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Borussia Mönchengladbach: Kruses Pfosten-Doppelpass und ein Auftakt "wie in alten Tagen"

Borussia Mönchengladbach : Kruses Pfosten-Doppelpass und ein Auftakt "wie in alten Tagen"

Max Kruse hat sich sein zweites Saisontor selbst aufgelegt, bekommt aber keinen Extra-Scorerpunkt für die Präzisionsarbeit beim 1:0 gegen den Hamburger SV. Derweil ist Borussias Saisonstart teilweise rekordverdächtig – dafür sorgt die Null bei den Niederlagen und die Zwei bei den Gegentoren.

Max Kruse hat sich sein zweites Saisontor selbst aufgelegt, bekommt aber keinen Extra-Scorerpunkt für die Präzisionsarbeit beim 1:0 gegen den Hamburger SV. Derweil ist Borussias Saisonstart teilweise rekordverdächtig — dafür sorgt die Null bei den Niederlagen und die Zwei bei den Gegentoren.

1.) Weiter ungeschlagen Dass zwei Künstler mit den Namen Ikke Hüftgold und Rick Arena den Soundtrack zum Gladbacher Saisonstart beisteuern, klingt zunächst nicht nach einem Qualitätsmerkmal. Aber die Zeile "So wie in alten Tagen, wir bleiben ungeschlagen" ihres von der Borussia einverleibten Ballermann-Hits passt wie seinerzeit ein Arango-Freistoß in den Winkel. Der VfL geht weiter ohne echtes Negativerlebnis durch diese Spielzeit. Neun Partien ohne Niederlage zum Auftakt — mehr waren es zuletzt 1975, als die Borussia im elften Pflichtspiel zum ersten Mal verlor. Der Vereinsrekord stammt aus dem Jahr 1970 (16 Spiele). Beide Male stand am Ende der Titelgewinn. Aber so genau muss man es mit dem "wie in alten Tagen" nun auch nicht nehmen.

2.) Alu-Doppelpass Den 1:0-Sieg gegen den Hamburger SV brachte Max Kruse mit einem bemerkenswerten Abstauber-Tor auf den Weg. Nachdem er die feine Flanke von André Hahn volley genommen hatte, spielte Kruse Doppelpass mit dem Pfosten. Den dritten Assist im dritten Spiel bekam er trotzdem nicht gutgeschrieben. Aber zwei Tore und zwei Vorlagen können sich auch sehen lassen für den 26-jährigen Vielleicht-bald-ja-wieder-Nationalspieler.

3.) Remis-Demmi-Liga Selten hat sich die Drei-Punkte-Regel so gelohnt wie an den ersten fünf Spieltagen dieser Saison. 19 von 45 Partien endeten bislang unentschieden, macht 42 Prozent. In den vergangenen acht Jahren lag die Remis-Quote stets zwischen 21 und 28 Prozent. Mit drei Unentschieden ist die Borussia vorne dabei, muss sich aber nicht unbedingt grämen, dass es nicht öfter so minimalistisch-gut lief wie am Mittwoch gegen Hamburg. Der Ausgleich gegen Stuttgart gelang in der 90. Minute, in Freiburg schossen die Gastgeber einen Elfmeter über das Tor und das Derby in Köln war auf dem Rasen ereignislos wie selten in der Historie.

4.) Auf Nummer sicher Mitunter sind die Torschüsse, die den Kasten verfehlen, die gefährlicheren. Auch davon hatte der Hamburger SV nicht allzu viele im Borussia-Park. Dass die Statistik wenigstens einen einzigen Schuss auf das Tor von Yann Sommer verzeichnet, hat die Statistik (und auch der HSV) dem Schweizer Keeper zu verdanken. Der ging bei Matthias Ostrzoleks Schuss in der zweiten Halbzeit, der wohl vorbeigegangen wäre, auf Nummer sicher und klärte unkonventionell zur Ecke.

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5.) Hinten dicht Diese Art der Selbstbeschäftigungs-Therapie hatte neben der schwachen Hamburger Offensive noch einen anderen Grund — oder vielmehr vier. Denn Borussias Viererkette erledigte ihren Job tadellos. Alvaro Dominguez spielt auf links einen Benedikt-Höwedes-WM-Verschnitt mit respektablem Offensivdrang. Innen ist Martin Stranzl der drittbeste Zweikämpfer der Liga, Tony Jantschke liegt auf Platz neun. Und Julian Korb kann die starke Bilanz von 27 Bundesligaspielen mit nur 24 Gegentoren vorweisen. Lediglich zwei hat die Borussia in den ersten fünf Bundesligaspielen hinnehmen müssen — das schaffte sie bisher nur in der Saison 1970/71. Negativrekord sind die 17 Gegentreffer aus den ersten fünf Spielen 2010/11, ein 0:7 in Stuttgart lässt grüßen.

6.) Kein Liebling an der Pfeife Deniz Aytekin zählt bei den Fans zwischen Hamburg und München nicht zu den beliebtesten Schiedsrichtern. Davon zeugten im Borussia-Park die Pfiffe, als nur der Name des 36-Jährigen verlesen wurde. Die Ansetzung Aytekins am Mittwoch sorgte für ein Deja-vu: Bereits vor zwei Jahren hatte er unter der Woche Gladbachs Heimspiel gegen den HSV gepfiffen, das nach dem ersten Spieltag in der Europa League stattfand. Damals flog Martin Stranzl wegen einer fragwürdigen Notbremse vom Platz. Diesmal waren allenfalls einige der ungewöhnlich vielen Fouls des VfL fragwürdig (20), zuvor waren es nie mehr als 13 gewesen in dieser Saison. Richtig von Belang war jedoch keine strittige Szene.

7.) Immer unter 90 Dass Branimir Hrgota seinen Bundesligarekord gegen Hamburg ausbauen könnte, stand bereits eine Stunde vor dem Anpfiff fest. In der Startelf stand der Schwede nicht, also würde er auch im 48. Anlauf nicht über 90 Minuten auf dem Platz stehen. In der Schlussphase kam Hrgota zum 41. Mal als Joker rein. Bis zum Derby in Köln war der Hoffenheimer Sven Schipplock der Rekord-Nicht-Durchspieler. Dabei hätte es Hrgota beinahe in seinem ersten Bundesligaspiel von Beginn an geschafft — doch da musste er ja drei Tore in Mainz erzielen, was ihm fünf Minuten vor Schluss einen Abgang mit stehenden Ovationen im Gästeblock bescherte.

8.) Aufgalopp auf dem Videoscreen Lang, lang war es her, dass dieses Geräusch durch den Borussia-Park schallte — das Fohlen-Wiehern, wenn in einem anderen Stadion ein Tor gefallen ist. Joselu von Hannover 96 sorgte am Mittwoch für das Revival und für großen Jubel, weil er dem 1. FC Köln das erste Gegentor der Saison zugefügt hatte. Es kann jedoch noch bis zum 22. November dauern, bis mal wieder ganz klassisch an einem Samstag zwischen 15.30 und 17.15 Uhr gewiehert wird.

9.) 44.175 Es war Mittwoch, der erste richtige Herbst-Spieltag bei — wie der Niederrheiner sagt — usseligem Wetter, der Gegner auch nicht mehr so anziehend wie in besten Tagen und zudem sind Heimspiele der Borussia momentan keine Rarität. Da kann es schon einmal vorkommen, dass nur 44.175 Menschen ins Stadion gehen. Zuletzt sahen am 28. November 2012 gegen den VfL Wolfsburg weniger Fans ein Bundesliga-Heimspiel der Borussia (40.165). Insgesamt war es gegen Hamburg der viertschlechteste Besuch in 62 Heimspiele der Lucien-Favre-Ära.

10.) Was kostet eine Choreo? Was man vor 39.128 Zuschauern auf die Beine stellen kann, hat jedoch das Spiel gegen den FC Villarreal gezeigt. Zum Auftakt der Europa-League-Gruppenphase beeindruckte die Nordkurve mit einer Choreo, die die Gladbacher Ultras kurzfristig organisiert hatten. Jetzt haben sie auf ihrem Blog haargenau aufgelistet, was solch ein Spaß eigentlich kostet und wie viel Pappe man benötigt, um die gesamte Kurve in Schwarz-Weiß-Grün zu hüllen. Unterm Strich: 3786,94 Euro.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Gladbach - Hamburg: Einzelkritik

(jso)