Interview mit "Hacki" Wimmer "Ich bin gerne für meinen Freund Günter gerannt"

Mönchengladbach · Er war in der großen Fohlenelf Netzers "Wasserträger". Am 9. November wird Herbert "Hacki" Wimmer 70 und hat wieder viel Freude an "seiner" Borussia.

 Herbert "Hacki" Wimmer feiert am Sonntag seinen 70. Geburtstag.

Herbert "Hacki" Wimmer feiert am Sonntag seinen 70. Geburtstag.

Foto: Dieter Wiechmann

Hallo Herr Wimmer, es steht ja am 9. November ein großer Geburtstag an, Sie werden 70. Was machen Sie denn am kommenden Sonntag?

Wimmer Ich werde zu Hause in Aachen mit meinen Kindern Carsten und Claudia und den Enkelkindern ein Tässchen Kaffee trinken und ein Stückchen Kuchen essen, große Feiern waren ja noch nie mein Ding, aber diesmal steht mir überhaupt nicht Kopf danach, schließlich ist meine liebe Frau Renate erst vor ein paar Wochen gestorben.

Wie kann man so einen Schicksalsschlag nach 42 gemeinsamen Jahren Ehe verkraften?

Wimmer Sehr, sehr schwer, meine Frau hatte monatelang tapfer gegen den Krebs gekämpft, aber dann doch verloren. Jetzt muss es irgendwie weiter gehen, ich bin kürzlich mit einem Freund nach Bremerhaven gefahren, um dort am Meer zu wandern, hier zu Hause fahre ich viel mit dem Fahrrad, um mich abzulenken.

Freude bereitet Ihnen derzeit ja wenigstens ihre Borussia - oder?

Wimmer Ja, das stimmt, ich fahre mit meinem Sohn Carsten zu jedem Heimspiel in den Borussia-Park und ich muss sagen, es macht einfach Spaß, die Jungs spielen zu sehen. Ich glaube, sie werden die ganze Saison über oben mitmischen, davon hätte man vor drei, vier Jahren nur träumen können, ein großes Kompliment an Trainer Lucien Favre er leistet eine herausragende Arbeit.

Unterstützt von Sportdirektor Max Eberl.

Wimmer Ja, das gleiche gilt auch für Max, er wirft nicht mit den Millionen nur so um sich, sondern holt für wenig Geld, ganz hervorragende Spieler nach Gladbach, die sportlich und menschlich zu uns passen. Ich sage nur: Kruse, Raffael, Hahn, Kramer, Sommer usw.

Sie haben alles gewonnen, wurden Welt- und Europameister, fünfmal Meister mit der Borussia, was war denn eigentlich ihr schönstes Fußball-Erlebnis?

Wimmer Das war ganz klar das Pokal-Finale 1973 gegen Köln. Ich war im Vorfeld verletzt war, lange um diesen Einsatz zittern musste, aber dann doch noch rechtzeitig fit wurde und unsere Fohlenelf sogar als Kapitän auf das Feld führen durfte. Als dann der Lange, wie wir Günter Netzer nannten, sich in der Nachspielzeit selber einwechselte und unser Siegtor schoss, kullerten sogar ein paar Freudentränen bei mir.

Sie haben sich seinerzeit für Regisseur Günter Netzer die Haxen abgelaufen, mussten bereits sechsmal an den Hüften operiert werden?

Wimmer Ich bin gerne für meinen Freund Günter gerannt, er war schließlich das Genie und ich der Arbeiter.

Und Sie waren ein preisgünstiger Malocher.

Wimmer Als ich 1966 von Borussia Alemannia Brand nach Gladbach gewechselt bin, habe ich 1200 Mark Gehalt bekommen, das sind heute 600 Euro, dafür machen die aktuellen Bundesligastars heute nicht mal eine Autogrammstunde, aber ich war immer glücklich und zufrieden.

Für diese Bescheidenheit und ihren großen Fleiß lieben und verehren Sie die Fans heute noch, feiern Sie mit Sprechchören, wenn sie ins Stadion kommen.

Wimmer Das tut wirklich sehr gut, dass man in Mönchengladbach die alten Kämpfer noch nicht vergessen hat, ich freue mich auf jedes Spiel im Borussia-Park.

Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort