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Gladbachs Breel Embolo beschenkt sich im 50. Länderspiel für die Schweiz

Borusse überzeugt wieder für die Schweiz : „Brillanter“ Embolo beschenkt sich mit einem Doppelpack

Breel Embolo hat seinen Lauf auch in Litauen fortgesetzt: Nach dem 4:0 besitzt die Schweiz weiter alle Chancen auf die direkte WM-Qualifikation. Warum jedes Tor enorm wichtig war und wie die anderen beiden Borussen den Abend verbrachten.

„Borussen schenkt mir ein Trikot“ – das Plakat mit der Borussia-Fahne daneben war in der TV-Übertragung nicht zu übersehen. „Ein ‚Bitte‘ wäre wohl schon noch dringelegen“, twitterte das Fußballmagazin „Zwölf“ aus der Schweiz, die Höflichkeit kommt bei den Trikotjägern im Stadion tatsächlich oft zu kurz. Mindestens ein Gladbach-Fan befand sich offensichtlich unter den knapp 2000 Zuschauern in der litauischen Hauptstadt Vilnius, wenig verblüffend, in der Schweiz schaut man schließlich genauso interessiert auf die Exklave am Niederrhein wie Borussia-Fans auf das Abschneiden der „Nati“.

Die hatte im WM-Qualifikationsspiel am Dienstagabend drei statt zuvor vier Gladbach-Profis in der Startelf, Denis Zakaria war gelbgesperrt und bereits abgereist. Die Aufmerksamkeit verteilte sich allerdings höchst unterschiedlich auf Yann Sommer, Nico Elvedi und Breel Embolo. Sommer hielt im 70. Länderspiel zwar erneut die Null, bekam nach einem Schuss gegen Nordirland am Samstag diesmal allerdings gar keinen aufs Tor. Und wenn der Torwart beschäftigungslos ist, hat ein Innenverteidiger wie Elvedi seinen Job erledigt, aber in diesem Fall auch keinen schweißtreibenden Dienst gehabt.

Es ging für die Schweiz bei der Pflichtaufgabe in Litauen nicht nur um den Sieg, sondern bei allem Respekt vor dem Gegner auch um die Höhe dessen. Breel Embolo trug am meisten bei zu einem zufriedenstellenden Ergebnis: Beim 4:0 erzielte er im 50. Länderspiel seinen ersten Doppelpack für die Schweiz, vier seiner acht „Nati“-Tore sind Embolo damit in diesem Kalenderjahr gelungen. „Breel war nicht nur gut, er war brillant“, sagte Trainer Murat Yakin über den Angreifer, der jeweils nach einer Ecke einmal wuchtig mit dem Kopf und überlegt mit dem Fuß traf.

Als Embolo vom Schweizer Fernsehen am Vortag auf sein Jubiläum angesprochen worden war, hatte er bescheiden angemerkt, dass er dafür ja erst einmal spielen müsse. Seinen Coach brachte das zum Schmunzeln: „In der Verfassung ist Breel unverzichtbar“, stellte Yakin klar. Mitgebracht hat Embolo diese Verfassung aus dem Verein, wo er vor zehn Tagen in Wolfsburg eine Weltklasse-Leistung für Borussia ablieferte. Seine Ausbeute in den vergangenen drei Spielen: drei Tore, drei Vorlagen.

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„Breel ist kein geborener Stürmer. Die Position hat er jetzt angenommen. Er ist ein spielender Stürmer. Bei der Umschaltphase nach der Balleroberung, da ist er sehr gefährlich“, sagte Yakin und vermutlich hätte Gladbach-Trainer Adi Hütter nicht viel anders geklungen. Auch unter ihm ist Embolo in Abwesenheit von Marcus Thuram so sehr Mittelstürmer wie nie zuvor, interpretiert die Rolle aber alternativ, modern und vor allem ist sie schwer zu verteidigen für den Gegner.

Die Borussen, ob nun Fans, Verantwortliche oder Kollegen, werden froh gewesen sein, als Embolo in der 89. Minute unbeschadet den Platz verließ. Die Schweiz hatte in Vilnius auf einem in die Jahre gekommenen Kunstrasen spielen müssen. Litauen hat für Embolo durchaus eine Bedeutung: 2015 spielte er sich dort mit seinem ersten Pflichtspiel-Einsatz für die Schweiz fest, für die Nationalmannschaft seines Geburtslandes Kamerun aufzulaufen, war seitdem ausgeschlossen. Dass es nun 50 Spiele für die Schweiz sind, freute Embolo. „Es hört sich schön an, aber ich habe auch schon viel verpasst“, sagte er angesichts seiner Leidensgeschichte. Um die 20 Einsätze sind ihm aufgrund von Verletzungen entgangen.

Dass Embolo fit bleibt, wünscht man sich in Gladbach und in der Schweiz gleichermaßen sehnlichst. Am 12. November kommt es in der WM-Quali zum Showdown in Italien: Gewinnt die Schweiz beim Europameister, reicht ihr im abschließenden Spiel gegen Bulgarien ein Punkt fürs direkte Ticket nach Katar. Den zweiten Platz haben beide schon sicher. Bei einem Unentschieden könnte es am 15. November zu einem Fernduell-Krimi kommen.

In der Quali zählt bei Punktgleichheit zuerst die Tordifferenz. Die Italiener sind elf im Plus bei einem Verhältnis von 12:1, die Schweiz neun bei einem Verhältnis von 10:1. Für Italien geht es am letzten Spieltag nach Nordirland, nicht komplett abwegig ist es deshalb, dass beide danach nicht nur punkt-, sondern auch torgleich sind. Dann zählt der direkte Vergleich, das Hinspiel in der Schweiz endete torlos.

Damals war Yann Sommer mit einem gehaltenen Elfmeter und starken Paraden der gefeierte Mann. Er ist seit 403 Minuten ohne Gegentor im Nationalteam und je länger er es bleibt, desto größer sind die Aussichten der Schweiz auf die direkte WM-Qualifikation. In Italien dürfte dann auch Zakaria wieder in der Startelf stehen. Die Borussen bilden eine echte Achse in der „Nati“, mit dem aktuell überragenden Breel Embolo ganz vorne.