Håvard Nordtveit: "Ich hatte den perfekten Derby-Start"

Borussia Mönchengladbach : "Ich hatte den perfekten Derby-Start"

Borussias Norweger spricht über ein 5:1 gegen Köln, einen möglichen Positionswechsel, Karneval und Borussia als Zukunftsperspektive.

Herr Nordtveit, Sie tragen einen Bart - gibt es eine Wette?

Nordtveit Mein Kumpel und ich haben beschlossen, uns zwei Monate nicht zu rasieren. Es sieht nicht so richtig gut aus, das weiß ich. Ich bin wohl kein Bart-Typ. Das muss schnell weg. Aber man muss ja mal was ausprobieren.

Sie sind Norweger, aber seit vier Jahren in Gladbach. Im Gegensatz zu vielen Teamkollegen haben Sie schon einige Derby-Erfahrung. Beschreiben Sie, was das Besondere an Gladbach gegen Köln ist.

Nordtveit Es ist einfach etwas anderes als in anderen Spielen. Ich übertreibe mal: Man darf absteigen, aber nicht gegen Köln verlieren. Das sagt alles aus. Man spürt in den Tagen vor dem Spiel, dass alle heiß sind, wenn wir am Spieltag im Bus vom Hotel zum Stadion fahren, dann machen die Kölner Fans, die auf dem Weg zum Stadion sind, unschöne Gesten. Das motiviert aber extra. Außerdem: Mein erstes Heimspiel gegen Köln war ein 5:1-Sieg und ich habe das fünfte Tor gemacht. Das war der perfekte Derby-Start für mich.

So kann es wieder gehen, oder?

Nordtveit Auf jeden Fall. Das war ein sehr spezielles Gefühl. Es war für uns ein ganz wichtiges Spiel, wir waren in großer Not und dieser Sieg war psychologisch sehr wertvoll.

Wie wichtig ist jetzt das Derby?

Nordtveit Wir haben nach drei Rückrundenspielen sechs Punkte, müssten aber eigentlich sieben haben, denn auf Schalke mussten wir nicht verlieren. Aber die Niederlage ist vorbei, wir haben sie aufgearbeitet und abgehakt. Wir sind zu Hause sehr stark und wollen gewinnen. Jeder, der in den Borussia-Park kommt, hat es schwer, ob Köln oder auf die Bayern. Natürlich sind wir nicht in der Champions League, wenn wir Köln besiegen, aber gerade in dieser Phase der Saison ist es wichtig, zu punkten, weil viele Mannschaften eng zusammen sind in der Tabelle. Wenn man zweimal verliert, rutscht man ab.

Ist Borussia bereit für das Derby?

Nordtveit Wir hatten eine gute Trainingswoche und sind gut vorbereitet, damit es von Anpfiff an richtig abgeht.

Sicher möglichst mit Havard Nordtveit. In Gelsenkirchen haben Sie anstelle Christoph Kramers gespielt.

Nordtveit Ich bin keiner, der etwas einfordert, ich mache in jedem Training mein Ding und biete mich an. Aber es war ein gutes Zeichen für mich, dass ich auf Schalke gespielt habe über 90 Minuten. Das tat mir gut. Ich denke, es lief gut für mich, ich war viel unterwegs, die Pässe waren da. Wir werden sehen, was der Coach sagt. Ich bin immer bereit - auch, wenn ich draußen sitze. Auch dann darf man nicht negativ sein, das ist nicht gut für das Team. Fußball ist Mannschaftssport, da darf man nicht zu egoistisch sein. Unser Coach weiß aber, was er von mir kriegt, wenn ich spiele.

Der norwegische Nationaltrainer bekommt einen Innenverteidiger von Ihnen, Sie sind Norwegens Abwehrchef. Ist das auch eine Option für die Zukunft bei Borussia?

Nordtveit Im Moment bin ich noch auf die Nummer sechs fokussiert. Was im Sommer passiert, ob ich dann Innenverteidiger werde und das auch jeden Tag trainiere, wird sich zeigen. Unser Nationaltrainer spricht mit Lucien Favre oft über das Thema. Er würde es gern sehen, wenn ich hier auch Innenverteidiger spiele. Wenn ich das immer trainiere, bin ich natürlich besser drin in der Position. Aber ich habe seit vier Jahren vor allem auf der Sechs gespielt und das ist, was ich im Moment zu tun habe. In Zukunft kann ich mich aber auch hier als Innenverteidiger sehen.

Ihr Vertrag läuft bis 2016. Ihr Mit-Sechser Granit Xhaka hat gerade vorzeitig verlängert. Hat es bei Ihnen auch schon Gespräche gegeben?

Nordtveit Max Eberl und mein Berater sind immer im Dialog. Ich habe noch eineinhalb Saisons hier, da muss ich nichts überstürzen. Aber ich fühle mich wohl hier, wir haben eine tolle Truppe, in der ich viel Spaß habe, ich kommen mit allen gut klar. Das spielt auch eine Rolle bei unserem Erfolg. Ich weiß, was ich an Borussia habe, der Klub hat mich damals in einer schwierigen Zeit geholt und es hat gut geklappt. Ich habe viel hier gelernt, es ist toll, in der Bundesliga zu spielen, es stimmt alles. Darum hätte ich kein Problem, länger hier zu spielen. Borussia könnte absolut eine längere Zukunftsperspektive für mich sein. Aber ich mache mit keinen Stress.

Ganz norwegisch also.

Nordtveit Na klar.

Ganz rheinländisch ist der Karneval.

Nordtveit Karneval! Ich habe viel davon gehört, war aber noch nie auf einer Karnevalsfeier. Bei uns in Norwegen gibt es das nicht. Komisch finde ich, dass es dafür einen freien Tag gibt. Na ja, vielleicht sollte ich Karneval mal ausprobieren.

Was wäre denn ein Kostüm für Sie?

Nordtveit Robin Hood... (überlegt)... oder doch Wikinger. Das passt vielleicht besser zu mir.

Robin Hood nimmt von den Reichen und gibt es den Armen. Ist Ihnen Gerechtigkeit wichtig?

Nordtveit Ich fand es schon als Kind gut, wenn alle das gleiche haben. Ich finde es gut, wenn kleine Teams den großen die Punkte wegnehmen (grinst). Ich lege Wert auf Gerechtigkeit und bin ein fairer Mensch. Ein Spieler wie ich ist, denke ich, gut für den Klub. Ich bin noch nie zur Arbeit gekommen, ohne zu lächeln. Auch nicht, wenn wir verloren haben.

Auf Schalke gab es die erste Niederlage der Rückrunde. Der Gegner hat tief gestanden, auch Köln gilt als konterstark. Wird es ein ähnliches Spiel?

Nordtveit Ich denke ja. Köln wird sicher auf Konter gehen, weil sie gesehen haben, dass es bei Schalke funktioniert hat. Aber wir haben Köln analysiert und wissen, was das Team kann. Wir werden uns nicht überraschen lassen. In Schalke kam ja das frühe Tor hinzu, das hat Schalke in die Karten gespielt. So etwas sollte uns im Derby nicht passieren. Entscheidend ist, mehr Tore als der Gegner zu machen. So einfach ist das, und das werden wir versuchen.

Auf Schalke war es sehr dicht vor dem Tor des Gegners. Da wären Fernschüsse ein gutes Mittel gewesen.

Nordtveit Wir haben das ja in dieser Saison schon öfter probiert, mehr als früher. Und es hat ja auch schon ein paar Mal geklappt. Wenn es so ist, sind es immer schöne Tore. Aber wie die Tore fallen, ist egal. Wir haben die gute Möglichkeit, die Schalke-Niederlage gegen Köln wettzumachen. Das wollen wir tun. Dann können unsere Fans richtig Karneval feiern.

(RP)
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