Günter Netzer: "Borussia ist auf einem guten Weg"

Borussia Mönchengladbach : Günter Netzer: "Borussia ist auf einem guten Weg"

Der ehemalige Weltklassefußballer Günter Netzer glaubt, dass Mönchengladbach in den Europapokal kommen wird. Für das Spiel gegen die Bayern sieht er Borussia auch gerüstet, die Borussia-Ikone traut der Favre-Elf sogar einen Sieg zu.

Günter Netzer wird am Freitag nicht im Borussia-Park sein, wenn die Bundesligarückrunde mit dem Topspiel der Mönchengladbacher gegen den FC Bayern München (20.30 Uhr/Live-Ticker) beginnt. Netzer, in den 70er Jahren die Ikone der großen Fohlenelf der Borussen, wird sich die Partie im Fernsehen anschauen. Entgehen lassen wird er sich das Spiel auf keinen Fall. Denn nach vielen Jahren ist es beinahe mal wieder so wie früher, als sich die Borussia und der FC Bayern auf Augenhöhe gegenüberstanden und die deutschen Meisterschaften unter sich ausmachten.

Herr Netzer, die Bayern haben die Hinrunde der Bundesliga dominiert. Was ist für die Mannschaft in diesem Jahr möglich?

Netzer Die Bayern werden mindestens deutscher Meister. Ob es auch zur Titelverteidigung in der Champions League reicht, ist schwer zu sagen. Da spielen zu viele Faktoren eine Rolle. Bayern München ist in der Champions League einer der Favoriten auf den Titel, so wie Deutschland bei der Weltmeisterschaft ein Mitfavorit auf den Titel ist.

Kann man die Teams hinter den Münchnern auf den Europapokal-Plätzen überhaupt als Bayern-Jäger bezeichnen? Wer wird am Ende direkt hinter München landen?

Netzer Borussia Dortmund ist nach wie vor ein guter Konkurrent der Bayern. Die Dortmunder haben ihr Potenzial bisher allerdings noch nicht voll abgerufen. Die westfälische Borussia muss sich aber schnell wieder auf den Weg machen, wenn in der Rückrunde alle, die zum Ende der Hinrunde verletzt waren, wieder zur Verfügung stehen. Es ist bewundernswert, was sich in Leverkusen entwickelt hat, aber die Leverkusener werden kein ernsthafter Mitstreiter der Bayern sein.

Ihre Borussia in Mönchengladbach vermutlich auch nicht. Was sagen Sie denn zur Entwicklung des Klubs, mit dem Sie selbst Bundesliga-Geschichte geschrieben haben?

Netzer Ich bin sehr erfreut über das, was bei Borussia passiert. Es gibt seit Jahren eine gute Basis, was lange Zeit vorher nicht der Fall war. Die Borussen sind momentan auf einem guten Weg. Sie sind gut genug, einen Europapokalplatz zu schaffen — in welchem Wettbewerb auch immer.

Was ist morgen im Treffen mit Bayern für die Borussia möglich?

Netzer Ein Unentschieden ist für die Gladbacher nicht nur eine Wunschvorstellung. Borussia kann die Bayern auch besiegen. Dafür muss an diesem Tag aber alles passen. Lucien Favre und Pep Guardiola sind sehr anspruchsvolle Trainer, die taktisch viel verlangen. Aber beide Teams sind auch offensiv ausgerichtet, so dass es auch ein echtes Spektakel werden kann. Das muss sich aber entwickeln.

Es gibt unter den Experten neuerdings die Diskussion, welche Liga die beste der Welt ist. Wo ordnen Sie die Bundesliga ein?

Netzer Es ist immer schwer festzulegen, welche Liga nun die beste der Welt ist. In einem Jahr ist es die spanische, dann die englische, dann die deutsche. Aber in der Bundesliga ist die Leistungsdichte sehr groß, das ist natürlich ein Qualitätsmerkmal. Und man kann sehen, dass in Deutschland wunderschöner Fußball gespielt wird — ob er viel besser ist als in anderen Ligen, das ist auch Geschmackssache.

Die deutsche Nationalmannschaft gilt auf jeden Fall als eines der besten Auswahlteams der Welt. Kann sie im Sommer in Brasilien Weltmeister werden?

Netzer Wir haben wahrscheinlich den besten Kader aller Zeiten. Er hat eine qualitative Dichte, die es so in Deutschland noch nicht gegeben hat. Wir haben einen großartigen Trainer und tolle Individualisten. Die Mannschaft ist absolut in der Lage, Weltmeister zu werden.

Wen zählen Sie zu den Favoriten auf den Weltmeister-Titel?

Netzer Wir gehören zum Kreis der drei, vier großen Favoriten. Spanien und Brasilien gehören dazu. Brasilien steht sicherlich unter Druck bei der Heim-Weltmeisterschaft und hat nicht so eine starke Mannschaft wie in früheren Jahren. Aber der Heimvorteil ist nicht zu unterschätzen. Auch die Italiener muss man dazu zählen. Die sind immer in der Lage, etwas Besonderes zu schaffen. Ob Argentinien soweit ist, den Titel zu holen, weiß ich nicht. Aber sicherlich darf man ein Team, in dem Messi spielt, nicht außer Acht lassen.

(RP)
Mehr von RP ONLINE