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Lars Stindl: Der andere Linksaußen - 200 in Gladbach vor Augen

Neue Rolle für Borussias Kapitän : Stindl peilt die 200 an - zur Not auch auf links

Lars Stindl hat in den vergangenen Jahren gar keine genaue Positionszuschreibung benötigt. Jeder kannte seine Rolle im offensiven Zentrum. Nun muss sich Borussias Kapitän unter Daniel Farke nach links orientieren. Was Stindl dazu sagt, zum nächsten Spiel und zur runden Zahl, die naht.

Lars Stindl begann seine Zeit bei Borussia Mönchengladbach auf der Doppelsechs, wanderte dann für zwei Spiele auf den rechten Flügel im 4-4-2, bevor er im letzten Spiel unter Lucien Favre sogar nur auf der Bank saß. Die Startschwierigkeiten waren jedoch schnell vergessen, vor genau sieben Jahren wurde Stindl unter André Schubert erstmals zum falschen Neuner, zur hängenden Spitze mit der überragenden rechten Innenseite. Seitdem hat der heute 34-Jährige gar keine genaue Positionszuschreibung mehr nötig, er hat – da vorne im offensiven Zentrum – eben zuverlässig sein Ding gemacht.

Nun muss sich Stindl im – bei allem Respekt – hohen Fußballeralter aber noch einmal umgewöhnen. Daniel Farke, sein sechster Gladbach-Trainer, hat ihn zum Linksaußen gemacht. „Auf der linken Seite ist es etwas ungewohnt für mich. Diese Position hat mir bei Borussia noch gefehlt“, sagt Stindl und grinst. „Grundsätzlich ist die Rolle absolut okay für mich, gerade wenn dort Not am Mann ist. Wenn auf links meine Fähigkeiten, die ich einbringen kann, gebraucht werden, versuche ich, sie dort umzusetzen.“ Er interpretiere die Rolle etwas anders als ein klassischer linker offensiver Mittelfeldspieler. Will heißen: „Ich versuche trotzdem oft, den Weg ins im Zentrum zu finden und von dort dem Spiel meinen Stempel aufzudrücken.“

Zuletzt gegen RB Leipzig hat das hervorragend geklappt. Seinen ersten Assist sammelte Stindl von halblinks im Anschluss an einen Eckball, Ramy Bensebaini verwertete den feinen Pass des Kapitäns. Wenn er schon selbst nicht in den angestammten Räumen unterwegs ist, schickt Stindl eben den Ball dorthin. Dennoch dürfte er in diesen Tagen etwas genauer hinsehen, wie Alassane Plea nach seinem Muskelfaserriss Fortschritte macht. Der Franzose fühlt sich auf Stindls Interims-Position am wohlsten, dessen Comeback könnte die Rückkehr in die Mitte ermöglichen – wo gegen Leipzig allerdings Christoph Kramer brillierte, der Mann, dessen Abgang Stindl im Sommer 2015 ursprünglich kompensieren sollte.

Es steht also eine spannende Entscheidung bevor: Bringt Farke in Stindl, Plea, Marcus Thuram und Jonas Hofmann die maximale offensive Qualität? Oder hält er an den drei ebenfalls harmonierenden zentralen Mittelfeldspielern Kramer, Manu Koné und Julian Weigl fest? Zumindest gegen Werder Bremen am 1. Oktober dürfte Pleas Fitnessrückstand dem Trainer noch die Aufstellung erleichtern. Stindls Lust auf die Reise ins Weserstadion ist bereits spürbar. „In Bremen waren es in der Vergangenheit immer geile Spiele, deswegen freue ich mich schon sehr auf diese Aufgabe. Es werden uns sicherlich auch wieder zahlreiche Fans dorthin begleiten, das macht es noch schöner“, sagt er. Gegen keinen anderen Verein hat Stindl in der Bundesliga häufiger gewonnen (zwölfmal) und gegen keinen häufiger getroffen (achtmal).

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Gegen Leipzig lief er zum 350. Mal im Oberhaus auf, zum 196. Mal für Gladbach. „Auf diese Zahl bin ich wirklich stolz. Mein nächstes Ziel ist jetzt, die 200 für Borussia voll zu machen – auch das würde mich mit Stolz erfüllen, so oft für diesen tollen Verein gespielt zu haben“, sagt Stindl. Fünf Teamkollegen – Patrick Herrmann, Yann Sommer, Tony Jantschke, Christoph Kramer und Nico Elvedi – haben die Marke bereits erreicht. Nachdem zwischen 1999 und 2017 kein Borusse die runde 200 feiern konnte, wird daran die personelle Kontinuität im Kader deutlich.

Stindl könnte die 200 am 22. Oktober gegen Eintracht Frankfurt erreichen, sofern er gesund bleibt. Seit seinem Syndesmosebandriss, der ihn 2018 wohl um die WM-Teilnahme brachte, ist der Angreifer durchaus vom Pech verfolgt. Zuletzt war er nach dem Pokalspiel gegen Oberachern für ein paar Wochen raus. „Aber ich habe das gut verkraftet und zum Glück auch nicht so viel verloren, weil ich recht schnell wieder trainieren konnte“, sagt er. Deshalb hat die Gesundheit wohl eine höhere Priorität als die Position.

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