Borussia Mönchengladbach: Jantschke: "Danke für den Hexenkessel"

Borussia Mönchengladbach : Jantschke: "Danke für den Hexenkessel"

Borussias Fans gaben im Europa-League-Spiel gegen Sevilla alles für das Weiterkommen. Auch, als das Aus feststand, sangen sie weiter. Nicht nur das Stimmungs-Epizentrum, die Nordkurve, machte mit, sondern das gesamte Stadion.

Tony Jantschke war verblüfft. Der Arbeitstag des Rechtsverteidigers war schon vorbei, er saß neben dem Kollegen Havard Nordtveit auf der Ersatzbank. Und er staunte. Der Borussia-Park sang. Die Nordkurve des Mönchengladbacher Stadions war ein Meer aus schwarz-weiß-grünen Fahnen. Und das, obwohl der FC Sevilla gerade das 3:2-Siegtor erzielt und damit Borussias Aus in der Europa League besiegelt hatte. "Ich dachte mir in dem Moment: Das gibt es auch nicht so oft, wie unsere Fans reagieren", berichtete Jantschke später. Es war ein großer Europapokal-Abend, zwar einer ohne das erhoffte glückliche Ende für die Gladbacher, aber einer, der ein faszinierendes Spiel bot - und das in einer herrlichen Fußballatmosphäre. "Danke für den Hexenkessel im Borussia-Park", schrieb Jantschke auf Facebook.

"Wir haben eine gute Europa League gespielt", fasste Trainer Lucien Favre zusammen. Ein Resümee, das auch für die Fans gilt. Zu den Heimspielen kamen im Schnitt mehr als 42.000 Fans, 45 337 waren es nun gegen Sevilla. Tausende reisten zudem mit zu den Spielen in Sarajewo, Villarreal, auf Zypern, Zürich und Sevilla. "Ob viele tausend Auswärtsfans in Zürich oder gigantische Atmosphären bei Heimspielen - danke für eine geile Europa League Saison Borussia Mönchengladbach, ihr habt die deutsche Fankultur mehr als würdig vertreten und erhobenen Hauptes die Europa League verlassen", gab es auch Lob von der Facebook-Seite "Traditionsvereine" für den Auftritt der Gladbach-Fans.

Die Borussen hatten sich die Unterstützung der Fans gewünscht, und sie bekamen sie. Von der ersten Minute an war der Geräuschpegel im dunkelroten Bereich. Zwar drückte das schnelle 0:1 kurz auf die Pause-Taste, doch dann ging es wieder los. "Auf geht's Gladbach, schieß ein Tor", das war der Schlager des Abends. Zwei gab es, doch das waren, angesichts der drei Sevilla-Treffer, drei zu wenig. Den Ball ins Tor zu singen, das ist nun mal schwierig, doch versucht haben es die Gladbach-Freunde allemal.

Die Choreo mit dem Fahnenmeer vor und nach dem Spiel kam gut rüber, eine ähnliche Schau hatte es 2013 in Rom gegeben. Es war eine Darbietung ohne Schnick-Schnack, das hatte Charme. Die Präambel des Spiels verband Lokal-Kolorit mit großen Träumen: "Derbysieger sind wir schon, jetzt holt euch Europas Thron", stand auf dem Plakat, das die Nordkurve ausgehängt hatte. Die Fans taten alles dafür, dass der Traum vom Finale in Warschau weiterging. Als er vorbei war, ließen sie Trauer einfach nicht zu, sie sangen sie schlicht weg. "Europa, wir kommen wieder", das war die Botschaft.

"Gänsehaut pur" erlebten viele Fans, und alle waren "stolz, ein Teil davon zu sein", wie in diversen Internetforen zu lesen war. Imposant war, dass nicht nur das traditionelle Epizentrum der Stimmungsmache, die Nordkurve, mitmachte, sondern das gesamte Stadion. Das gab es im Borussia-Park zuvor nur in der Relegation gegen Bochum. Dass es letztlich ein tragisches Ende gab, war für manchen sogar historisch wertvoll. "Erfolg kann jeder, aber unberechtigte und unschöne Niederlagen kann nur Borussia. Ich bin froh, dass der Borussia-Park nun endlich ein solches Spiel unserer Mannschaft erlebt hat und wir nicht immer nur über die Bökelberg-Spiele gegen Inter, Everton oder Liverpool sprechen müssen", schrieb "Fear Gel" bei Facebook.

(RP)
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