„Unerwartet im Hexenkessel“ Olschowsky blickt mit gemischten Gefühlen auf sein Borussia-Debüt

Mönchengladbach · Zwei frühe Gegentore kassierte Jan Olschowsky bei seinem Bundesliga-Debüt in Bochum. Gladbachs Trainer Daniel Farke zeigte sich zufrieden mit der Leistung des 20-Jährigen, der am Freitag gegen den BVB erneut im Tor stehen könnte. Auch Olschowsky selbst äußerte sich nach dem 1:2 zu seiner Premiere.

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Foto: AFP/UWE KRAFT

Spätestens, als Jan Olschowsky am Dienstagabend mit dem Aufwärm-Programm im eigenen Sechzehner startete, wird ihm bewusst geworden sein, dass dies kein normaler Abend für ihn werden würde. „Jan Olschowsky, Jan Olschowsky!“, hallte es um kurz vor 20 Uhr aus dem Gästeblock, aus dem die bereits anwesenden Borussia-Fans ihrem Torwart vor seinem ersten Bundesliga-Spiel mit Sprechchören die volle Unterstützung zusicherten. Für Gladbachs Torhüter wurde es gegen den VfL Bochum (1:2) letztlich ein Auf und Ab der Gefühle.

Die Anspannung vor der Partie dürfte sich nach den beiden Gegentoren binnen zwölf Minuten schnell in Enttäuschung verwandelt haben. „Das tut mir sehr leid, wenn so ein junger Kerl sein Debüt hat und so früh zweimal den Ball aus dem Tor holen muss“, sagte Christoph Kramer. Doch für Olschowsky galt es, nach den Rückschlägen zu Beginn des Spiels die Konzentration weiter hochzuhalten. Mit zunehmender Spielzeit fand das Eigengewächs der Gladbacher mit dem Ball mehr und mehr in die Partie, wurde mutiger, coachte seine Mitspieler und beobachtete von hinten, wie Borussia bei seinem Debüt beinahe doch noch einen Punkt ergattert hätte.

Nach dem Abpfiff gab Olschowsky einen Einblick in seine gemischte Gefühlswelt. „Ich bin erst mal froh über mein Debüt“, sagte Olschowsky. „Aber auch traurig, weil wir das Spiel verloren haben. Es war am Ende sehr unglücklich, finde ich.“ Auf 53 Ballkontakte und 44 Pässe kam der 20-Jährige am Ende. Dass er dabei 13 Zuspiele nicht zu den eigenen Mitspielern brachte, lag in erster Linie daran, dass er häufig zu langen Bällen gezwungen wurde, weil ihm schlichtweg die Anspielstationen fehlten.

„Für einen so jungen Kerl ist es nicht einfach, wenn er total unerwartet in so einem Hexenkessel seinen Mann stehen muss. Er war an beiden Toren überhaupt nicht beteiligt“, sagte Gladbachs Trainer Daniel Farke. Beim 0:2 gab es ein Missverständnis zwischen Olschowsky und Nico Elvedi, der den Ball blind zurück in die Mitte spielte, wo Philipp Hofmann den Ball erlief und ihn ins leere Tor schob. „Da bin ich total unzufrieden mit dem, was wir um Jan herum gemacht haben“, sagte Farke und bescheinigte Olschowsky ein „richtig gutes Debüt“.

Der Keeper musste jahrelang auf seinen ersten Einsatz warten, denn obwohl er bereits als 16-Jähriger bei den Profis mittrainieren durfte, hatte er bislang lediglich Spielpraxis in der U23 gesammelt. Hinter Yann Sommer, Tobias Sippel, Moritz Nicolas und Jonas Kersken war Olschowsky zu Beginn der Saison sogar als Nummer fünf ins Rennen gegangen. Aufgrund der Verletzungen von Sommer und Sippel und den Leihen von Nicolas (Roda Kerkrade) und Kersken (SV Meppen) eröffnete sich Olschowsky am Dienstag die Chance, auf die er seit seinem ersten Borussia-Training in der U9 hingearbeitet hatte.

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Bochum - Borussia: die Fohlen in der Einzelkritik

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Foto: dpa/Bernd Thissen

Gemeinsam mit U19-Torhüter Florian Dimmer (17) und U17-Keeper Tiago Pereira Cardoso (16) dürfte er vor dem Spiel in Bochum sogar das jüngste Torwart-Trio eines Bundesligisten gebildet haben. Maximilian Brüll (20) hätte eigentlich auf der Bank sitzen sollen, war nach dem 4:2-Sieg der U23 gegen den SV Lippstadt am vergangenen Wochenende allerdings angeschlagen.

Schon am Freitag könnte Olschowsky gegen den BVB (20.30 Uhr, Dazn und Sat.1) erneut im Tor stehen. Sippel fehlte in Bochum aufgrund einer Entzündung im Adduktorenbereich, bei Sommer könnte die Zeit bis zum Dortmund-Spiel ebenfalls nicht reichen. „Mal gucken, wie sich die Situation bis Freitag verhält. Ich hätte aber gar kein Problem damit, Jan gegen Dortmund im Tor stehen zu haben“, sagte Farke. Diese Worte dürfte Olschowsky gerne hören – und mit etwas Abstand stolz über das sein, was er am Dienstag geleistet hat.

„Das erste Spiel zu machen ist immer etwas Besonderes. Ich glaube, dass er irgendwann positiv auf das Spiel zurückschauen kann, auch wenn es ein Scheiß-Ergebnis ist“, sagte Kramer. Olschowsky hätte sicher nichts dagegen, bereits am Freitag wieder im Tor stehen zu dürfen. Eines hat er sich aber in jedem Fall gesichert: Bald wird auch er sein Trikot im Kabinentrakt der Profis aufhängen dürfen.

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