Marcelo Pletsch: So eine Drogen-Geschichte gab es schon mal

Drogen-Vorwürfe gegen Marcelo Pletsch: Eine Geschichte, die es schon gab

Der Ex-Borusse Marcelo Pletsch sitzt in Brasilien wegen mutmaßlichen Drogenhandels im Gefängnis. Eine Geschichte, die man bei Borussia Mönchengladbach zu kennen glaubt. So war es auch beim Israeli Shmuel Rosenthal.

Zwischen 410 und 450 Gramm wiegt ein Bundesliga-Fußball. Um knapp 800 Kilogramm aufwiegen zu können, braucht es rund 1900 dieser Bälle. Nun, der frühere Borusse Marcelo Pletsch wäre wohl besser damit gefahren, eben diese Bälle zu transportieren, als fast 800 Kilogramm Marihuana. Die fanden Drogenfahnder auf dem Dach eines Lkw von Pletsch, 40. Er soll sogar Rädelsführer einer dreiköpfigen Bande sein. So berichtete im November 2015 eine Zeitung in Toledo, einer brasilianischen Stadt an der Grenze zu Paraguay. Seitdem sitzt Pletsch in Untersuchungshaft, ihm drohen mehrere Jahre Gefängnis.

Foto: Imago

Pletsch machte zwischen 1999 und 2005 142 Spiele für Gladbach in der Ersten und Zweiten Liga. Er wurde ob seines kantigen Körpers "Ikea, der Kleiderschrank", genannt. Dieser Spitzname hat es sogar in das Almanach "Fußball unser" geschafft. Quasi berühmt wurde der "Pletscher", wie der damalige Trainer Hans Meyer ihn nannte, unter anderem durch Meyers Spruch: "Dem bringe ich das Fußballspielen auch nicht mehr bei."

Pletsch war selbst auch verbal kein Kind von Traurigkeit. Weil er seinen Arbeitegeber am Ende öffentlich beschimpfte, wurde er suspendiert. Nach seiner Fußballerlaufbahn kümmerte er sich, so berichtete er in einem Interview, um seine Schweinefarm in seiner brasilianischen Heimat. "Er hat seine Zukunft frühzeitig organisiert, war klar aufgestellt, war ein witziger Typ, als er hier war, und hat auf dem Platz seinen Job gemacht", sagte Uwe Kamps, früher Teamkollege von Pletsch in Gladbach und nun Borussias Torwarttrainer. "Natürlich ist man erschrocken und überrascht, wenn ein ehemaliger Mitspieler in seiner Heimat im Gefängnis sitzt", sagte Kamps.

Bei Shmuel Rosenthal waren es am Ende 13 Jahre Haft

Ähnlich dürften sich einige Borussen aus den Zeiten der Fohlenelf gefühlt haben, als sie 1997 erfuhren, was einem gewissen Shmuel Rosenthal widerfahren war. Es ist ja bei einem Klub wie Borussia oft so, dass er ein Fundus ist für die vergleichende Fußballwissenschaft und es eine Geschichte schon mal gab. Sogar die von Pletsch ist kein Einzelfall. Denn schon einmal landete ein Ex-Borusse im Gefängnis: Rosenthal eben. Er wurde in seiner israelischen Heimat zu 13 Jahren Gefängnis verurteilt - weil er einer Kokainschmuggler-Bande angehörte. Dabei war Rosenthal vorher ein wichtiger Sport-Botschafter seines Landes gewesen. Er war der erste Israeli, der in der Bundesliga spielte.

"Ich habe die Türen für alle israelischen Fußballer geöffnet. Damals erlaubte es der israelische Verband nicht, ins Ausland zu wechseln. Man galt als Verräter und wurde ein Jahr gesperrt", sagt Rosenthal. 1968 spielte er mit Israel bei den Olympischen Spielen und 1970 bei der Weltmeisterschaft in Mexiko. Er entschied sich trotzdem für den Wechsel in die Bundesliga. Rosenthal machte aber nur 13 Spiele für Gladbach. "Es war die beste Zeit meines Lebens", sagte er dennoch später über die Zeit als Borusse.

Ein anderer Gladbacher, der wegen einer Drogengeschichte für Schlagzeilen sorgte, war der Niederländer Quido Lanzaat. Der kam mit 20 Jahren im Januar 2000 nach Gladbach. Beim Hallenpokal in München - Borussia gewann das Turnier - wurde bei ihm der Cannabis-Wirkstoff THC gefunden. Lanzaat wurde zunächst für zwei, dann für drei Monate gesperrt, und Borussia wurde der Hallentitel aberkannt.

(kk)
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