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Jonas Hofmann im Interview: "Manchmal muss man egoistischer sein"

Jonas Hofmann im Interview : "Das Auge nach oben ist jetzt weiter offen"

Laszlo Bénes war der Mann des Abends gegen Hertha BSC . Der Startelf-Debütant erzielte mit einem beherzten Schuss das 1:0-Siegtor. Jonas Hofmann hätte ihm indes den Rang ablaufen können.

Schon nach nicht ganz einer Minute hatte er die erste Großchance, spielte aber ab, statt zu schießen. Nach der Pause traf er binnen einer Minute zweimal den Pfosten. Über seine "Knapp-vorbei-Woche", Kaltschnäuzigkeit vor dem Tor und das Derby gegen Köln sprach Karsten Kellermann mit Jonas Hofmann.

Herr Hofmann, wollten Sie gegen Hertha kein Tor machen?

Hofmann (lacht) Ich glaube, für mich war das Tor in dem Spiel verbarrikadiert. Innerhalb von so kurzer Zeit zwei Pfostenschüsse — das hatte ich auch noch nicht. Wenn ich es mir hätte aussuchen können, wäre lieber der zweite Schuss reingegangen, das wäre das schönere Tor gewesen. Aber am Ende zählt, dass wir drei Punkte haben. Da kann ich auch fünfmal gegen den Pfosten schießen, wenn wir gewinnen. Wir sind überglücklich über die drei Punkte.

Am Ende musste aber gezittert werden, weil es nur 1:0 stand.

Hofmann Das ist richtig. Da hätten wir nochmal bitter bestraft werden können für die vergebenen Chancen bei unseren Kontern. Es gab sicherlich in dieser Saison Phasen, da hätten wir das Ding sicher noch kassiert. Aber so hatten wir das Glück, dass er nicht reingeht. So haben wir uns Luft nach unten verschafft, weil sich der Abstand vergrößert hat. Und das kleine Auge, das wir nach oben haben wollen, ist weiter offen nach diesem verdienten Sieg.

Warum haben Sie sich in der ersten Minute nicht getraut, selber zu schießen?

Hofmann Getraut würde ich nicht sagen. Ich habe im Augenwinkel ein weißes Trikot gesehen und gedacht, dass Thorgan besser postiert ist. Er hat nachher gesagt, dass er gar nicht mehr damit gerechnet hat, dass ich noch querlege, weil man normalerweise aus der Distanz direkt den Abschluss sucht. Linker Fuß, kurze Ecke, rein — dann wäre das Spiel vielleicht noch früher in unsere Richtung gegangen. Aber was soll ich sagen: Hauptsache wir haben gewonnen.

Es ist für Sie eine Woche, die im Zeichen knapper Situationen steht. Am Montag haben Sie bei Instagram ein Foto Ihrer Darts-Scheibe gepostet. Zwei Pfeile steckten in der dreifachen 20, einer knapp darunter. "So nah dran an der 180 war ich noch nie", stand unter dem Foto.

Hofmann Ah, das haben Sie gesehen? Aber in beiden Fällen gilt: Ich muss einfach weitermachen. Ich habe den Ehrgeiz, beim Darts mal die 180 zu werfen und natürlich im Fußball solche Chancen künftig zu nutzen. Vielleicht fehlt ein Tick mehr Überzeugung, einfach mal abzuschließen. Manchmal ist es auch ganz gut, vor dem Tor etwas egoistischer zu sein, gerade bei solchen Chancen.

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Was die Entschlossenheit beim Torschuss angeht, können Sie beim Kollegen Laszlo Bénes nachfragen. Der hat Ihnen vorgemacht, wie es geht.

Hofmann Stimmt. Er hat die Kaltschnäuzigkeit vielleicht schon mehr drin als ich.

Was für ein Typ ist er?

Hofmann Als er zu uns kam, hat man gemerkt, dass er ein bisschen braucht, sich an alles zu gewöhnen. Mittlerweile trainiert er richtig gut mit und hat sich die Chance, die er nun bekommen hat, redlich verdient. Wenn man dann beim Startelfdebüt gleich das 1:0-Siegtor macht, ist es perfekt. Er wird wohl am Mittwoch mit einem ganz dicken Lächeln im Gesicht eingeschlafen sein.

Was zeichnet Bénes aus?

Hofmann Stärken hat er ganz viele. Wenn er sein Talent weiter ausschöpfen kann, kann er den gleichen Weg wie Mo Dahoud einschlagen und eine schöne Karriere machen. Er hat einen extrem guten Abschluss vor dem Tor und einen sehr guten linken Fuß, das gibt es ja auch nicht so oft in der Bundesliga. Man hat aber auch gesehen, dass er in manchen Szenen noch ein wenig naiv spielt. Manchmal muss man den Ball mehr halten und nicht gleich den direkten Pass spielen.

Mit dem Sieg gegen Berlin ist Borussia passend zum Derby dran am 1. FC Köln. Vier Punkte sind es nur noch …

Hofmann Man hat es ja am Banner der Fans gesehen, worum es geht: ,Nur der Derby-Sieg zählt.‘ Wir wissen, worauf des am Samstag ankommt. Es knistert schon und wir wollen natürlich versuchen, das Derby zu gewinnen.

Dann würde das von Ihnen angesprochene "kleine Auge nach oben" etwas größer werden?

Hofmann Für mich hat sich da nicht viel verändert, ich bleibe beim Blick nach oben lieber etwas demütiger. Aber natürlich ist das Auge nach oben nie ganz zu gewesen. Das muss mit unserer Qualität so sein. Durch den Sieg gegen Hertha können wir etwas mehr darauf spekulieren, unsere Ziele noch zu realisieren. Aber wir sollten nicht darüber quatschen, sondern die Ruhe bewahren und weiter unseren Job auf dem Platz machen. Sprich: Den Derby-Sieg holen. Die Hinspiel-Niederlage war ja sehr bitter, wenn es jetzt anders herum läuft, nehme ich das gerne.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Das ist Jonas Hofmann