„Das geht nicht an einem Tag“ Gladbach-Manager Virkus will Farke-Entscheidung nicht überstürzen

Mönchengladbach · Die letzten beiden Saisonspiele wird Borussia auf jeden Fall mit Trainer Daniel Farke absolvieren. Und dann? Der Betroffene versucht, souverän mit der schwierigen Situation umzugehen. Manager Roland Virkus will sich Zeit nehmen für die Entscheidung. Im Fall der Fälle gibt es einen Top-Kandidaten.

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Foto: dpa/Carmen Jaspersen

Am 27. Mai um kurz vor halb sechs wird die Bundesliga-Saison 2022/23 für Borussia Mönchengladbach beendet – da gibt es keinen Interpretationsspielraum und keine anderslautenden Gerüchte. Dass im Anschluss eine „Generalanalyse“ ansteht, die sich auch, aber nicht nur um die Personalie des Cheftrainers dreht, hat Manager Roland Virkus gegenüber unserer Redaktion am Montag angekündigt. „Da lassen wir uns Zeit, das geht nicht an einem Tag. Ich denke, dazu habe ich jetzt alles gesagt“, betonte Virkus am Freitag auf der Pressekonferenz vor dem Auswärtsspiel bei Bayer 04 Leverkusen (Sonntag, 19.30 Uhr). „Eine ganz normale Geschichte“ sei eine solche Analyse, bei der es „um viele Dinge“ gehe, versuchte Virkus die Thematik herunterzuspielen.

Wer kurz vorher das Training beobachtete, gut besucht am Brückentag nach Christi Himmelfahrt, der hätte wieder nicht vermuten können, dass etwas anders ist bei Borussia. Hand in Hand absolvierten die Spieler in zwei Gruppen ihr Aufwärmprogramm, eine Übung, die in den ersten Wochen der Sommer-Vorbereitung unter Daniel Farke noch die Blicke auf sich zog. Der Kreis, der den Ball als erster ans andere Ende des Platzes jongliert hatte, jubelte lautstark. Schlechte Stimmung konnte niemand ausmachen.

Noch 180 Minuten Fußball und eine Generalanalyse – dann wird Borussia ihre Entscheidung verkünden, ob es mit Farke in die neue Saison geht oder ob zum dritten Mal in Folge im Sommer ein neuer Trainer übernimmt. Im Fall der Fälle ist U23-Coach Eugen Polanski nach Informationen unserer Redaktion der Top-Kandidat, sein Name war in diesem Kontext erstmals am Samstag rund um das Spiel der Profis bei Borussia Dortmund aufgetaucht. Zwei Tage später schloss Virkus – auch das hätten erste Gerüchte als Möglichkeit benannt – eine sofortige Trennung von Farke aus.

Hätte der sich eine schnellere und andere Art der Rückendeckung gewünscht? „Als junger Trainer hätte ich mir solch eine Situation vielleicht eher zu Herzen genommen“, sagte Farke. „Aber es ist Profifußball, deshalb bin ich total fokussiert und möchte den Saisonabschluss mit meiner Mannschaft bestmöglich gestalten.“ Er sei weit davon entfernt, irgendetwas persönlich zu nehmen.

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Foto: Moritz Mueller

Die Hinspiele gegen Leverkusen und Augsburg hat Borussia nach der langen WM- und Winterpause verloren. Gegen Bayer gab es zuletzt sogar sechs Niederlagen in Folge, und das Aus im Halbfinale der Europa League gegen die AS Rom (0:0 trotz einer Torschussbilanz von 23:1) sieht Farke nicht als Vorteil für Gladbach. „Ich hätte es – auch für uns – lieber gesehen, wenn Leverkusen das Spiel gewonnen hätte. So sind sie enttäuscht und unzufrieden, aber waren der Sieger der Herzen“, sagte er. „Ich bin sehr sicher, dass sie versuchen werden, diese positive Energie auch am Sonntag ins Stadion zu bringen.“

Die „Werkself“ ist Siebter, punktgleich mit dem Sechsten, und erreicht den Europapokal nur garantiert, wenn sie den VfL Wolfsburg noch überholt. Zu tun bekommt es Bayer mit einer Borussia, die als Elfter theoretisch noch zwei Plätze klettern und zwei abrutschen kann. Linksverteidiger Ramy Bensebaini fehlt gelbgesperrt, Alassane Plea hat beim 2:5 gegen den BVB seine Sperre abgesessen, Marcus Thuram ist einsatzbereit nach vierwöchiger Verletzungspause, dafür fällt Torwart Jonas Omlin erneut aus und wird von Jan Olschowsky vertreten werden.

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Foto: Dirk PŠffgen/Dirk Paeffgen (dirk)

Während Virkus die Ausgangssituation nicht weiter kommentieren wollte, dass die Jobgarantie für Farke erst mal nur bis zum 27. Mai Bestand hat, will sich der Betroffene möglichst wenig anmerken lassen. „Meiner Mannschaft wird immer vorgeworfen, wenn Widerstände kommen, nicht resilient zu sein, sondern wankelmütig“, sagte Farke. „Als Cheftrainer musst du das vorleben, wenn mal nicht ganz so einfache Zeiten sind, und vorangehen. Dann darfst du keinen Millimeter von dem abweichen, wofür du stehst.“

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