Sippels Patzer in Berlin Borussias Sommer-Problem im Herbst und eine Vertrags-Hoffnung

Mönchengladbach · Torwart Tobias Sippel patzte beim 1:2 in Berlin entscheidend. Yann Sommers Rückkehr wäre wichtig für Borussia, genauso wie eine Vertragsverlängerung. Dass es bald so kommt, darüber wird nun spekuliert.

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Foto: AFP/OLIVER BEHRENDT

Tobias Sippel stand am Sonntag in Berlin, im kleinen Stadion an der Alten Försterei, in dem sein Fehlgriff dazu beigetragen hatte, dass es eine reine Partyzone war nach dem 1:2 der Borussen dort, für eine Verteidigungsrede nicht zur Verfügung. Was sollte er auch sagen: Er hatte in der 79. Minute bei Diogo Leites Hereingabe den Ball verfehlt und Kevin Behrens diesen dann ins verwaiste Tor bugsiert. Es war Sippels Ding – und für Borussia der Anfang vom Ende der Hoffnung auf Zählbares.

„Das kann alles passieren, aber es ist dann unfassbar unglücklich“, sagte sein Teamkollege Christoph Kramer, ohne Sippel den Fehler explizit anzukreiden. „Die Spieler sind selbstkritisch genug. Aber ich kann nicht sagen, dass sie es in der Szene perfekt gemacht haben“, sagte Trainer Daniel Farke und meinte damit Sippels Patzer und die Passivität von Yvandro Borges Sanches bei Unions kurz ausgeführter Ecke vor dem 2:1.

Dazn-Expertin Almuth Schult, als Torhüterin eine Frau vom Fach, stellte fest: „Wenn Sippel rauskommt, muss er vor Behrens am Ball sein. Ansonsten muss er auf der Linie bleiben und versuchen, den Ball zu halten.“ Sippel hätte kein Argument dagegen. Denn: „Das ist Gesetz beim Torwartspiel“, sagte Schult.

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Foto: dpa/Tom Weller

Seit dem Pokalspiel in Darmstadt steht Sippel im Tor, weil sich Sommer nach wenigen Minuten den Fuß vertrat. Die Bilanz der seither absolvierten 257 Sippel-Minuten: sieben Gegentore. Mindestens das erste in Berlin war ein klarer Fehler des Torwarts. Beim 1:2 und zuvor gegen Frankfurt beschlich den geneigten Betrachter zumindest das Gefühl, dass Yann Sommer vielleicht einen der Gegentreffer verhindert hätte. Nun muss Sippel auch noch den Berliner Fauxpas verdauen.

Sippel fehlt über Jahre die Spielpraxis, gerade bei der Strafraum-Beherrschung macht sich das wohl bemerkbar. Doch, und da war Almuth Schult brutal ehrlich: „Es ist nun mal ein Qualitätsunterschied zwischen Sommer und Sippel“. Sommer gehört zu den besten Tormännern Europas, er stellte in dieser Saison in München einen Paraden-Rekord auf und war mit zuweilen verblüffenden Taten Garant nicht nur für den Punkt bei den Bayern. Auch ist Borussias Aufbauspiel stark auf Sommers große Qualitäten am Fuß ausgelegt, Frankfurt und auch Union liefen deswegen Sippel immer wieder konkret an, wenn er den Ball hatte.

Dass in dieser Situation Sommers auslaufender Vertrag und die von Borussia erhoffte Verlängerung ein Thema wird, liegt auf der Hand. „Sky“ meldet nun, Borussia habe dem Schweizer ein neues Angebot vorgelegt und es stehe kurzfristig die Unterschrift an. Wie kurzfristig sich Sommer entscheiden wird, auch angesichts der bevorstehenden WM, bleibt abzuwarten. Dass ein Engagement über die Saison hinaus für Gladbach ein wichtiger Faktor wäre, wird in diesen Wochen jedoch überdeutlich.

Aktuell hat Borussia aber ein Sommer-Problem im Herbst. Der Schweizer ist neben Jonas Hofmann und Manu Koné ein Unterschiedsspieler, alle drei fehlten wie Ko Itakura und Florian Neuhaus, deren Abwesenheit indes durchaus vom vorhandenen Personal aufgefangen werden kann (Marvin Friedrich, Christoph Kramer). Hannes Wolf und Stefan Lainer, die ebenfalls nicht dabei waren, hatten bisher kaum Spielanteile. Was in der Summe aber fehlt: Breite in der Tiefe.

Konsterniert: Borussias Torwart Tobias Sippel.

Konsterniert: Borussias Torwart Tobias Sippel.

Foto: Dirk PŠffgen/Dirk Paeffgen (dirk)

Vor allem Sommers Rückkehr wäre wichtig. Farke gab aber keine optimistische Prognose ab. „Zumindest wird Manu Koné zurückkommen nach seiner Gelbsperre, das wird schon helfen. Bei den Verletzten müssen wir abwarten. Es war keine Chance bei Yann Sommer oder Jonas Hofmann für Berlin. Jetzt ist die Zeit kurz bis Freitag. Es werden nicht viele Spieler sein, die zurückkehren. Die schwierige Situation wird noch anhalten“, sagte Farke.