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Gladbach wird seit der Ära Lucien Favre immer weniger linksfüßig

Platz 95 von 98 : Braucht Borussia wieder einen Linksruck?

Nur drei Teams in Europas Topligen spielten prozentual mehr Pässe mit rechts als Gladbach. Einst unter Lucien Favre agierte Borussia dagegen oftmals mit fünf Linksfüßern. Warum die Unausgewogenheit kein Nachteil sein muss und wer sie kompensiert.

Platz 95 von 98 Teams in den europäischen Top-Ligen klingt nicht nach einer Auszeichnung. Lediglich drei Mannschaften haben rechtsfüßiger als Borussia Mönchengladbach agiert, sprich, einen geringeren Anteil an Pässen mit dem linken Fuß gespielt. Was das aussagt und ob es problematisch ist, lässt sich allerdings nicht pauschal bewerten. Borussia landete mit 23,6 Prozent auf Platz zehn in der Bundesliga, die AS Rom wurde mit 22,5 Prozent Sechster in Italien, der FC Metz aus Frankreich mit 23,1 und UD Levante aus Spanien mit 20,2 Prozent stiegen jeweils auf Platz 19 ab.

Fest steht jedoch, dass hinter der Fußverschiebung nach rechts in Gladbach eine Entwicklung steckt, die nach der letzten kompletten Saison unter Lucien Favre Fahrt aufnahm. 2014/15 absolvierten Linksfüßer 33,2 Prozent aller Spielminuten für Borussia in der Bundesliga, in der Vorsaison, der letzten von Juan Arango, waren es sogar 37,5 Prozent gewesen. Im Tor stand damals der beidfüßige Marc-André ter Stegen, in der Abwehr waren Oscar Wendt, Filip Daems und Álvaro Dominguez mit einem starken linken Fuß ausgestattet, im Mittelfeld neben Arango natürlich Granit Xhaka, vorne spielte Linksfuß Max Kruse, dazu kam Branimir Hrgota immer wieder rein. Vergangene Saison unter Adi Hütter deckten Linksfüßer nur noch elf Prozent aller Spielminuten ab, lediglich Ramy Bensebaini und Luca Netz gingen dabei als Stammspieler durch. Ein Vorwurf war dem Trainer dabei nicht zu machen.

In Keanan Bennetts ist ein Linksfuß auf jeden Fall weg, Laszlo Bénes hatte zuletzt kaum eine Chance und wird mit Werder Bremen in Verbindung gebracht, Mamadou Doucouré ist weit entfernt von einem Kaderplatz, Bensebaini hegt Wechselambitionen. Sollte Favre, sobald seine Rückkehr perfekt ist, einen Linksfuß bei Sportdirektor Roland Virkus bestellen, würde es einen zumindest nicht verwundern. Vor allem in der Innenverteidigung herrscht ein Vakuum, wo die prägenden Figuren der ersten Favre-Ära, Dante und Dominguez, bis heute keinen richtigen Nachfolger bekommen haben.

Deniz Güler hat sich mit seinen Taktikanalysen auf „borussiaexplained.de“ eine kleine Fangemeinde aufgebaut. „Es hilft immer – vor allem im Aufbauspiel, egal ob Dreier- oder Zweier-Kette – einen Links- und Rechtsfuß zu haben“, sagt der Blogger. „Allein dadurch, dass der Linksfuß links alle Winkel bespielen kann, während ein Rechtsfuß auf links mit seiner Körperhaltung verrät, welche Seite er bespielt.“

Nico Elvedi habe jedoch die technischen Fähigkeiten und auch eine gute Körperbewegung, um die Rolle auf der scheinbar falschen Seite in der Innenverteidigung auszufüllen. Vergangene Saison hat Elvedi 26,6 Prozent seiner Pässe mit dem schwächeren linken Fuß gespielt. Auch Joe Scally (22,5) musste sich als Ausweich-Außenverteidiger auf links häufig umstellen.

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Dass die äußerst rechtsfüßige Borussia auch besonders rechtslastig aufbaute, findet Taktikblogger Güler aber nicht problematisch. „Matthias Ginter stand als rechter Halbverteidiger in der Dreierkette asymmetrisch zum linken, also höher, weil er der spielintelligenteste Verteidiger am Ball war“, so Güler. So sei Ginters Stärke bei Diagonalbällen zum Tragen gekommen, vor allem mit Alassane Plea als Adressat im halblinken Raum.

Alles kein Problem also? „Gegen Gegner, die Borussia nicht spielen ließen und relativ früh pressten, kann die Unausgewogenheit eine negative Rolle gespielt haben, allerdings würde ich die Thematik Links- und Rechtsfuß dort nicht primär miteinbeziehen, weil beim Pressing des Gegners das eigene Freilaufverhalten im Vordergrund steht“, sagt Güler.

Ausgewogenheit allein ist demnach kein Erfolgsrezept. Der VfL Wolfsburg war dahingehend ein Phänomen in Europas Top-Ligen, mit nahezu identisch vielen Pässen mit links und mit rechts stürzten die „Wölfe“ aber in der Liga von Platz vier auf zwölf ab. Und auch hinter dem beidfüßigsten Gladbacher liegt eine komplizierte Spielzeit. 47,9 Prozent seiner Pässe spielte Hannes Wolf mit links, 52,1 mit rechts, bevor er an Swansea City verliehen wurde. Seine Zukunft ist halbwegs ungewiss. Manu Koné wiederum, einer der Gewinner der Saison, agierte am wenigsten mit seinem schwächeren linken Fuß (nur 7,8 Prozent aller Zuspiele).

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