Borussia Mönchengladbach In Sarajevo ist die internationale Bühne baufällig

Sarajevo · Das Stadion "Asim Ferhatovic Hase" hat schon bessere Tage gesehen. Die Arena ist, wie viele Bauwerke in Sarajevo, stellenweise noch gezeichnet vom Krieg, in dem es fast keinen Tag gab, an dem in der bosnischen Hauptstadt nicht geschossen wurde.

 Das Stadion in Sarajevo sieht nicht nach Europapokal aus.

Das Stadion in Sarajevo sieht nicht nach Europapokal aus.

Foto: dpa, fd sam

Beim Rundgang durch das Stadion kann dem Besucher auch mal eine Ratte über den Weg laufen. Die Toilettenanlagen sind — nun ja, anders. Nichts ist hier zu sehen vom Glanz der Fußball-Kathedralen Europas. In Sarajevo ist die internationale Bühne baufällig.

"Das Stadion ist es schon recht abenteuerlich", gesteht Thomas "Tower" Weinmann, Borussias Fanbeuaftragter. "Das ist Old-School. So war es auch im DFB-Pokal in Homburg — aber das in Sarajevo ist noch mal eine ganz andere Qualität. Hier ist wirklich seit 30 Jahren nichts passiert", sagt Weinmann. Doch wenn heute Abend um 20.45 Uhr das Europa-League-Play-off zwischen FK Sarajevo und den Borussen angepfiffen wird, dann wird das Stadion aufleben. Zum ersten Mal seit elf Jahren werden fast alle der 34.600 Plätze besetzt sein — und die Fans am Balkan sind heißblütig. "Ich denke, uns erwartet eine südländische Atmosphäre, die werden schon ziemlich laut sein", sagt Weinmann.

Doch er vermutet auch, dass nicht wenige so genannte "Event-Fans" aus der Stadt da sein werden. "Viele werden seit 20 Jahren nicht im Stadion gewesen sein. Das ist jetzt ein Highlight-Spiel, da muss man dann hin", sagte Weinmann. So oder so: Die Fans des Heimklubs FK Sarajevo werden deutlich in der Überzahl sein. 1000 Borussen-Fans sind nach Sarajevo gereist, um ihr Team zu unterstützen. "Sie sollten auch mutig sein und laut singen", sagt Weinmann.

Mancher Gladbach-Fan hat sich sehr gefreut über das doch recht exotische Los, mehr sogar, als er es über Arsenal London und einen Besuch im Highbury-Stadion getan hätte. "Hier ist jetzt der harte Kern der Fanszene. Und da haben sich viele gerade solche Gegner gewünscht, mache hätte es lieber sogar noch weiter weg gehabt, zum Beispiel Aserbaidschan", berichtet Weinmann. Der Grund: "Die Fans wollen dabei sein, gerade weil nicht so viele Borussen hier sind wie anderswo. Es ist etwas exklusiver, da sagt man später: Ich war dabei. Für die Fans sind solche Spiele etwas Besonderes. Arsenal kann ja jeder", erklärt Weinmann.

Reisen wie die nach Sarajevo sind der Stoff, aus dem Fan-Legenden werden: "Weißt du noch…?" Doch der Trip ist nicht nur wegen des Fußballs reizvoll. "Es ist eine Stadt, in der drei oder vier Kulturen auf engstem Raum zusammenleben und miteinander klarkommen. Man nimmt hier viele Eindrücke mit. Viele haben vielleicht gedacht, hier liegt noch alles in Trümmern. Aber das ist keineswegs so", sagt Weinmann. Er wünscht sich natürlich, dass die Erlebnisse garniert werden, mit einem Erfolg der Borussen. "Es wird sicher nicht leicht, aber ich gehe mal davon aus, dass wir stark genug sein sollten, das zu schaffen. Für die Fans ist aber nicht das Hinspiel das entscheidende, sondern das in einer Woche im Borussia-Park", weiß Weinmann.

Das schmucke Eigenheim der Borussen soll dann der Ort sein, an dem der Einzug in die Gruppenphase der Europa-League klar gemacht wird. Die Basis indes muss das Team von Trainer Lucien Favre in einem Stadion legen, das auf ganz besondere Weise Europapokal-Flair verströmt.