1. Sport
  2. Fußball
  3. Borussia Mönchengladbach

Gladbachs Breel Embolo könnte schon mehr als zwei Tore haben

Borussias Stürmer aus der Schweiz : Embolos Jahr fehlen ein paar Tore

Breel Embolo hat 2020 viel Gutes gemacht und sogar Historisches vollbracht, doch lässt Borussias Stürmer aus der Schweiz zu viele Chancen aus.

Wer im Instagram-Account des Berufsfußballers Breel Embolo stöbert, dem fällt ein spektakuläres Foto ins Auge. Es zeigt den Stürmer des Champions-League-Teilnehmers Borussia Mönchengladbach bei der Verrichtung vor dem Tor. Und zwar in Form eines Fallrückziehers. Es war im Königsklassen-Spiel gegen Schachtjor Donezk, als Embolo, 23, auf diese vorzügliche Art traf, die ein Herr namens Ramon Unzaga 1914 in Chile erstmals aufführte. Die geneigten Betrachter staunten ob Embolos Akrobatik. Doch so mancher dachte, ohne Häme, sondern ganz pragmatisch: „Den macht er, aber die einfachen Dinger nicht.“ Das ist die Krux in der Bewertung von Embolos Jahr 2020.

Der bullige Stürmer, der immer alles gibt, hat viel Gutes vollbracht für sich und seinen Verein. Zum Beispiel hat er Geschichte geschrieben, als er im ersten Geisterderby der Bundesliga das erste Tor erzielte. Dann war gegen Hertha BSC im entscheidenden letzten Saisonspiel hauptverantwortlich für den 2:1-Erfolg mit einem Treffer und einer Vorlage. Das war die Champions-League-Qualifikation.

Dass er sich kurz vor dem Start in die neue Saison ausgerechnet in einem Zweikampf mit seinem Teamkollegen Matthias Ginter beim Nations-League-Spiel der Eidgenossen gegen Deutschland verletzte, passt in Embolo Biografie mit den vielen Verletzungen. Doch er kam schnell und tatendurstig zurück – als Dritter Kapitän sogar, so entschied Borussias Team per Wahl. Das zeigt, dass Embolos menschliche und sportliche Qualitäten in der Borussen-Kabine anerkannt sind.

Trainer Marco Rose schätzt die Wucht und den Willen seines Schützlings. Mal stellt er ihn als Zehner auf, um die Abwehr der Gegner wie ein Bulldozer zu bearbeiten, mal ist Embolo die Neun, um die Kontrahenten ganz vorn zu bearbeiten. Er wechselt sich ein wenig mit Lars Stindl ab, der auch beides kann, indes mit feinerer Klinge.

Was Stindl, der neun Jahre Ältere, Embolo voraus hat: die Coolness vor dem Tor. Acht seiner 28 Torschüsse nutzte Gladbachs Kapitän zu Toren, das sind 0,29 Prozent. Embolo traf zweimal, brauchte dafür aber 21 Schüsse. Das ist eine Quote von 0,10 Prozent. Vor allem in den Spielen gegen Augsburg war Embolos Abschlussschwäche eklatant. Fünf große Chancen hatte er, vergab sie aber allesamt: Borussia kam nur zu einem 1:1.

Dass er dann nach seinem erfolgreichen Fallrückzieher in der Königsklasse in Freiburg und gegen Hertha seine Chancen in bester Mittelstürmer-Manier nutzte, ließ die Vermutung zu, dass er einen wichtigen Schritt nach vorn gemacht hatte.

Dann aber kam Hoffenheim. Wieder gab es vier große Chancen für Embolo, unter anderem rannte er bei einem Konter mutterseelenallein auf TSG-Torwart Oliver Baumann zu. Embolo er traf nicht, Gladbach verlor 1:2. Zum elften Mal in dieser Saison verspielte Borussia einen Vorsprung. Und wie gegen Augsburg personifizierte Embolo Gladbachs Führungs-Schwäche.

Das letzte Liga-Spiel fasste somit Emblos Jahr trefflich zusammen: Gut ist, dass er immer wieder seine Chancen hat. Schlecht ist, dass ihm einige Tore fehlen. Sein Vorsatz für 2021 dürfte klar definiert sein.