„Schlicht und ergreifend schäbig“ Borussias Fanprojekt-Vorstand rechnet mit Max Eberl ab

Mönchengladbach · Im Mai hatte das Gladbacher Fanprojekt noch einen Offenen Brief von Max Eberl, der bald zu RB Leipzig wechseln soll, veröffentlicht. Nun wählt der Vorstand des FPMG das gleiche Format, um hart mit Borussias Ex-Manager ins Gericht zu gehen. Die Umstände seines Rückzugs seien ein „Schauspiel“ gewesen.

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Foto: dpa/Uwe Anspach

Noch muss RB Leipzig mit Borussia Mönchengladbach eine Ablöse für Ex-Manager Max Eberl aushandeln, dessen knapp vier Jahre gültiger Vertrag seit einem Rückzug Ende Januar ruht. Aber es ist, wie der Vorstand der Fanprojekt Mönchengladbach Supporters Club (FPMG) in einem Offenen Brief an Eberl formuliert: „Die Spatzen pfeifen es ja schon von den Dächern.“ Heißt: Der 48-Jährige dürfte in den nächsten Monaten als Geschäftsführer Sport in Leipzig anfangen, wo seit der vergangenen Woche in Marco Rose ein weiterer Ex-Gladbacher den Job des Cheftrainers ausübt.

„Diese Entwicklung hat uns nicht sonderlich überrascht, das war ja schon Ende letzten Jahres hier in Mönchengladbach hinter vorgehaltener Hand das heißeste Gerücht überhaupt. Damals konnte es so wirklich keiner von uns glauben – wie oft hast Du uns jahrelang intern erzählt, wie wettbewerbsverzerrend dieses Konstrukt vorgeht und wie sehr wir alle dagegen zusammenhalten müssen“, schreibt der FPMG-Vorstand am Dienstag und erinnert an Eberls Worte auf dessen Abschieds-Pressekonferenz, als er die Berichte über ein mögliches RB-Engagement vehement dementierte. „Diese Spekulationen sind genau das, was mich krank macht“, sagte Eberl.

In diesem Bezug geht das Fanprojekt hart ins Gericht mit dem langjährigen Borussia-Sportdirektor: „Heute wissen wir nicht nur, dass es eben keine Gerüchte und deine Aussagen gelogen waren, sondern auch, dass dein Wechselwunsch zu diesem Konstrukt schon vor deinem öffentlichen Abgang feststand.“ Eberls letzten offiziellen Auftritt am 28. Januar bezeichnet der FPMG-Vorstand sogar explizit als „Schauspiel“. „Wir glauben einfach nicht mehr, dass Du uns gegenüber am Ende Deiner Amtszeit bei Borussia aufrecht und ehrlich gegenüber aufgetreten bist“, heißt es.

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Foto: Dirk PŠffgen/Dirk Paeffgen (dirk)

„Ich muss raus und muss auf den Menschen Max Eberl aufpassen“, hatte ein sichtlich mitgenommener Eberl erklärt und von Erschöpfung sowie Müdigkeit berichtet. Von einem Burnout und ähnlichen Erkrankungen war dabei nie wörtlich die Rede. „Und doch wusstest Du als medialer Profi, dass Dein Auftritt bei der abschließenden Pressekonferenz genau das in die Fußballwelt transportieren wird“, schreibt das Fanprojekt. Aufschrei und Mitgefühl seien groß gewesen. „Eigentlich zurecht: ein Mensch, der an einer psychischen Stresserkrankung leidet, braucht volle Unterstützung und braucht Hilfe von uns allen. Aber war das auch genauso wie im Januar von breiten Teilen der Öffentlichkeit laienmedizinisch antizipiert?“, heißt es weiter. Im Kontext eines möglicherweise schon lange im Raum stehenden Wechsels zu RB Leipzig sei dies laut FPMG-Vorstand „schlicht und ergreifend schäbig und ein Schlag ins Gesicht eines jeden tatsächlich von Burnout betroffenen Menschen“.

Eberl war in den Wochen nach seinem Rückzug verreist, sein Lebensmittelpunkt verlagerte sich in die Heimat seiner Lebensgefährtin Sedrina Schaller. Die Schweizerin hatte ihr Engagement als Teammanagerin bei Borussia nach wenigen Monaten beendet, kurz zuvor hatten Schaller und Eberl sich erstmals öffentlich als Paar gezeigt. Zuletzt wurden sie öfters bei Fußballspielen in der Schweiz gesehen.

Offizielle Statements von Eberl waren rar. Am 13. Mai, einen Tag vor dem letzten Bundesliga-Spieltag und der Trennung von Trainer Adi Hütter, veröffentlichte wiederum das Fanprojekt einen Offenen Brief, den Eberl in der Nacht zuvor per E-Mail geschickt hatte. „Es tut mir leid, dass ich im Januar diese radikale Entscheidung treffen musste. Aber für den Menschen Max Eberl, seine Seele und sein Innenleben war es unumgänglich“, schrieb er darin und ging ebenfalls auf die erwähnten Gerüchte ein: „Allerdings ist es sehr einfach, ich konnte einfach nicht mehr. Ich hoffe, ihr kennt mich und könnt all das Gerede richtig einordnen“, so Eberl.

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Foto: Jens Dirk Paeffgen/Jens Dirk Päffgen (jdp)

Dass er in Leipzig wieder mit Rose zusammenarbeiten würde, kann das FPMG ebenfalls nicht nachvollziehen. Der Trainer hatte nach anderthalb Jahren in Gladbach Anfang 2021 seinen baldigen Wechsel zu Borussia Dortmund verkündet, den eine Ausstiegsklausel ermöglichte. Gladbach verlor unter Rose die folgenden sieben Pflichtspiele und verpasste am Saisonende den Europapokal, was Eberl rückblickend als „größte Enttäuschung als Sportdirektor“ bezeichnete. Aus diesem Grund fragt der FPMG-Vorstand in seinem Offenen Brief: „Was ist das für eine Moral, wenn sein (Marco Roses, Anm. d. Red.) falscher Ehrgeiz Dein mühsam aufgebautes Haus der neuen erfolgreichen Borussia wie ein Kartenhaus zusammenfallen lässt, Borussia sogar in den Abstiegskampf stürzt und Dich dann ja auch von hier wegtreibt? Und jetzt ist alles vergessen und vergeben und das Traumduo arbeitet wieder zusammen?“

Die erstmals in dieser Form öffentlich gegen Eberl erhobenen Vorwürfen dürften die Stimmung vor dem Duell mit Leipzig am Samstag im Borussia-Park weiter anheizen. Die Webseite des Fanprojekts war zwischenzeitlich nicht erreichbar. Unsere Redaktion hat Eberl die Möglichkeit gegeben, persönlich Stellung zu nehmen, bislang hat er nicht geantwortet. Und was sagt der Verein? „Borussia Mönchengladbach äußert sich in der Angelegenheit nicht“, teilte ein Sprecher auf Anfrage mit.

Das FPMG äußert in seinem Schreiben abschließend großes Unverständnis für den womöglich schon bald feststehenden Wechsel nach Leipzig und verweist auf „die Bilder von deren Pokalsieg“ im Vergleich zu „unseren Bildern von Europapokalauswärtsspielen, mit der echten Emotion eines natürlich gewachsenen Vereins“. „Du wirst diese Emotion in Leipzig niemals spüren. Es werden kalte Siege werden, welche von Konsumenten und Kunden bejubelt werden“, heißt es.

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