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Gladbachs Nachwuchschef Roland Virkus über die Corona-Folgen für Talente

„Ein alternativloser Weg“ : Borussias Jugendteams müssen sich auf eine abgespeckte Saison einstellen

Die Jugendmannschaften von Borussia Mönchengladbach sind wieder zurück im Training. Wir haben mit Nachwuchsdirektor Roland Virkus darüber gesprochen, wie sich das Corona-Jahr auf die Entwicklung der Spieler ausgewirkt hat und wie die Planungen für die neue Saison aussehen.

Es herrscht wieder Betrieb rund um den Borussia-Park. Zwar weilen die Profis, die unter dem neuen Trainer Adi Hütter am 3. Juli (10.30 Uhr) in die Vorbereitung starten, noch im Urlaub, beim Nachwuchs sieht das aber ganz anders aus. Die Trainingsplätze werden wieder täglich genutzt.

„Nach langer Zeit trainieren unsere Mannschaften endlich wieder und dürfen mittlerweile auch wieder Freundschaftsspiele bestreiten“, sagt Nachwuchsdirektor Roland Virkus im Gespräch mit unserer Redaktion. Von der U9 bis zur U19 – alle Teams sind froh, wieder auf dem Platz stehen zu dürfen.

„Einige Jungs waren völlig frustriert. Das kann ich auch nachvollziehen, wenn das Leben komplett auf Sport und Schule ausgerichtet ist und ein wichtiger Teil davon wegbricht“, sagt Virkus. Während die älteren Jugendmannschaften zwischendurch schon wieder ins Training einsteigen konnten, ruhte der Ball bei den jüngeren Mannschaften komplett. „Die Kleinen konnten längere Zeit gar nicht trainieren, da geht ein Jahr der Entwicklung verloren“, sagt Virkus.

Aber gerade für die Spieler im oberen Bereich, wo sich entscheidet, wem der Sprung in den bezahlten Fußball gelingt, waren die vergangenen eineinhalb Jahre ohne Wettkampfpraxis hart. Zeit, das wieder aufzuholen, bleibt ihnen nicht. „Die Jungs aus der U19 konnten sich auf dem Tableau des Leistungsfußballs nicht zeigen. Für den einen oder anderen ist es sehr schwer. Einige haben keine Klubs gefunden, was mit einer vernünftigen Entwicklung wahrscheinlich nicht passiert wäre“, sagt Virkus. Die Saison 2020/21 wurde ebenso wie die vergangene Spielzeit abgebrochen. Drei Pflichtspiele hat die U19 von Trainer Sascha Eickel in den vergangenen zwölf Monaten absolviert.

So bitter das Jahr deshalb für zahlreiche Talente gewesen ist – es gibt auch Spieler, die sich dadurch vielleicht schneller als erwartet entwickelt haben, weil ihnen die Tür zum Senioren-Fußball früher geöffnet wurde. Mika Schroers zum Beispiel, der eigentlich noch in der U19 gespielt hätte, kann nun auf eine Saison mit 30 Einsätzen und acht Toren in der U23 zurückblicken. „Die Jungs, die in der U19 zu den Leistungsträgern gehören, haben davon profitiert, dass wir sie nach oben gezogen haben“, so Virkus. Auch Michael Wentzel und der 18-jährige Luiz Skraback, der die Vorbereitung zur neuen Saison bei den Profis absolvieren wird, gehören zu diesen Spielern.

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Mit Blick auf die kommende Saison im Jugendbereich gibt es noch einige Fragen zu klären. In welcher Form die Meisterschaften in den Junioren-Bundesligen der U17 und U19 ausgetragen werden, steht noch nicht fest. „Es läuft auf eine einfache Runde hinaus. Das heißt, dass es keine Hin- und Rückspiele geben wird. Es ist vernünftig, erst mal nur so zu planen, weil man nicht weiß, ob noch mal eine Corona-Welle kommt. Natürlich ist es aber etwas anderes, wenn ich am Ende nur 17 Spiele statt 34 Spiele habe“, sagt Virkus.

Weniger Partien haben weitreichende Folgen: Die Kader der Mannschaften müssen kleiner sein. „Bei 25 Leuten kann man dann nicht jedem Spieler Einsatzzeiten garantieren“, betont Virkus. Und: Auch auf die Saison danach wirkt sich das aus. „Im U23-Bereich oder bei den Profis müssen dann mehr als doppelt so viele Spiele absolviert werden. Das ist für die Spieler schwierig“, sagt Virkus, der jedoch auch weiß: „Es ist ein alternativloser Weg.“

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