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Hannes Wolf: Zukunft bei Borussia Mönchengladbach nach Swansea-Leihe

Nach der Swansea-Leihe : Hannes Wolfs Perspektiven in Gladbach

Hannes Wolf ist seit der Winter-Transferperiode an Swansea City ausgeliehen. In Englands zweiter Liga sammelt er wichtige Spielpraxis und Erfahrungen für einen neuen Anlauf in Gladbach. Wie es noch etwas werden kann mit dem Österreicher und Borussia.

Hannes Wolf hat es gut angetroffen in Swansea, der zweitgrößten Stadt von Wales an der Küste des Bristolkanals. Seine Wohnung liegt am Hafen mit Blick aufs Wasser. Doch nicht deswegen fühlt sich der an Swansea City verliehene Borusse wohl auf der Insel. Er genießt das volle Vertrauen von Trainer Russell Martin. Wenn er fit ist, spielt der 22-Jährige meistens durch bei dem Klub, der in Englands zweiter Liga spielt.

Auch beim walisischen Derby in Cardiff am Samstag gehörte Wolf zur Startelf. Sein Team schrieb mit dem 4:0 Geschichte: Erstmals gelangen einem der Rivalen zwei Derby-Siege in einer Saison. Wolf erzielte per Kopf sein erstes Tor für Swansea und sammelte den zweiten Assist ein. Es war ein großes Erlebnis für den Österreicher, wohl bisher der Höhepunkt der Leihzeit.

Die läuft sportlich gut trotz einer Oberschenkelverletzung und einer Corona-Infektion. Schon öfter bekam Wolf ein Sonderlob des Schotten Martin. „Hannes performt sehr gut bei Swansea, der Trainer ist sehr zufrieden“, sagte Borussias Manager Roland Virkus unserer Redaktion. Es ist mehr Selbstverständlichkeit da, wenn ein Spieler den Trainer hinter sich hat.

Spielpraxis zu sammeln und neues Selbstvertrauen aufzubauen nach zweieinhalb komplizierten Jahren, das war im Januar der Anlass für das Leihgeschäft ohne Kaufoption, das die Borussen und Swansea im Januar vereinbart haben. Im Sommer soll es den nächsten Anlauf in Gladbach geben, so nicht ein attraktives Angebot dazwischenkommt von einem anderen Klub. Dass aber Zahlen aufgerufen werden in Höhe des Gladbacher Invests, ist schwer vorstellbar, Wolfs geschätzter Marktwert von früher ist von zwölf auf fünf Millionen Euro gesunken.

Der Knöchelbruch, den er sich im Sommer 2019 zugezogen hatte bei Österreichs U21, warf ihn aus der Bahn, er kam bei RB Leipzig, wohin er gerade gewechselt war, nie richtig an. Dann holte ihn Trainer Marco Rose, sein „Ziehvater“ aus Salzburger Zeiten, nach Gladbach. Doch auch Rose gab Wolf nicht die alte Stärke zurück. Hinzu kam, dass die enge Verbindung zum Trainer und die elf Millionen Euro, die er kostete, nicht hilfreich waren. Bei Adi Hütter spielte er zunächst, tat sich aber weiter schwer mit dem Borussen-Spiel. Dann kam die Leih-Option.

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Wie man Wolf nach seiner Rückkehr integrieren kann bei Borussia, darüber hat sich Datenscout Mats Beckmann von „Createfootball“ Gedanken gemacht. „Wolf ist ein spannender Fall“, sagte Beckmann jüngst im Fohlenfutter-Podcast. „Meist wurde er auf einer zentral offensiven Position eingesetzt, obwohl er nicht der kreativste Spieler ist. Er ist auch keiner, der viele Scorerpunkte haben wird. Aber er ist einer, der fast immer das Pressing sucht und das Eins-gegen-eins forciert.“ Das deckt sich mit Wolfs Selbsteinschätzung. „Ich würde mich als einen Instinktspieler bezeichnen, ich will Bälle klauen und dann mit Speed Richtung Tor gehen“, schrieb er im Sommer 2021 in seiner Kolumne für unsere Redaktion. „Wolf kann in einem pressing-basierten Team eine super Rolle spielen“, sagte Beckmann.

Er kennt die passende Position dazu: „Wolf ist ein Spieler, der wohl auf der Acht am besten zur Geltung kommen würde, wenn er noch einen kreativen Spieler neben sich hat“, sagte der Datenscout. Eine doppelte Acht gibt es bei Hütter derzeit nicht, doch könnte sich das ändern, wenn der Trainer künftig auf die Variante mit einem klaren Sechser und zwei Achtern setzt in einem 3-1-4-2-System, das er für Gladbach mal angedacht hatte. Wolf könnte mit Florian Neuhaus oder Jonas Hofmann, sofern mindestens einer der beiden bleibt, das Spiel nach vorn antreiben.

Tatsächlich spielt Wolf bei Swansea in Martins 3-4-1-2-System eine Mischung aus Achter und Flügelspieler, mal ist er mehr im Zentrum aktiv, mal ein klassischer Außenstürmer, inklusive Blick nach hinten. Am Dienstagabend im Ligaspiel beim FC Millwall, das Swansea 1:0 gewann, spielte Wolf mal wieder eher zentral hinter den Spitzen, ehe er nach 63 Minuten ausgewechselt wurde. „Seine Stärke ist, den Ball zu erobern oder in einem Pressing in Ballbesitz zu kommen und dann den Angriff einzuleiten. So lange verlangt wird, dass er aus dem Ballbesitz heraus Chancen kreiert, ist es wahrscheinlicher, dass es schwer wird“, sagte Beckmann.

Künftig will Hütter in Gladbach die Themen Tempo und Pressing forcieren und die Pressingzonen wieder weiter nach vorn verlegen. Da könnten Wolfs Qualitäten gefragt sein, auch im aktuellen 3-4-2-1-System. Die gewisse Härte, die er in Englands zweiter Liga lernt, dürfte ihm zudem in Sachen Robustheit weiterhelfen. Insgesamt soll die Wales-Episode Wolf weiterbringen. „Man darf nicht vergessen, dass er noch ein junger Spieler ist, der sich entwickeln kann“, sagte Beckmann.