Borussia Mönchengladbach: Herrmann hat Favres neuen Ansatz "intus"

Borussia Mönchengladbach : Herrmann hat Favres neuen Ansatz "intus"

Flügelspieler Patrick Herrmann leitete mit einem schönen Pass in den Lauf von Oscar Wendt das einzige Tor im Spiel gegen den SC Freiburg ein. Trainer Lucien Favre gefiel der Spielzug, den Raffael erfolgreich abschloss.

Geduldig sein, heißt manchmal auch ertragen. Die Aufgabe der Borussen war es gestern gegen den SC Freiburg, der sich in den vergangenen Wochen wieder eine brauchbare defensive Sicherheit erarbeitet hat, geduldig zu sein, den Ball zirkulieren zu lassen bis, ja bis die nötige Lücke gefunden wird. Minutenlang lief der Ball durch die Gladbacher Reihen, hin und her, vor, und, wenn es nötig war, auch zurück zu Torhüter Marc-André ter Stegen. Das muss der Fan ertragen, denn es ist wenig emotional. So war es zeitweise seltsam ruhig gestern Abend im Borussia-Park. Umso lauter wurde dafür das Siegtor durch Raffael gefeiert. Geduldig sein heißt auch: sich etwas verdienen.

Mehr als 70 Prozent Ballbesitz hatten die Borussen zeitweilig, 63 Prozent im Schnitt, und Ballbesitz ist im modernen Fußball nicht wirklich spektakulär, das wird er erst, wenn es zur finalen Aktion kommt. Juan Arango machte in der 27. Minute den Weg frei für Patrick Herrmann. Der nahm den Ball im Sprung an, doch Freiburgs Torhüter lenkte den Ball an die Latte. Es wäre ein großartiges Tor des 22-Jährigen gewesen. "Schade, dass der Ball nicht drin war. Olli hat da klasse gehalten", sagte Herrmann.

Doch Herrmann ist derzeit nicht nur Torjäger, sondern auch ein effektiver Vorbereiter. Schon beim 2:0 in Stuttgart "chippte" er den Ball in den Lauf von Raffael, der dann vollendete. Gestern, in der 63. Minute, war es wieder Herrmann, der das 1:0-Siegtor einleitete und so den Sieg auf den Weg brachte. Sein Pass in die Tiefe auf Oscar Wendt zerschnitt die Freiburger Abwehr aufs Feinste und Wendt hatte allen Platz und alle Zeit, den Ball hinüberzulegen auf Raffael, der das Spielgerät ins Tor stupste.

"Das war sehr gut gespielt. Nach dem Freistoß war entscheidend, dass es schnell ging, Herrmanns Pass war klasse, aber der Lauf in die Tiefe von Oscar Wendt war noch besser", sagte Lucien Favre. Tore wie dieses begeistern den Trainer, weil sie so erzielt werden, wie er es liebt: als Konsequenz eines intelligenten Spielzugs.

Patrick Herrmann hatte zu Beginn der Saison so seine Schwierigkeiten mit diesem Ansatz, von Haus aus ist der Wieseflinke ein Konterspieler. Seine Vorlagen indes zeigen, dass er gereift ist: Er hat den Blick für die Situation, ahnt den Laufweg des Kollegen voraus und spielt den Ball dorthin, wo er hin muss. Herrmann reagiert nicht mehr nur mit seiner Geschwindigkeit auf die Aktionen der Mitspieler, er initiiert sie selbst. Mit ihm ist es wie mit den anderen Borussen: Er hat Favres neuen Ansatz jetzt "intus". Das macht ihn wieder stark.

"Ich weiß nicht, ob es an der neuen Spielweise gelegen hat, vielleicht lag es auch an mir. Auf jeden Fall bin ich jetzt wieder besser drauf", sagte Herrmann. So sieht es auch sein Trainer. "Wenn einer ein Tor oder ein Assist macht, heißt das nicht, dass er gut war. Aber Patrick hat es gut gemacht. Es läuft seit ein paar Wochen besser bei ihm — aber er weiß auch, dass er noch dazu lernen muss. Wichtig ist, dass er lernwillig ist. Und man darf nicht vergessen, dass er erst 22 ist", sagte Favre.

"Wir waren geduldig und haben die Nerven behalten. Das war wichtig", sagte Favre nach Spiel, das wie erwartet war: "Schwer." Patrick Hermann brachte mit seinem Tor den siebten Heimsieg am Stück auf den Weg. "Für einen jungen Spieler wie mich ist es ein tolles Gefühl, so eine Serie zu erleben", sagte Herrmann. Bis zur Winterpause wollen die Borussen so weitermachen. "Wir wollen noch ein paar Punkte holen. Wenn wir weiter gute Leistungen bringen, werden wir das auch schaffen", sagte Herrmann.

Dass nun am Samstag mit Schalke ein Gegner kommt, der wie Borussia um die internationalen Plätze spielt, macht die Sache doppelt spannend. "Das Spiel ist extrem wichtig. Wir werden alles tun, um in den Europapokal zu kommen", versprach Herrmann.

(RP)
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