte. Bereits im September hatte sich Nagelsmann zur Trainingsleistung des Ex-Gladbachers geäußert, die ihn nicht dazu bewegt hätte, einen anderen Spieler für Cuisance aus dem Kader zu streichen. „Ich habe das Zeug dazu, regelmäßig bei einem Klub wie Bayern zu spielen“, sagte Cuisance. Schon bei Borussia war die Schnittmenge seiner Selbstwahrnehmung und der Eindruck, den die Klub-Verantwortlichen von seiner Leistung hatten, gering. Ein großes fußballerisches Talent bescheinigten sie ihm alle: Dieter Hecking, unter dem Cuisance als 18-Jähriger sein Bundesliga-Debüt gab, Marco Rose und Manager Max Eberl.

Doch sie forderten stets auch mehr Demut von Cuisance und die richtige Einstellung, die ein Jungprofi an den Tag legen sollte. Unter Rose, das ist auf Fotos zu sehen, trainierte Cuisance kurz vor seinem Wechsel zu den Bayern provokant mit offenen Schuhen. Ratschläge von erfahrenen Mitspielern wie Kapitän Lars Stindl oder Christoph Kramer, die versuchten, ihn in die richtige Bahn zu lenken, wollte Cuisance partout nicht annehmen.

Gemeinsam mit seinen Beratern hatte Cuisance, der seinen Vertrag bei Borussia zwischenzeitlich sogar um ein Jahr bis 2023 verlängert hatte, in Gladbach eine Einsatzgarantie gefordert – und das in seinem jungen Alter. Als Verhalten und Leistung gar nicht mehr zusammenpassten, nahm Borussia das Angebot des FC Bayern an. Cuisance wechselte mit 20 Jahren für eine Ablösesumme von rund zehn Millionen Euro an die Säbener Straße.

Ob er diesen Schritt heute bereut? „Aus meiner Sicht war es nicht zu früh. Ich bin für alles bereit. Bayern hat damals sehr viel getan, mich von einem Wechsel zu überzeugen. Ich habe mir natürlich mehr Einsatzzeiten erhofft - und bei meinem Wechsel auch fest daran geglaubt, dass ich regelmäßig spielen werde. Das hat leider nicht geklappt“, sagte Cuisance, der einen frühzeitigen Abschied aus München nicht ausschließt.

„Vielleicht muss ich einen Schritt zurück machen, um dann durchzustarten. Ich glaube immer noch fest daran, dass ich eine große Karriere machen kann“, sagte Cuisance. Verlässt er die Bayern endgültig, klingelt aufgrund einer Weiterverkaufsbeteiligung, die sich die Borussen vor zwei Jahren gesichert hatten, auch am Niederrhein die Kasse.

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