Borussia Mönchengladbach: Granit Xhaka wird immer mehr zum Führungsspieler

Borussia Mönchengladbach : Granit Xhaka wird immer mehr zum Führungsspieler

Granit Xhaka ist ein höflicher Mensch. Deswegen fragte er auch bei Max Kruse nach, ob er in diesem Fall den Freistoß übernehmen dürfe. 30 Meter entfernt war das Tor von Hannover 96 und Schiedsrichter Thorsten Kinhöfer hatte den Ball mit einem hübschen Halbkreis aus Schaum umrandet.

Xhaka fühlte sich gut, vielleicht spürte er, dass dieser Augenblick wie gemacht war, um sein erstes Bundesliga-Tor für Borussia zu erzielen seit dem 15. September 2012, als er beim 2:3 gegen Nürnberg traf. Kruse nickte, als Xhaka fragte, der Schweizer lief und und jagte den Ball flach unten in die Torwartecke. Ron-Robert Zieler, seit dem Sommer mithin ein Weltmeister, streckte sich vergeblich. Gladbach führte nach 49 Minuten 2:0, das Spiel war entschieden.

"Der Freistoß von Granit kam zum richtigen Zeitpunkt. Danach hatte es Hannover schwer", sagte Trainer Lucien Favre. Und Max Kruse, der nette Kollege, befand: "Granit hat ja einen super Schuss. Diesmal lag der Ball auf dem Freistoß-Schaum, darum hat er ihn so gut getroffen." Kruse selbst erzielte die Tore eins und drei an diesem Samstag, der ist mit fünf Treffern nun Borussias bester Torschütze.

Xhakas Tor passte derweil bestens zum Namen des 96-Sponsors, der während der Spiele die Zwischenergebnisse von den anderen Plätzen präsentiert: Hammer. Genau das war Xhakas Schuss, und er ist, was das angeht, in dieser Saison ein Wiederholungstäter. "Ich habe ja schon gegen Sarajevo ein schönes Tor geschossen", erinnerte Xhaka an den Distanzschuss gegen die Bosnier, der hoch unter der Latte einschlug und von Borussias Fans zum Tor des Monats August gewählt wurde.

Xhaka war in Hannover jedoch nicht nur wegen seines Tores einer der besten Gladbacher in Hannover. Er war auch an der Entstehung des ersten Tores beteiligt, weil er mit einem öffnenden Pass Raffael in Szene setzte, der dann Alvaro Dominguez auf dem Flügel schickte, dessen Flanke Kruse dann in bester Mittelstürmer-Manier per Kopf ins Tor beförderte. Auch sonst präsentierte sich Xhaka, 22, als umsichtiger Mann in der Zentrale: defensiv sehr aufgeräumt und mit guten Ideen im Aufbauspiel, einem wohl temperierten Timing in den langen Pässen, aber auch mit dem Einsicht, es einfach mal einfach zu machen. "Es läuft im Moment gut für mich", sagte er.

Das ist auch seinem Trainer aufgefallen. Favre war in den Spielzeiten zuvor schon ein bisschen verzweifelt am Filou-haften Spiel seines Landsmannes. Immer dann, wenn Xhaka die nötige Balance zwischen Besonnenheit und Wagemut gefunden zu haben schien, wurde er wieder zum einem jungen Mann, der mit jeder Aktion die Welt verändern wollte. Das führte dazu, dass er die Grundtugenden vergaß und seltsame Fehler machte. Deswegen verlor er in der vergangenen Saison nach einer ebenfalls starken Hinrunde seinen Platz im Team.

Das soll Xhaka nicht erneut passieren. Und es scheint, dass er dafür bereit ist — so wie die Gladbacher bereit sind, sich unter den besten Teams der Bundesliga zu etablieren. Xhaka ist neben Martin Stranzl und Torwart Yann Sommer der einzige Borusse, der trotz der Rotiererei seines Trainers in allen 13 Pflichtspielen von Beginn an dabei war. "Ich kann ja schon lange Fußballspielen. Jetzt spüre ich auch das totale Vertrauen des Trainers, das hilft mir", sagte Xhaka.

Er hat es sich mit seriöser Arbeit verdient. "Granit spielt auf einer verantwortungsvollen Position. Er muss sehr gut verteidigen und muss viel Einfluss auf das Spiel haben. Er kann beides: er arbeitet defensiv gut und hat Aktionen nach vorn", sagte Favre. Der Trainer hatte gerade von den defensiven Mittelfeldspielern mehr Torgefahr eingefordert und ihnen erlaubt, auch mal aus der Distanz zu schießen — in Hannover nutzte Xhaka letzteres, um ersteres zu tun.

Das hat etwas von einem Musterschüler. Xhaka hat ganz offenbar viel mitgenommen von seiner WM-Teilnahme im Sommer: Er wirkt besonnener, überlegter, fokussierter und konzentrierter. Dass er ein guter Fußballer ist, wussten Sportdirektor Max Eberl und Favre, als sie den damals 19-Jährigen im Sommer 2012 für üppige neun Millionen Euro dem FC Basel abkauften. "Natürlich, er hat mit Basel in der Champions- und Europa League gespielt. Aber die Bundesliga ist anders. Er musste andere Automatismen finden, in Basel hat er eine andere Position gespielt. Hier muss er viel machen und bis jetzt hat er es gut gemacht", sagte Favre.

Er schätzt an seinen Spielern, dass sie sehr lernwillig seien. "Das ist wichtig, den wir müssen noch viel lernen", sagte der Trainer. Weswegen der die jungen Spieler oft nach dem Training zu Sondereinheiten bittet. Auch Xhaka ist ein regelmäßiger Teilnehmer dieser Lerngruppen. Der Effekt ist jetzt spürbar. Er will das konservieren. "Ich hoffe, der Weg geht weiter so für mich", sagte Xhaka. Gelingt ihm das, ist er dabei, sich zu einer zentralen Figur des Teams zu entwickeln. Der junge Schweizer will ein Führungsspieler sein — und derzeit schickt er sich an, das auch auf dem Platz nachzuweisen. In Hannover zeigte Borussia eine sehr reife Leistung — das lag auch an Xhaka.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Xhaka trifft in Hannover per Freistoß-Hammer

(kk)
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