Borussia Mönchengladbach: Goldene Zeiten

Borussia Mönchengladbach: Goldene Zeiten

Borussia zehrt heute noch von ihren großen Erfolgen der 60er und 70er Jahre. Einer der "Macher" von damals wird nun 85 Jahre: der ehemalige Präsident Dr. Helmut Beyer.

Borussia ist aus dem tiefen Tal heraus. Finanziell sowieso, und der momentanen Situation zum Trotz wohl auch sportlich — hofft nicht nur Dr. Helmut Beyer; "Ich freue ich, dass wir nun auch spielerisch wieder mithalten können." Anerkennung vor allem für das heutige Präsidium, das mit dem Bau des neuen Stadions 2004 dem Verein die wirtschaftliche Basis für den sportlichen Aufschwung geschaffen hat.

Doch auf das, was der ehemalige Präsident und seine Freunde einst geschaffen haben, darauf können die Männer um Rolf Königs eigentlich nur staunend zurück blicken. Ohne Helmut Grashoff und Helmut Beyer wäre Borussia heute womöglich immer noch der Provinzverein, als den die beiden ihn 1961/62 als ehrenamtliches Duo übernahmen: so gut wie pleite, sportlich trotz des DFB-Pokalsiegs 1960 eigentlich ein Niemand.

Bundesliga-Aufstieg, fünfmal Deutscher Meister, zweimal Gewinner des Uefa-Cups, einmal des DFB-Pokals: 1965 bis 79 war die goldene Zeit Gladbachs, galoppierten die "Fohlen" ganz weit nach oben im deutschen und internationalen Fußball, eroberten sie die Herzen nicht nur der eigenen Fans. Diese Erfolge sind auch heute noch ein Teil der Basis, auf der Borussia nach vielen Rückschlägen wieder aufbaut. Sie sind immer noch Grundlage der heute so oft zitierten "Marke Borussia".

Áls Letzter übrig geblieben

Dr. Helmut Beyer wird am Sonntag 85 Jahre. Seine Mitstreiter von einst, Helmut Grashoff, Lorenz Hochheim und Dr. Alfred Gerhards, leben nicht mehr. 31 Jahre hat Beyer an der Spitze des Vereins gestanden. 1992 trat er zurück, ein wenig enttäuscht schon nach den Verwirrungen, die in der Entlassung und Rückkehr von Grashoffs Nachfolger Rolf Rüssmann und einem neuen Präsidium endeten. Doch seine Liebe zum Verein ist geblieben. "Der Mück und ich haben den Verein ganz entscheidend geprägt", sagt Beyer. Der "Mück", das war sein Skatfreund Helmut Grashoff, den er 1962 mit in den Vorstand geholt hatte. Ein Glücksgriff, ebenso wie der am Ostersamstag 1964, als er im Alleingang den damals noch relativ unbekannten Hennes Weisweiler als Trainer verpflichtete — der zum sportlichen Meistermacher werden sollte.

Seinen Geburtstag wird Dr. Beyer zurückgezogen feiern. Weil er gesundheitlich nicht mehr so mobil ist; deshalb hat er auch erst zwei Spiele im neuen Stadion gesehen, verfolgt den Weg seines Vereins aber "akribisch in der Zeitung, im Fernsehen und Radio". Zurückgezogen mit seiner Frau Liesel im ganz kleinen Kreis wird Helmut Beyer aber auch deshalb feiern, weil die große Welle nie seine Lebensart war. Bescheidenheit und Sparsamkeit sind Tugenden, die der promovierte Volkswirtschaftler und ehemalige Gladbacher Textilunternehmer stets hochgehalten hat.

Das Prinzip, nie mehr auszugeben als eingenommen wird, hat ihm zu seiner Amtszeit manche Kritik eingebracht. Weil Borussia ab Mitte der 70er Jahre nach und nach den Anschluss an den bis dahin großen Rivalen FC Bayern verlor. "Hätten wir die wirtschaftlichen Voraussetzungen, die jetzt mit dem neuen Stadion gegeben sind, damals gehabt, gäbe es heute vielleicht noch das Fernduell Borussias mit München", sagt Helmut Beyer. "All die Hungerjahre wären dem Verein erspart geblieben. Aber es gab damals keine Stadt, die dem Verein Kapital für ein neues Stadion zur Verfügung stellte."

(RP)
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